Für die Fans (im Bild vom TuS Eichlinghofen) ist die Hallenstadtmeisterschaft immer ein Erlebnis. © Schütze
Fußball

Gründer der Hallenstadtmeisterschaft blutete das Herz – aber nicht wegen der Absage der Titelkämpfe

Dortmunds Amateursport ist ohne die Hallenfußball-Stadtmeisterschaft um eine gewaltige Attraktion ärmer – dabei fing alles in den 80er Jahren an. Daran erinnert sich der Vorsitzende des FC Brünninghausen.

Dortmunds Amateursport ohne Hallenfußball-Stadtmeisterschaft ist wie – ja, wie zum Beispiel FC Brünninghausen ohne Rudi Zorn. Dass dieser Satz nur eine These, aber keine Ist-Beschreibung wird, verdanken die Brünninghauser Zorns Engagement.

So traurig der Vorsitzende des FCB wegen des ersten Ausfalls des großen Turniers, das er mit aus der Taufe hob, auch ist, seinem Klub aber bleibt er erhalten. Und ihm ist gar nicht langweilig. Viel zu tun habe er, berichtet der Funktionär. Dennoch bleibt Zeit für einen Rückblick – mit Zorn, aber inhaltlich ohne Zorn. Zudem gibt der 74 Jahre alte Vorsitzende seine Einschätzung über gegenwärtige Entwicklungen ab. Wir werden jetzt an drei Tagen hintereinander an die Hallen-Stadtmeisterschaft erinnern und hoffen, dass sie 2021 wieder stattfinden.

Rudi Zorn, bevor wir in anekdotenreiche Zeiten abtauchen, interessieren wir uns dafür, wie Sie als Mann der ersten Stunde mit der Absage der Stadtmeisterschaft umgehen. Halten Sie die frühe Absage für gerechtfertigt?

Ja, diese Entscheidung war völlig richtig. Die Gesundheit geht erstens vor. Und dann sehe ich ja auch den planerischen Aspekt. Viele Ehrenamtler wären im Einsatz gewesen, die eine noch größere Verantwortung hätten tragen müssen. Und es war wichtig, Planungssicherheit zu haben. Wir hätten schon früh einiges bestellen und besorgen müssen. Es ist besser, dass wir viele Dinge nun nicht vergebens gemacht haben.

Zur Zeit der Absage gab es Überlegungen, das Turnier ohne Zuschauer auszutragen. Hätte eine Geistermeisterschaft Ihnen Spaß gemacht?

Prinzipiell fand ich die Idee gar nicht mal so schlecht. Aber gerade diese Veranstaltung lebte doch immer sehr vom Publikum. Und sie war ein jährliches Wiedersehen für Fußballfreunde, die sich sonst nicht über den Weg gelaufen wären. Ohne Zuschauer wäre es dann nicht unsere Stadtmeisterschaft gewesen.

Das ist eine günstige Formulierung für den Übergang zu den Ursprüngen. Es war zunächst ja nicht unser aller Turnier, sondern Ihres. Lassen Sie uns in den Zeiten des Verzichts daran erinnern, wie sie sich das alles erarbeitet hatten, was uns in diesem Jahr so fehlt. Wie war es damals? Wir dürfen vorwegnehmen, dass eine Brauerei eine nicht unerhebliche Rolle spielte. Diese Antwort also ist Ihr Bier…

Wir hatten zunächst unser Brünninghauser Hallenturnier, direkt hier an unserem Platz. Das lief mehrere Jahre richtig gut. Ja, damals hatten wir das zusammen mit der Ritter-Brauerei gemacht. Der Fußball-Kreis wollte zunächst nichts davon wissen. Dabei war das Turnier eine Granate.

War Hallenfußball da schon in Deutschland ein Thema. Oder haben Sie Pionierarbeit geleistet?

Ja, das war ganz neu. Dementsprechend hatten wir gar keine richtige Vorstellung, wie das aussehen sollte. Die Idee hatte in den 70er Jahren Karl-Heinz Richard, der damalige Hallenkoordinator der Stadt. Die Winterpause war damals ja unendlich lang. Und in unserer Halle war Platz.

Wie sah der frühe Hallenfußball in Dortmund dann aus?

Wie gesagt, war das alles nicht so einfach. Wir malten einen rechteckigen Strafraum auf den Hallenboden, der in etwa in der Höhe des weitesten vom Tor entfernten Punktes des Handballkreises entlanglief. Das nächste Problem war an Hallentore zu kommen. Das war sogar Bastelarbeit. Wir hatten immer nur das eine Schiedsrichtergespann, zu dem Pit Richarz gehörte, der später ja lange im Fußballkreis gearbeitet hat. Die Regeln hatten wir uns übrigens selbst gemacht.

Und die Leute waren neugierig?

Ja, anfangs blieben noch ein paar Plätze leer. Die Leute, die so lange im Winter auf Fußball verzichten mussten, fanden aber schnell Gefallen am rasanten, technischen Fußball. Es wurde immer leichter für uns, den Kreis größer zu ziehen.

Und dann holten Sie die richtigen Leute ins Boot. Einen davon kennen wir in der Journaille bestens. Was passierte also?

Genau, Sie meinen Udo Stark, der für Ihren damaligen Mitbewerber Westfälische Rundschau im Einsatz war. Dazu kam noch Bernd Siebert. Wir trafen uns nun öfter in unserer Hütte am Platz und überlegten, wie wir ein viel größeres Turnier – im Idealfall mit Beteiligung des Kreises – auf die Beine stellen könnten. Für solch eine Veranstaltung mit eine Endrunde suchten wir noch Sponsoren. Friedhelm Cramer von der Stifts-Brauerei hatte ein offenes Ohr für uns.

Und dann ging es los. Wie war das?

1984 lief die erste Stadtmeisterschaft in vier Hallen als inoffizielle Stadtmeisterschaft. Die erste Auslosung war im Novotel in Oespel. Diese Auslosungen hatten es in sich – oder besser, was danach geschah. Ich kam öfters erst am frühen Morgen nach Hause. Während des Turniers rannten die Leute uns die Bude ein. Und dann wuchs die Veranstaltung ja schnell. Bald hatten wir eine Art frühes Public Viewing veranstaltet. Im PZ des Helene-Lange-Gymnasiums stellten wir Fernseher auf. Der Brauerei war es ja recht, wenn die Leute Bier tranken, egal wo. Halle und Vorraum füllten sich immer mehr. Der Kreis machte jetzt doch mit. Die vierte Auflage lief unter seiner Federführung. Mit den ersten Organisatoren, auch den Leuten von Hellweg Lütgendortmund, dem FC Merkur und Bernd Sieberts Westfalia Wickede war das sehr harmonisch. Für mich war es die schönste Zeit.

Wie entwickelte sich das Interesse der Dortmunder?

Immer weiter. Bemerkenswert war, als wir an zwei Endrundentagen, damals noch in Renninghausen, insgesamt 1000 Zuschauer hatten. Als es hier zu eng wurde, sind wir ja nach Wellinghofen gegangen, eine atmosphärisch schöne Halle, die aber nur eingeschränkte Möglichkeiten der Bewirtung bot. Wir spielten mal die Endrunde am 2. Weihnachtstag. Auch da war es richtig voll. Was danach passierte, haben ja auch Sie miterleben können. Denn irgendwann wurde ja auch Wellinghofen zu klein.

Was hat sich auf dem Parkett verändert?

Die Breite ist größer geworden. Jede Mannschaft hat ein, zwei gute Techniker. Aber es war schon früher die Bühne für die technisch versierten Spieler. Leute, die draußen einen großen Namen hatten, mussten nicht unbedingt in der Halle stark sein. Und natürlich fieberte das Publikum schon damals mit dem Underdog.

Ein Beispiel?

Ich erinnere mich an das Finale 1987, als der VfL Kemminghausen den Favoriten VfR Sölde schlug. Mein Gott, da ging es schon richtig zur Sache. Und die Leute wollten Kemminghausen siegen sehen. Auf dem Platz und auf der Tribüne wurde es da schon richtig hitzig. Kemminghausens Torsten Richter war damals ein Spieler, den ich sehr gerne spielen sah.

Der VfR Sölde prägte die Stadtmeisterschaft lange mit. Haben Sie die Mannschaft gemocht?

Oh ja, die hatten ganz hervorragende Fußballer, die mit ihren vielen Titeln und Finalteilnahmen ein großes Stück Hallengeschichte in Dortmund mitgeschrieben haben.

Anfangs waren Sie immer dabei. Dann blieben Sie aus gesundheitlichen Gründen im Vereinsheim, das mittlerweile ja alles andere als eine Hütte am Platz ist. Wie beurteilen Sie die Entwicklung generell?

Sie ist fantastisch. Anfangs spielten ja auch die BVB-Amateure mit. Die waren mit Sölde dann die Gejagten. Heute haben wir so viele tolle Mannschaften. Und dass wir ja in viel größeren Dimensionen in großen Hallen spielen, spricht auch für sich.

Wie kamen Westfalenhalle, in der zwei Stadtmeisterschaften 2011 und 2012 über die Bühne gingen, und Helmut-Körnig-Halle bei Spielern und Fans an?

Die Westfalenhalle war dann wohl doch eine Nummer zu groß. Hut ab aber, dass in unserem Verein Mitglieder Geld gesammelt hatten, dass unsere Kinder ein Ticket bezahlen konnten. So war immerhin der Brünninghauser Block gut gefüllt. Die Körnig-Halle passt aber genau, sie ist ideal. Ich höre nur Gutes.

Rudi Zorn hat im Interview über den Beginn der Dortmunder Hallenstadtmeisterschaften gesprochen. © Klinke © Klinke

Stichwort Fans: Waren die Eichlinghofer schon immer das, was Sölde auf dem Feld war: eine Macht?

Ja, solange ich mich erinnern kann, hatten sie in Renninghausen ihre Ecke in Beschlag genommen und da mächtig Lärm gemacht. Die Begeisterung brachten sie auch in andere Hallen mit. Es gibt ja mittlerweile auch viele andere stimmungsvolle Fangruppen. Diese Atmosphäre macht die Stadtmeisterschaft so besonders.

Schmerzt es, nicht mehr vor Ort die Spiele verfolgen zu können?

Ach, ich werde ja auch nicht jünger, aber dafür gelassener. Das zeigt sich darin, dass ich nicht mehr vieles spontan entscheide. Ich schlafe eine Nacht darüber und treffe dann eine Entscheidung. Genauso habe ich mich daran gewöhnt, nicht mehr in die Halle zu gehen. Das wäre mir zu umständlich. Ich habe mich damit abgefunden, dass es besser ist, in Ruhe aus der Distanz das Geschehen zu verfolgen. Ich räume aber ein, als unsere Mannschaft 2011 mit dem Pokal aus der Halle in unser damals ziemlich neues Vereinsheim kam, blutete mein Herz schon ein wenig.

Blutet das Herz wirklich jetzt nicht, weil Corona Hallenfußball ausschließt?

Ich habe immer noch viel zu tun, bin sehr beschäftigt. Der Papierkram für den Verein verlangt schon einige Stunden am Tag, so ist mir bestimmt nicht langweilig.

Also bleibt auch nicht viel Zeit zum Grübeln…

Nein, ich denke auch, wir sollten geduldig sein. Lasst uns abwarten und dann zu gegebener Zeit überlegen, was kommendes Jahr wann möglich ist.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Hallenfußballs?

Ich wünsche dem Fußballkreis, dass er die Sponsoren behält. Für sie ist es in diesen schwierigen Tagen auch nicht leicht, über die Runden zu kommen. Diese Veranstaltung aber muss weiterleben. Sie bereitet uns allen so viel Freude. Ja, die Zeiten, als ich aktiv mitorganisierte, waren schön. Der Dortmunder Fußball zeigt sich auch heute noch, wenn es in die Halle geht, als Familie. Ich wünsche den jungen Leuten, dass sie dieses Gefühl noch lange erleben.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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