Im Fußballkreis Dortmund gibt es für die Juniorenfußballer einige Änderungen. Das bestätigte der KJA-Vorsitzende Andreas Edelstein. © Folty
Fußball:

Fußballkreis ist sauer über Probetrainings: „Einige Klubs leben keine Solidarität“

Immer mehr Dortmunder Klubs melden sich beim Fußballkreis, um darauf aufmerksam zu machen, dass die eigenen Kinder und Jugendlichen zu Probetrainings gehen. Ist das überhaupt erlaubt?

Andreas Edelstein hat ein eher ruhiges Gemüt. Der Stellvertretende Vorsitzende des Fußball-Kreises Dortmund und Jugendboss im Kreis versucht immer erst eine Lösung zu finden, bevor er herumpoltert. Er ist eher Mediator als Ankläger. Aufgrund seiner Art wird er bei vielen Vereinen geschätzt. Jetzt ploppt aber ein Thema auf, bei dem er sich wirklich zusammenreißen muss, um nicht zu aggressiv in der Sache zu wirken.

Es geht um das Thema Probetrainings bei Juniorenteams. Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen hat darauf hingewiesen, dass aufgrund der aktuellen Corona-Lage keine Probertrainings stattfinden sollen. Sie finden aber trotzdem statt. „Das Problem ist, dass wir keine Probetrainings verbieten dürfen. Das gibt die Spielordnung einfach nicht her“, erklärt Edelstein. Er bezeichnet es aber als extrem ärgerlich, dass „einige Klubs keine Solidarität gegenüber der Fußballfamilie leben.“

Individual-Training für Gäste

Es gäbe Vereine, die ihren Vorteil, dass sie aktuell auf den Platz dürfen, gerade extrem ausnutzen. Städtische Plätze sind in Dortmund gesperrt. Nur private Sportplätze sind geöffnet. Hier dürfen Vereine Individual-Training für zwei Personen anbieten. Und das machen sie, auch mit Spielern aus anderen Klubs. Sie wollen so die Jungs testen, ob sie für den eigenen Verein geeignet sind.

„Es sind aber nicht nur Dortmunder Vereine, die das Probetraining anbieten, um neuen Nachwuchs zu finden. Es sind auch Vereine aus Nachbarstädten, die aufgrund der Verordnungen in deren Städten und Kreisen sogar mit Fünfer-Gruppen trainieren dürfen“, sagt Edelstein.

Wie zum Beispiel im Kreis Unna. Hier greift die Bundesbremse. Die beinhaltet, dass fünf Kinder bis 14 Jahren zusammen trainieren dürfen. In Dortmund ist das nicht erlaubt, weil die Stadt eine vom Land NRW genehmigte Sonderverfügung besitzt, die Training in Gruppen kategorisch ausschließt. So müssen die heimischen Vereine mit ansehen, wie ihr Nachwuchs bei Klubs aus anderen Städten und Kreisen mittrainiert.

Aufgrund dieser Problematik läuft gerade ein Sportverfahren. Denn ein Klub hat ein Kind mittrainieren lassen, ohne die Genehmigung dessen Vereins bekommen zu haben. Das ist die Voraussetzung, dass ein Nachwuchskicker überhaupt bei einem anderen Verein mittrainieren darf. Vereine möchte Edelstein nicht nennen. „Dass Spieler ohne Genehmigung bei anderen Klubs trainieren, kommt häufiger vor. Die Vereine beschweren sich leider nicht immer offiziell darüber“, sagt Edelstein. 100 Euro Ordnungsgeld kostet es, einen Spieler ohne Genehmigung mittrainieren zu lassen.

Andreas Edelstein ist enttäuscht

Edelstein sei auch deshalb enttäuscht, weil einzelne Vereine es so dreist ausnutzen, dass die Fußballplätze anderer Klubs geschlossen sind und die so ihrem Nachwuchs kein Individualtraining anbieten können. „Diese Vereine müssen sich die Frage stellen, welchen Stellung sie innerhalb der Fußballfamilie einnehmen möchten“, sagt Edelstein.

Er hält die Durchmischung auch in der Außenwirkung für fatal. Eine Durchmischung von Gruppen sei während der Dritten Welle aus Infektionsgründen nicht gerade sinnvoll. „So steht der Fußball nicht gut da. Bei den Senioren waren es die unerlaubten Kabinenpartys. Bei der Jugend sind es jetzt die nicht gewünschten Probetrainings. Wenn jeder Klub sich nur zwei Prozent zurücknehmen würden, stünde der Fußball besser da“, sagt Edelstein.

Er appelliert noch einmal an alle Klubs, auf Probetrainings im Jugendbereich zu verzichten. Die würden dem Fußball und den Vereinen in der aktuellen Situation einfach nicht helfen.

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Thomas Schulzke
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