Oliver Meibert ist für den Aufschwung in seinem Klub verantwortlich. © Verein
Amateurfußball

Fünf neue Mannschaften innerhalb von sieben Monaten – Plötzlich die Nummer 1 der Stadt

Das kommt eher selten vor, dass ein Fußballverein aus Dortmund in der Corona-Zeit gleich fünf Mannschaften hinzugewinnt. Einem Klub aus dem Süden ist das aber gelungen.

Die Vereine haben aktuell schwer zu kämpfen, um ihre Mitgleiedrzahlen zu halten. Die Klubs kämpfen vor allem darum, ihre Kinder und Jugendlichen zu halten. Denn die stehen für eine erfolgreiche Zukunft. Ein Dortmunder Klub schwimmt gegen den Trend und meldet gleich mal fünf neue Mannschaften.

Denn der Mädchenfußball boomt beim Bezirksligisten TuS Eichlinghofen. Etliche Fußballvereine befürchten wegen der langen Corona-Pause einen großen Aderlass an Jugendspielern. Ganz anders sieht die Situation in Eichlinghofen aus. Trotz der Pandemie verzeichnen die Südlichen einen regelrechten Boom im Mädchenbereich.

Aufgrund des unglaublichen Zulaufs an Mädchen wurde in nur sieben Monaten der Bereich Mädchenfußball aus dem Nichts aufgebaut. Wer oder was steckt hinter diesem kaum für möglich gehaltenen Zulauf an kickenden Mädchen? Der Aufschwung beim TuS hängt in erster Linie mit der Person Oliver Meibert zusammen: Der 35-jährige Ur-Eichlinghofener, der heute noch aus Spaß an der Freude bei den Alten-Herren aktiv kickt, ist selber Vater von zwei Mädchen.

Die beiden Mädels (vier und sieben Jahre alt), wollten anfangen im Verein Fußball zu spielen, verspürten aber nur wenig Lust mit Jungen in einer Mannschaft zu spielen. Also nahm Vater Oliver das Heft in die Hand, klapperte etliche Kindergärten und Grundschulen im Dortmunder Süden ab, verteilte dort Flyer, hängte Plakate aus und gründete eine reine Mädchenmannschaft.

Auch in der heutigen, von Facebook, Twitter und Instagram bestimmten Zeit, war seine althergebrachte Art der Mitgliedergewinnung von Erfolg gekrönt. Anfang September 2020 erschienen immerhin schon acht Mädchen zum ersten Training auf der Sportanlage des TuS. Nach vier Wochen sprach sich das Angebot im gesamten Dortmunder Süden rum und Oliver Meibert konnte bereits zwanzig Mädchen zu den Einheiten begrüßen.

Mit acht Mädchen hat es im September begonnen. Jetzt sind es schon 40. © Verein © Verein

„Ich habe größten Respekt vor dem unglaublichen Engagement von Oliver Meibert. Der gesamte Verein steht total dahinter“, lobt auch Marc Risse, der Trainer der 1. Mannschaft des Bezirksligisten die Arbeit des Machers. Momentan tummeln sich sage und schreibe vierzig Mädchen im Alter zwischen vier und elf Jahren während der Trainingszeiten auf dem Feld. Mit diesem Boom hat selbst der Initiator Oliver Meibert nicht gerechnet.

„Wir werden in der kommenden Saison wahrscheinlich fünf reine Mädchenteams zum Spielbetrieb melden. Ein U7-Team, zwei U9-Teams, eine U11 sowie eine U13-Mannschaft“ berichtet Oliver Meibert stolz. Die U9 hat bereits ihr erstes Testspiel absolviert und konnte dabei immerhin ihr erstes Tor bejubeln. Die Mädchen kommen mittlerweile aus dem gesamten Dortmunder Stadtgebiet, selbst aus dem im äußersten Westen unserer Stadt gelegenen Vorort Nette reisen Mädchen bei Regen, Sturm und Hagel zum Training an.

Riesige Unterstützung erhält er aus dem Bereich der beiden Damenmannschaften: Die aktiven Spielerinnen Eva Barth, Anna Krupp, Annika Schubert und Nathalie Pester sind als Trainerinnen mit viel Fachwissen am Werk und mitverantwortlich für den Boom bei den Spielerinnen. Aufgrund des ungeheuren Zulaufs werden beim TuS noch weitere zusätzliche Trainer gesucht.

„Wir bieten kindgerechtes und abwechslungsreiches Training an. Jede Spielerin hat ihren eigenen Ball, stupides Rundenlaufen ist bei uns verpönt. Wir vermitteln alles über den spielerischen Weg“, gibt Oliver Meibert Einblicke in die Trainingsabläufe. Natürlich haben die Mädchen des TuS Eichlinghofen zur Begrüßung auch einen eigenen Spruch kreiert: „Was sind die Mädels des TuS Eichlinghofen?“ „Supercool“, lautet der Spruch, der bei jeder Einheit lautstark über die Sportanlage hallt.

„Bei uns stehen der Mannschaftsgedanke, die Begegnung mit Freundinnen, der Spaß an der Bewegung und die Freude am Vereinsleben an erster Stelle. Außerdem wollen wir die Mädchen natürlich auch vom PC wegholen“, ergänzt Oliver Meibert, der sich auch über den großen Rückhalt durch die Eltern freut. Da Stillstand aber Rückschritt bedeutet, plant er in der Zukunft weitere Aktionen. Wenn die Schulen wieder geöffnet sind, wird der TuS Eichlinghofen auch an den weiterführenden Schulen mit Plakaten und Flyern aktiv werden. Schließlich soll aus den Mädchenteams mittel- oder langfristig mal der Unterbau für die Damenmannschaften entstehen.

Die Verantwortlichen des TuS Eichlinghofen sind sich durchaus ihres Alleinstellungsmerkmals im Raum Dortmund bewusst. „Fünf reine Mädchenmannschaften, das wird so in ganz Dortmund und Umgebung nicht angeboten“, berichtet der Macher Oliver Meibert sichtlich stolz.

Über den Autor
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Baujahr 1965, gebürtiger Dortmunder, der sich seit fast zwanzig Jahren auf den Sportplätzen tummelt und den Dortmunder Amateurfußball mit all seinen Facetten kennt.
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Frank Büth
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