Fußballspielen wird der Dortmunder Fußballer nicht mehr. © SYSTEM
Amateurfußball

Früher deutscher U-Nationalspieler, mittlerweile hat der Dortmunder (32) die Karriere beendet

Er spielte für die U-Nationalmannschaft Deutschlands, war viele Jahre einer der talentiertesten Spieler im Dortmunder Amateurfußball. Dort spielt er bereits länger nicht mehr.

Einige schaffen es. Viele Talente aber bleiben auf der Strecke und wählen einen Umweg in ein zufriedenes Leben. Wieder andere verzweifeln und benötigen lange, um sich von der Enttäuschung zu erholen, sollte es ihnen überhaupt jemals gelingen.

Marco Dej zählt definitiv zur zweiten Fußballergruppe.

Obwohl erst 32, müsste es besser heißen „zur Gruppe ehemaliger Fußballer“. Denn nach der offiziellen Verabschiedung von Westfalenligist Westfalia Wickede hat sich der achtmalige Junioren-Nationalspieler von der Dortmunder Bühne verabschiedet. Wir suchten und fanden ihn in der Landeshauptstadt. Wie es einem der hoffnungsvollsten deutschen Talente seines 89er-Jahrgangs heute geht und wie er über den Fußball denkt, erzählt Marco Dej im Interview.

Marco Dej, Sie sind schwer zu kriegen. Beschäftigt?

Oh ja, ich lebe seit 2017 in Düsseldorf und arbeite als Key Account Manager für die Kraft Heinz Company. Das sind die, die ja den Ketchup herstellen

Denke ich also demnächst an Ketchup, denke ich an Marco Dej. Denke ich an den Dortmunder Amateurfußball, denke ich aber nicht mehr an Marco Dej. Sind Sie komplett raus?

Ja, ich habe mich daraus komplett zurückgezogen. Klar, mit Jungs wie Andreas Toetz, Lukas Homann und Marcel Großkreutz habe ich noch Kontakt. Aber was den Dortmunder Fußball angeht, bin ich soweit weg, dass ich mir nicht mal ein Urteil erlauben möchte, weil ich es nicht kann.

Schade, wir hätten schon gerne aus berufenem Munde eine Einschätzung gehabt, warum die Westfalia zuletzt so abbaute…

Wenn ich die Tabelle lese, denke ich schon, dass Corona wohl Wickede vor dem Abstieg gerettet hat. Aber es wäre nicht fair, zu kommentieren, warum das so ist.

Eine Rückkehr in den Dortmunder Fußball wird es für Sie nicht geben, schließen wir daher aus dem von Ihnen gewählten Abstand?

Das geht auch gar nicht. Meiner Knieoperationen und zuletzt ein Knorpelschaden waren für den Fußball nicht förderlich. Ein Meniskusriss hat dann ja meine Wickeder Zeit beendet. Ich habe hier in Düsseldorf mal bei einem Verein zur Probe mittrainiert. Da spürte ich das Knie sofort und wusste, das funktioniert nicht mehr. In der Nachbetrachtung war das ein schleichender Übergang zum Karriereende. Dazu kommt, dass ich wegen meines Jobs gar nicht die Zeit hätte, für den Fußball nach Dortmund zu pendeln. Dreimal Training und das Spiel, das wäre kaum zu packen.

Bleibt denn Zeit für Ihre persönliche Fitness?

Ich gehe laufen und ins Fitness-Studio, wenn es erlaubt ist. Aber als Student hatte ich auch dafür mehr Zeit.

Sie haben ja eine BVB-Vergangenheit. Interessiert Sie der Fußball denn überhaupt noch?

Ja, das schon. Ich verfolge, was der BVB macht, intensiv. Die Borussen waren gut in die Saison gestartet, dann eine lange Zeit hintendran. Am Ende haben sie es ja wieder richtig gut gemacht. Aber wir müssen so ehrlich sein, dass die Bayern das Nonplusultra sind. Eine schwache Phase darfst du dir gar nicht erst erlauben, willst du am Ende vor den Bayern stehen.

Haben Sie als Neu-Düsseldorfer eine Bindung zur Fortuna aufgebaut?

Eher nicht. Die Spiele, die ich von ihr gesehen habe, haben mich nicht vom Hocker gerissen. Deren Fußball ist nicht so toll. Zum Niveau der Borussia ist das ein großer Unterschied.

Haben Sie das erste EM-Spiel der deutschen Mannschaft am Dienstag gesehen?

Ja! Ich war zum ersten Mal wieder zum Fußballgucken in der Altstadt. Vom Spiel war ich eher enttäuscht. Aber es ist einfach schön, dass im Stadion mit Fans wieder Stimmung aufkommt. Und es macht auch Spaß, sich mit Freunden Spiele anzusehen.

Wenn Sie sich schon kein Urteil über Ihre Westfalia erlauben, sind wir nun neugierig, was ein Ex-Junioren-Nationalspieler über die deutsche Mannschaft von heute sagt…

Ich fand das gegen Frankreich defensiv in Ordnung. Vorne fehlte aber die Durchschlagskraft. Ohne echten Neuner ist es gegen die großen Franzosen schwierig. Aber Frankreich hat natürlich eine sehr starke Truppe. Jetzt müssen wir natürlich gegen Portugal gewinnen.

Sie reden frei, offen und entspannt über Fußball. Theoretisch hätten Sie auch in München auf dem Platz stehen können, wäre in Ihrem Fußballerleben alles optimal gelaufen. Tut es gar nicht mehr weh, kein Profi geworden zu sein?

Nein, das ist vorbei. Ich bin in jeglicher Hinsicht mit mir im Reinen. Als ich in jungen Jahren realisierte, dass ich nicht mit Fußball mein Geld verdienen werde, beschäftigte mich das schon. Ich brauchte etwas, das zu verarbeiten. Aber ich habe dann meinen beruflichen Werdegang in den Vordergrund gestellt und bin sehr glücklich.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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