Kein Amateurfußball bis Ostern? Ein Ex-Profi aus Dortmund trifft diese Prognose (Symbolbild). © Jens Lukas
Fußball-Westfalenliga

Ehemaliger Profi mit düsterer Prognose: Ich rechne nicht damit, dass wir vor Ostern spielen

Der Lockdown ist verlängert. Bis Ende Januar geht so gut wie nichts - auch im Amateur-Sport. Im Interview trifft ein ehemaliger Fußball-Profi eine pessimistische Prognose, bleibt aber positiv.

Corona-Frust, kein Amateurfußball, Sportler am Rande der Depression. Da hilft nur eine geballte Dosis gute Laune. Und wir wissen schon, wo wir die abholen und wie wir sie weiterverbreiten. Ein Anruf bei einem Ex-Profi genügt. Und prompt ist die Stimmung wieder gut. Uns es gibt sogar ein paar Anlässe, den fröhlichen Herrn anzurufen. Einer ist so schon erfreulich. Und Psychologen empfehlen, aus negativen Dingen Positives werden zu lassen. Das gelingt ihm, was seinen aktuellen Klub betrifft, sofort.

Wir erreichen Dirk Eitzert (52), ehemals VfL Bochum und aktuell Co-Trainer von Westfalenligist Westfalia Wickede, da, wo der Himmel fast immer blau ist, so blau wie die Trikots seiner Bochumer.

Dirk Eitzert, wie ist es gerade auf Mallorca?

Ja schön! Danke der Nachfrage. Das Wetter ist wunderbar. Ich bin hier teils geschäftlich, teils um mich mit der Familie zu erholen. Es heißt ja, in Krisenzeiten sollst du investieren. Ich bin ja im Immobiliengeschäft und habe das vor.

Und dann nach der Rückkehr am Wochenende wird es in Bochum und Dortmund für Sie teils heiter, teils wolkig. Ihr VfL setzt gerade in der 2. Liga zu Höhenflügen an, Ihre Westfalia muss neben der dunklen Corona-Winterstimmung auch einen trüben Tabellenplatz verarbeiten. Fangen wir doch mal mit dem VfL an. Sie sprechen immer von „Wir“. Also sind Sie immer noch ganz nah dran?

Oh ja. In den vergangenen beiden Jahren hat sich da für uns Ex-Spieler einiges sehr positives getan. Der Verein geht einen neuen Weg, in dem er alte Spieler an sich bindet und deren Verdienste würdigt. Ich bin ganz begeistert, wie der VfL seine Leute mitnimmt.

Co-Trainer bei Westfalia Wickede: Dirk Eitzert. © Neumann © Neumann

Wie sieht das aus?

Sie holen uns ins Boot, in dem wir gute Karten für die Spiele bekommen. Wir, ich gehöre auch zur Traditionsmannschaft, erhalten Einladungen zu Weihnachtsfeiern. Neben Eintrittskarten schickt der VfL uns auch Glückwunschkarten zu verschiedenen Anlässen. Ich bin, wenn es die Situation erlebt, immer sehr gerne da. Das ist eine schöne Gemeinschaft. Zum Glück kommt das ja bald auch wieder.

Noch einmal zum „Wir“: Sie sind in Wickede aufgewachsen. Ist der Dortmunder Junge dann komplett zum VfL konvertiert?

Schwierig! Im Herzen bin ich weiterhin auch Dortmunder und Borusse. Wenn ich die gelbe Wand sehe, bin ich elektrisiert. Aber ähnlich ist es, wenn in Bochum „Tief im Westen“ erklingt. In diesem kleinen, kompakten Stadion, wo alle ganz nah am Geschehen sind, bin ich auch sehr beeindruckt und fiebere mit. Wenn Dortmund bald mal wieder gegen Bochum spielt, wird es schon schwierig für mich, eine Entscheidung zu treffen.

Gut möglich dass die Bochumer das hinbekommen. Die Aufstiegschancen steigen. Sie sind Vierter. Die Top-Plätze in der Tabelle sind greifbar…

Ja, das ist schon klasse, wie sie das machen.

Vier Heimsiege in Serie, zuletzt zwei Erfolge in der Liga, im Pokal weiter nach Auswärtssieg in Mainz. Das klingt schon nach dem Ende der mäßigen Jahre. Was bringt dem VfL die neuen Glücksgefühle?

Der Trainerwechsel zu Thomas Reis war sehr wichtig. Die Philosophie, die Verantwortung auf dem Platz auf mehrere Leute zu verteilen, führt zu Erfolgen. Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz betreibt eine kluge Personalpolitik.

Wie gelingt es uns nun, die gute Stimmung in den Interviewteil über Westfalia Wickede rüberzuretten?

Indem wir positiv nach vorne blicken. Ich bin nämlich felsenfest davon überzeugt, dass unsere Mannschaft in Bestbesetzung stark genug für die Westfalenliga ist.

Das spiegelt der 16. Tabellenplatz, der in der Endabrechnung den Abstieg bedeuten würde, aber nicht wider. Woran scheiterte es bislang?

Ich sehe die gute Vorbereitung mit Siegen beim Brackeler Turnier gegen gute Mannschaften Kirchhörder SC und BSV Schüren. Dabei verletzten sich Schlüsselspieler wie Lukas Homann und Markus Scherff. Zudem mussten wir eine Lösung für die Innenverteidigung erst finden. Dann sind wir in die Abwärtsspirale geraten. Aber noch mal: Wenn alle Mann an Bord sind, reißen wir das Ruder rum.

Bis dahin vergeht wohl wegen Corona noch etwas Zeit. Was machen Sie bis dahin? Was macht die Mannschaft?

Ich kümmere mich ums Geschäft und hoffe, dass zumindest die Kinder bald wieder ans Leder dürfen. Ich bin auch noch Trainer der C-Junioren der SG Massen, in der mein Sohn spielt. Wenn der Ball wieder rollt, bin ich wieder voll dabei, in Massen, in Wickede und – wenn es die Zeit zulässt – in Bochum.

Ist das absehbar?

Da bin ich dann doch eher skeptisch. Ich rechne nicht damit, dass wir vor Ostern mit Wickede spielen.

Wir wollen aber in guter Laune unser Gespräch beenden. Was könnte spontan dafür sorgen?

Mein Optimismus und die Aussicht auf Wickeder Leidenschaft. Unser Trainer Marko Schott ist genau der Richtige, dieses Feuer zu entzünden.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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