Ein bekannter Dortmunder Ex-Spieler und Trainer hat sich zur aktuellen Lage im Dortmunder Amateurfußball geäußert. © Nico Ebmeier
Amateurfußball

Dortmunder Spieler- und Trainerlegende ätzt: „Es geht nur ums Geld im Amateurfußball“

In seiner aktiven Zeit gehörte er zu den besten Dortmunder Amateurfußballern überhaupt. Im Interview spricht ein Dortmunder Experte über den aktuellen Amateurfußball und äußert sich kritisch.

Die aktuellen Entwicklungen im Dortmunder Amateurfußball lassen niemanden kalt. Das gilt natürlich auch für einen absoluten Experten auf diesem Gebiet, der zu seiner aktiven Zeit als einer der besten Dortmunder Amateurfußballer galt. Wir haben ihn interviewt.

Edeltechniker Bodo Sievers war der unumstrittene Abwehrchef beim damaligen Oberligisten VfR Sölde. Außerdem kickte Sievers für die Traditionsvereine DSC Wanne-Eickel und Arminia Bielefeld ebenfalls in der Oberliga, sowie wie für den TuS Iserlohn in der Verbandsliga. Auch als Trainer machte sich der heute 59-jährige Bodo Sievers in Dortmund und Umgebung einen Namen: Insgesamt 14 Jahre (einmal acht und einmal sechs Jahre) trainierte er den SSV Mühlhausen. Er wuchs in Schwerte auf, spielte für den VfL und coachte auch den Klub.

Wobei Sievers bei seinem ersten Engagement zwei Jahre in Folge den Aufstieg schaffte und den SSV Mühlhausen von der Kreisliga A in die Landeliga führte. Darüber hinaus kamen noch einige Klubs hinzu. Sievers trainierte:

  • den Oberligisten Holzwickeder SV
  • den Verbandsligisten VfL Schwerte
  • den damaligen Oberligisten VfR Sölde
  • den Landesligisten Hombrucher SV einen Namen
  • den Bezirksligisten SC Dorstfeld 09
  • sechs Wochen den A-Ligisten TuRa Asseln und
  • zuletzt war er Coach beim A-Ligisten SuS Oespel-Kley.

Sievers kennt sich also aus im Dortmunder Amateurfußball, wenngleich der erfahrene Übungsleiter nunmehr seit drei Jahren ohne ein Engagement als Trainer. Die Ruhr Nachrichten sprachen mit Bodo Sievers über seine persönliche Zukunft sowie über die aktuellen Geschehnisse im Dortmunder Amateurfußball.

Herr Sievers, wann sieht man Sie wieder als Trainer auf der Bank?

Ein Job als Trainer ist für mich im Augenblick nicht vorstellbar. Ich bin da ziemlich weit weg. Momentan werden ja aufgrund der Corona-Krise sowieso eher Lebenshelfer als Trainer benötigt.

Verfolgen Sie den Dortmunder Amateurfußball weiter?

Ich habe mir in der abgebrochenen Saison bisher drei Spiele angesehen. Zweimal habe ich mir den ASC angeschaut, weil dort mit Marcel Münzel der Sohn meiner Lebensgefährtin spielt. Einmal war ich bei einem Match des Bezirksligisten TuS Körne, da ich ganz in der Nähe der Sportanlage wohne.

Wie beurteilen Sie als Außenstehender die momentane Entwicklung im Dortmunder Amateurfußball?

Meiner Ansicht nach geht es häufig nur noch um das Thema Geld im Amateurfußball. Alles andere scheint nicht mehr zu zählen. Da wechselt zum Beispiel ein Spieler von Bövinghausen nach Türkspor und nach ein paar Wochen wieder zurück. Der ASC 09 als höchst spielender Verein kommt da momentan eigentlich zu kurz und fliegt ein wenig unter dem Radar. Wo der ASC spielt, müssen die ambitionierten Vereine wie Bövinghausen und Türkspor erst einmal hinkommen. Auch beim FC Brünninghausen mit seiner jungen Mannschaft scheint wieder etwas zu entstehen.

Bodo Sievers hat jahrelang Erfahrungen im Dortmunder Amateur-Fußball gesammelt. © Schütze © Schütze

Was hat sich in den letzten Jahren aus Ihrer Sicht allgemein im Amateurfußball geändert?

Es wird viel mehr Wert auf Athletik gelegt als früher. Ich bin allerdings nicht der Meinung, dass früher alles besser war. Der Fußball war halt ein Anderer. Während früher die Technik wesentlich mehr im Mittelpunkt als das Tempo stand, ist es heute eher umgekehrt. Hoch verteidigt haben wir unter Trainer Ingo Peter bereits zu meiner aktiven Zeit beim VfR Sölde. Das ist nichts Neues.

Welchen Verein sehen Sie in naher Zukunft als Nummer eins und Platzhirsch in Dortmund?

Der ASC 09 hat viele junge und gute Jungs im Kader, die sich noch weiterentwickeln werden. Wenn genug Geld da ist, wird der TuS Bövinghausen wohl ebenfalls die Oberliga anvisieren. Auch Türkspor Dortmund will mit aller Macht nach oben. Ich denke, die Oberliga dürfte aber für alle Vereine in Dortmund das höchste der Gefühle sein.

Hat die erneute Corona-Pause Auswirkungen auf den Amateurfußball?

Der Fußball ist ja für die meisten Spieler das größte Hobby. Es ist für alle eine schwierige Zeit, zumal den Vereinen über Monate die Einnahmen fehlen. Aber es geht ja leider nicht anders. Zu meiner Zeit als Spieler hätte für mich eine Spielpause den Charakter einer Höchststrafe gehabt.

Auf welcher Position würden Sie sich bei der heutigen Systemvielfalt im Fußball sehen?

Wahrscheinlich würde ich eine ähnliche Position wie Mats Hummels bekleiden. Organisieren, einteilen und sprechen konnte ich schon immer gut. Bis zu meinem 14. Lebensjahr war ich beim SSV Kalthof Mittelstürmer. Danach wurde ich als Mittelfeldspieler eingesetzt. Mein damaliger A-Jugend-Trainer meinte dann: „Du läufst zu wenig“, von da an spielte ich fast nur noch Libero. In Sölde habe ich enorm von der Zweikampfstärke unserer Manndecker wie Thomas Hein, Manni Wagner, Christian Karstedt und Markus Früh profitiert, die mir jede Menge Arbeit abgenommen haben.

Von welchem Trainer haben Sie während Ihrer Spielerkarriere am meisten gelernt, beziehungsweise von wem haben Sie am meisten mitgenommen?

Einmal von Günter Luttrop, unter dem ich drei Jahre in Wanne-Eickel trainiert habe. Luttrop war ein eher autoritärer Typ, der es geschafft hat, ohne Laufeinheiten und Waldläufe eine Mannschaft nur mit Ball konditionell fit zu kriegen. Und natürlich von Ingo Peter, der bei Arminia Bielefeld und beim VfR Sölde insgesamt sechs Jahre mein Trainer war. Ingo war eher der lockere Kumpel Typ, der es bis in die zweite Liga als Coach geschafft hat.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Baujahr 1965, gebürtiger Dortmunder, der sich seit fast zwanzig Jahren auf den Sportplätzen tummelt und den Dortmunder Amateurfußball mit all seinen Facetten kennt.
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Frank Büth

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