Ein ehemaliger Dortmunder Amateurfußballer hat ein großes Ziel. © picture alliance / dpa
Fußball

Dortmunder Oberliga-Spieler begrub seine größte Leidenschaft – hat aber ein neues Ziel

Ein Dortmunder Amateurkicker musste im besten Fußballeralter seine Leidenschaft begraben. Doch er hat ein neues sportliches Ziel. Dabei muss er im wahrsten Sinne des Wortes hoch hinaus.

Wenn sich Fans des Klubs heute einen Lieblingsspieler schnitzen dürften, wäre er das perfekte Muster. Das Eigengewächs, seit den Mini-Kickern dabei, avancierte zum Senkrechtstarter im Seniorenbereich und vereinte Vereinstreue, Leistung und absolut sympathisches Auftreten in seiner Persönlichkeit. Heute hat sich „Everybody’s darling“ neue sportliche Ziele gesetzt, die mit Fußball gar nichts zu tun haben. Ab und an aber kribbelt es dann doch bei dem Fußballlosen auf Zeit in einer fußballlosen Zeit.

Vom Minikicker zum gestandenen Mann

Fällt rund um das Aplerbecker Waldstadion der Name Patrick Dedner, verstummt auch der kritischste Geist. So einer tat und tut selbst dem von seiner familiären Atmosphäre geprägten ASC ziemlich gut. Mittlerweile ist aus dem einstigen Aplerbecker Minikicker ein gebildeter und reifer junger Mann (28) geworden. So ist er, so spricht er: „Ich übersetze meine Berufsbezeichnung Innovation Leader mal mit Industrielogistik-Planer.“ Schlau, aber immer bodenständig.

Um dem Patrick Dedner, der einst mit dem ASC in die Oberliga aufstieg, der dennoch als Mitzwanziger sich vom Fußball auch emotional verabschiedete und jetzt Radfahren als größte Leidenschaft bezeichnet, näher zu kommen, lohnt ein Blick zurück. Dedner war schon nach seinem damals einzigartigen Sprung aus der eigenen Jugend Musterschüler im Musterschüler-Verein. Wer vor einigen Jahren im Dortmunder Amateurfußball etwas auf sich hielt, hielt sich im ASC-Umfeld auf.

Viel von Trainer Daniel Rios mitgenommen

Und dann ging Dedner inmitten von den besten Kickern der Stadt und den aussichtsreichsten Talenten aus den Kaderschmieden Hombrucher SV und TSC Eintracht seinen Weg. „Als ich hochkam, hießen die Trainer Marc Elbracht und Jörg Silberbach. Dann hatten wir Daniel Rios, von dem ich besonders viel mitgenommen habe. Und natürlich fällt in Daniels Zeit auch unser Aufstieg, neben der Hallen-Meisterschaft das bleibendstes Erlebnis.“

Patrick Dedner (M.) musste die Fußballschuhe im besten Fußballeralter an den Nagel hängen. © Schütze © Schütze

Dedner war mittendrin: „Das Schöne am Fußball ist doch, dass alle gesellschaftlichen Schichten ihn leben. Davon profitieren so viele Menschen. Und wir hatten in Aplerbeck ein besonderes Team.“ Vor ein paar Monaten traf sich die Aufstiegsmannschaft wieder. Dedner plauderte und lachte, als wäre er noch immer Bestandteil des Teams. „Diesen Teil vermisse ich schon“, sagt er. „Daher kommt dann ab und an doch wieder der Fußballer in mir durch.“

Verletzungen sorgten für Distanz zum Fußball

Aber: Wenn aus dieser Beziehung eines Fußballers zu seinem Hobby und seinen Kollegen eine eher distanzierte Betrachtungsweise wird, muss etwas passiert sein. Die Verletzungen sorgten für Distanz zum Amateurfußball, Bücher für das Fremdeln mit dem Profifußball. Da war zunächst der Kreuzbandriss Anfang 2016. Dedner kam zurück – vielleicht in der Nachbetrachtung zu eifrig. „Aber ich wollte helfen.“ Der Mittelfeldspieler belastete sich offenbar zu sehr, was eine dann nicht untypische chronische Verletzung zur Folge hatte – einem „Patellasehnenspitzensyndrom“.

„Es ging damals gegen den Abstieg. Ich spielte mit Schmerzen. Das passte nicht. Denn Fußball war für mich Spaß.“ Dass sein Körper aber sein Kapital bleiben sollte, war Dedner klar. Sport musste wieder Spaß werden. Bei den Holzpfosten Schwerte probierte er es noch einmal kurz. „Ein Kumpel hatte mich dahin gelotst. Letztendlich war er es auch, der meine Leidenschaft fürs Radfahren weckte.“

Das Ziel: Mit dem Rad über die Alpen

Dass sich Dedner sein Rennrad selbst zusammenbaute und er beruflich für eine schwedische Möbelhaus-Kette arbeitet, die bekannt dafür ist, dass der Kunde die Möbel selber aufbauen muss, ist aber doch eher Zufall. Mit seinem Bike entwickelte Dedner den Ehrgeiz, den er auf keiner Bühne leugnet („auch beim Kartenspielen will ich immer gewinnen“). Mit Freunden erradelte er die nettesten und bald auch herausforderndsten Routen der Umgebung. „Irgendwann will ich es mal über die Alpen schaffen. Wenn nicht in diesem Jahr, dann im kommenden.“ Auch mit Smart Training arbeitet er auf dieses große Ziel hin.

So ambitioniert ist er dann im weiteren Zeitvertreib nicht, denn ganz ohne Ball kann Dedner nicht. Für den TC Rot-Weiß Aplerbecker spielt er Tennis, aber fast gar nicht Dedner-like. „Da lasse ich es dann doch eher locker angehen.“ Und dann folgt doch der Return zum Fußball: „Ins Waldstadion ganz in der Nähe gehe ich kaum. Mir fällt es schwer, ASC-Spiele zu sehen. Dann juckt es nämlich wieder etwas. Gerade hat mich der Sportliche Leiter der Zweiten Dominik Altfeld angerufen, das macht er öfter, aber ich habe abgesagt. Der Zeitaufwand wäre mir zu groß.“

Den ASC verfolgt Dedner noch

Eine Absage erteilt Dedner auch dem großen Fußball als Fan: „Spätestens, nachdem ich die Enthüllungsbücher Football Leaks gelesen habe, war für mich klar, dass dieses Profi-Geschäft nicht meins ist.“ Beim ASC herrschen glücklicherweise andere Gesetze. So erlaubt es sich Dedner dann doch, seinen Herzensklub in der Zeitung und den sozialen Medien zu verfolgen: „Nach schwachem Start kommen sie jetzt. Das freut mich.“

Dedner beschränkt sich aber im bald hoffentlich wieder möglichen Kontakt auf Ehemaligentreffen. Oder kommt da doch mehr? „Lust auf Fußball hätte ich ja schon, aber ohne Verpflichtung, ohne diese notwendige Regelmäßigkeit. Denn wenn ich irgendwo auf Leistung spiele, möchte ich auch mitziehen.“

Frage nach dem Fußball stellt sich aktuell noch nicht

Ganz auszuschließen ist dann wohl auch nicht, dass nach Corona der Name Dedner wieder fällt – entweder nach einigen Bergetappen über die Alpen oder in einer Mannschaft, in der er nur um des Spaßes willen kickt. „Meine aktuellen Hobbys, Radfahren, und bis vor Kurzem auch Tennis, durfte und darf ich zum Teil ja weiter ausüben. Die Frage nach dem Fußball stellt sich aktuell also noch nicht.“

Wohlgemerkt noch nicht. Vielleicht baut sich Patrick Dedner bald eine entspannte Fußball-Rückkehr zusammen. Die Sicherheit, gemocht zu werden, hat er. Denn als Mensch hat er sich nie verändert. „Ich bin schon immer sozial eingestellt.“ Und das macht dann auch den Musterschüler nicht zum Streber, sondern zum echten Mannschaftssportler.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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