Ein Dortmunder Junge sorgt für Jubel bei den Fans seines Klubs. © picture alliance/dpa
Fußball

Dortmunder Junge schafft in nur zehn Jahren den Sprung aus der Bezirksliga in den Profi-Fußball

Er hat es geschafft: Aus den Niederungen des Dortmunder Amateurfußballs hat sich ein Dortmunder Junge hoch in den Profi-Fußball gearbeitet. Jetzt folgte der nächste Schritt.

Mehr Vertrauensbeweis ging nicht. Eine Vertragsverlängerung mitten in der Saison, in der gerade mal die Hälfte aller Spiele absolviert worden sind und der Aufstieg das klar definierte Ziel ist.

Doch das Vertrauen für diesen großen Schritt hat sich Adrian Alipour (42) erarbeitet. „Es macht einfach Spaß hier. Der Verein will mehr, der Verein ist gierig“, erklärt er die Gründe für die Vertragsverlängerung als Trainer des TSV Steinbach/Haiger bis 2023. Dort ist Alipour seit Sommer 2019 angestellt und aktuell auf dem Weg in die 3. Liga. Zurzeit führt er mit dem TSV die Regionalliga Südwest an, hat nach 21 Spielen 42 Punkte gesammelt. Und obwohl es „nur“ die 4. Liga ist, sieht sich Alipour bereits im Profi-Fußball angekommen: „Zu 100 Prozent, weil wir hier alle hauptberuflich angestellt sind. Wir machen nichts anderes als Fußball, Videoanalysen und Training. Wir sind nur mit Fußball beschäftigt und arbeiten unter absoluten Profi-Bedingungen.“

Aus der siebten Liga innerhalb weniger Jahre bis in Liga vier

Etwas, was für ihn selbst vor wenigen Jahren überhaupt nicht vorstellbar war. Vor zehn Jahren bekam er die Chance beim Kirchhörder SC, als Trainer einzusteigen, damals noch in der Bezirksliga. Aus der achten Liga führte er den Klub innerhalb weniger Jahre bis in die Westfalenliga. Im Anschluss ging es für ihn zum ASC 09, wo er aus dem Abstiegskandidaten Nummer eins einen zwischenzeitlichen Aufstiegs-Anwärter in der Oberliga formte. Das weckte Begehrlichkeiten, denn Alipour war nicht nur für seinen sportlichen Erfolg bekannt. Er formte junge, talentierte Spieler zu gestandenen Oberliga-Fußballern. Im Spätsommer 2018 ging es für ein halbes Jahr zum damals klammen Wuppertaler SV in die Regionalliga West, weniger als ein Jahr danach folgte schon der Wechsel in die Nähe von Siegen nach Haiger-Steinbach.

„Ehrlich gesagt habe ich da nicht so dran gedacht, dass ich mal hauptberuflich im Fußball tätig bin“, sagt Alipour selbst, „das es sich so entwickelt, hätte ich damals nie gedacht. Ich muss mich da auch oft zwicken.“

Ein Geständnis, was man ihm so sofort abkauft, doch er betont auch: „Fakt ist, dass ich immer sehr ambitioniert war. Ich war immer bereit für den nächsten Schritt, habe Lehrgänge gemacht, mich weitergebildet.“

Als Trainer des ASC 09 Dortmund im Jahr 2016: Adrian Alipour. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Und genau für diese akribische Arbeit ist Alipour in Dortmund bekannt. Für diese wird er hier geschätzt. Es gibt diese Geschichten aus seiner Zeit in Aplerbeck, wo er manch einen gegnerischen Spieler besser kannte, als sein Trainerkollege auf der Bank nebenan. Selbst wenn es keine Videoaufnahmen der gegnerischen Teams gab, Alipour nutzte sein Netzwerk, versuchte immer Schwächen bei gegnerischen Teams zu finden. Dabei ging niemals nur darum, die Top-Spieler des nächsten Gegners ausgeschaltet zu bekommen, sondern selbst über den Reservespieler alle Infos zu haben, der womöglich noch gar kein Spiel absolviert hat.

Alipour konnte das und erarbeitete sich so innerhalb weniger Jahre seinen Weg nach oben.

Und mit dem TSV Steinbach Haiger könnte er nun den nächsten Schritt vollziehen, in die 3. Liga aufsteigen. In der Position dafür ist der Klub, bereitet alles darauf vor. Das Stadion wird ausgebaut, die Geschäftsstelle modernisiert, berichtet Alipour.

Doch Alipour möchte nicht über den Aufstieg sprechen. „Es sind 66 Punkte, die noch auszuspielen sind. Es macht eher Sinn, sich Etappen-Ziele zu setzen“, sagt er, der regelmäßige Kontakte nach Dortmund pflegt. Unter anderem wöchentlich mit Aplerbecks Sportlichem Leiter Samir Habibovic telefoniert und auch Peter Seifert, Boss des BSV Schüren, in regelmäßigem Kontakt ist.

Zwei große Ziele für Alipour

„Es gehört auch viel Glück dazu aufzusteigen. Du musst diszipliniert sein, du brauchst gesunde Spieler, musst Glück haben mit Verletzungen. Solche Sachen spielen immer eine große Rolle“, sagt er, weshalb er sich mit seinem Team immer wieder kleinere Ziele setzt. „Wenn du nur an dein großes Ziel denkst, hast du nichts, worüber du dich zwischendurch freuen kannst, was dich pusht und antreibt.“

Philipp Rosenkranz (l.) hat eine neue Rolle übernommen. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Für den A-Lizenz-Inhaber, der sich regelmäßig Zeitungsartikel aus dem Dortmunder Amateurfußball von seiner Mutter zuschicken lässt, um über seine ehemaligen Weggefährten informiert zu sein, sind die nächsten beiden großen Ziele trotz dessen der Aufstieg in die 3. Liga und der damit verbundene Platz im Fußball-Lehrer-Lehrgang des Deutschen Fußball-Bundes.

So könnte es sein, dass Alipour kommenden Sommer, so denn wieder Fußballspiele auf NRWs Amateurplätzen stattfinden dürfen, erneut mit dem TSV Steinbach Haiger in Dortmund vorbeischaut. Vergangenen Sommer spielte er mit seinem Team hier gegen seinen Ex-Klub aus Aplerbeck. Er sagt, es „wäre schön, wenn es klappen würde“. Den ASC dürfte es wohl auch freuen, einen Jungen aus den eigenen Reihen wieder begrüßen zu dürfen. Dann vielleicht sogar als Trainer eines Drittligisten.

Über den Autor
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David Nicolas Döring

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