Wann Kinder und Jugendliche wieder als Mannschaft trainieren ist noch ungewiss. © picture alliance / dpa
Jugendfußball

Dortmunder Funktionär sieht große Probleme in der Jugendarbeit und hat überraschenden Vorschlag

Fußballplätze auf - alle wieder da? Schön wärs, findet auch Andreas Edelstein. Doch tatsächlich erwartet Dortmunds stellvertretender Fußball-Kreisvorsitzender anderes und fordert Außergewöhnliches.

Die Situation im Amateurfußball ist nach Monaten des Stillstands kaum einzuschätzen. Quer durch alle Altersklassen ist diese gemischte Gemütslage zu spüren bestehend aus großer Lust darauf, dass es endlich wieder losgeht und dem fatalen Gefühl, dass da auf einmal der Abstand gewachsen ist zum Verein, zur Mannschaft zum Sport.

Dass beides existiert, darüber müsse sich jeder, der dem Amateurfußball in Dortmund verbunden sei, klar sein, findet Andreas Edelstein. „Und wenn die Plätze wieder auf sind, werden wir merken, dass unterschiedliche Vereine unterschiedlich gut durch diese Zeit gekommen sind.“

Spricht sich für eine klare Prioritätenabwägung aus: Andreas Edelstein.

Die Prognose Edelsteins ist deutlich. „Man wird erkennen, wo Trainer, Ehrenamtliche und Sportler für ihren Klub brennen. Überall dort wird man viele negative Folgen der letzten Monate auffangen können. Aber zu glauben, man drückt einmal auf den Knopf und zwei Wochen später ist überall alles gut, das wird nicht funktionieren.“

Nach monatelanger Pause

„Öffnen ist in der Umsetzung ein größeres Problem als zu sagen: Morgen spielen wir kein Fußball mehr. Das haben wir nach dem Ende des ersten Lockdowns schon gemerkt, und das wird sich nach einer mutmaßlichen Pause von viereinhalb Monaten jetzt noch gravierender zeigen“, sagt Edelstein.

Besonders unübersichtlich ist laut Edelstein, der zugleich Vorsitzender des Kreisjugendausschusses ist, die Lage in den vielen ganz jungen Jugendmannschaften. „Digitales Training ist schön und gut, aber es kommt ja nicht ernsthaft jemand auf die Idee, das für eine F- oder E-Jugend anzubieten. Das mag banal klingen. Und mancher sagt vielleicht, dann kommen viele Sechsjährige eben nicht mehr. Aber diese Lücke, die dann da entsteht, die nehmen die Vereine durch die nächsten zehn bis zwölf Jahre mit.“

Was an allen Ecken und Enden fehlt, ist die Taktung durch Sport und Verein. Das trifft auch die Ehrenamtlichen. „Ich habe bei vielen Veranstaltungen, die wir als Kreis mit den Jugendabteilungen gemacht haben, bemerkt, zu wie vielen Ehrenamtlichen wir fast den Kontakt verloren haben. Da war schon das Gefühl da: Ist ja gerade kein Spielbetrieb – interessiert also auch keinen.“

Wenn die Helfer fehlen

Das Fehlen dieser Helfer wäre jedoch fatal für den Jugendbereich, meint Edelstein. „Ganz platt gesagt, nur wir Alten schließen den Kindern schließlich die Schränke auf. Und wenn die Ehrenamtlichen fehlen, haben wir ein Problem, dem Nachwuchs überhaupt ein Angebot zu machen.“

All das schaffe gerade die Rahmenbedingungen dafür, dass man im Jugendbereich schon jetzt von einem „verlorenen Jahr“ sprechen könne. „Das können wir für die Schule sagen, für die Ausbildung und eben auch für den Jugendfußball.“

Und dieses Jahr in der fußballerischen Ausbildung fehlt aus Sicht Edelsteins durch alle Jahrgänge. „Was z.B. ein D-Jugendlicher hätte trainieren sollen in dieser Zeit, das hat er nicht gemacht, weil es das Angebot nicht gibt. Der entwickelt sich zwar körperlich weiter, aber die Trainingsinhalte hat er verpasst.“ So würden Entwicklungen ausgebremst.

Ein Jahr wiederholen

Lösung verspricht für Edelstein nur, wenn die jungen Fußballer dieses „verlorene Jahr“ wiederholen. „Ich würde es für sehr sinnig halten, wenn man im Fußball sagen, die bleiben das nächste einfach noch in dem Jahrgang, in dem sie jetzt sind. Spielen in dem Jahrgang ein Jahr länger nehme dafür aber die Ausbildung und die Inhalte mit, die sie jetzt verpasst haben.“

Ordnungen und Satzungen sehen diesen Schritt zwar noch nicht vor. Das weiß auch Edelstein. „Aber ich finde, das sind besondere Zeiten, und die brauchen ein besonderes Handeln. Und die entscheidende Frage muss sein: Was ist das Beste fürs Kind und fürs Talent? Dafür müssen wir auch mal um die Ecke denken.“

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Sportredaktion Dortmund
61er-Jahrgang aus Bochum, seit über 35 Jahren im Journalismus zu Hause - dem Sport und dem blau-weißen VfL schon ewig von Herzen verbunden - als Sportredakteur aber ein Spätberufener.
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Gerhard Vogelsang

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