Adam Karas will an die Schwimmerfolge auch im Triathlon anknüpfen. © Adam Karas
Paratriathlon

Dortmunder freut sich auf Bundeskader-Training – dann kommt der Bundes-Trainer nicht

Sauerland statt Schwarzwald - wie so viele andere Sportler fühlt sich auch der Paratriathlet Adam Karas gerade in ungewisser Lage. Er versucht trotzdem alles, um ein großes Ziel zu erreichen.

In diesen Tagen ist Adam Karas viel unterwegs. Aus einem ersten Interviewtermin wird nichts. 200 Kilometer Radfahren im Sauerland kommen dazwischen. „Eigentlich waren nur 150 geplant“, lacht er, als wir zwei Tage später ins Gespräch kommen. „Es sind dann doch ein paar mehr geworden. Waren ein bisschen viele Höhenmeter. Aber insgesamt hab ich das gut überlebt.“

Karas ist Parasportler, von Geburt an fehlt ihm der linke Unterarm. Von sportlichen Hoch- und Höchstleistungen hat ihn das nie abgehalten. Zunächst war es das Schwimmen, das er mit vollem Einsatz, viel Leidenschaft und großem Erfolg betrieb. Noch als Schüler startete er 2018 bei den Europameisterschaft und erreichte über 100 Meter Brust den 8. Platz.

Abitur ist schon Geschichte

Mittlerweile ist das Abitur schon Geschichte, und Karas studiert an der TU Dortmund Elektrotechnik. Das Zimmer zuhause bei den Eltern in Fröndenberg hat der 20-Jährige gegen eine Studentenwohnung in Dortmund eingetauscht, und auch sein Verein ist jetzt ein anderer: die Tri Geckos in Dortmund-Brechten.

Und die sind es auch, die ihn in dieser Phase mit Trainingsplänen versorgen. Das funktioniert sehr gut. Doch eigentlich hatte Adam Karas gehofft, gerade jetzt ganz woanders zu sein. Denn auch wenn er – noch – nicht zum Bundeskader der Paratriathleten gehört, so hatte ihn der Bundestrainer doch zu einem Trainingslager nach Freiburg eingeladen. „Geplant war ein Grundlagenausdauertraining“, sagt er. Doch der Bundestrainer selbst wurde einen Tag vor Beginn positiv getestet, und es wurde nichts mit der Reise in den Schwarzwald für Karas.

Ausfall des Trainingscamps

Schmerzhaft ist der Ausfall des Trainingscamps für Karas vor allem, weil dadurch weiterhin kein Schwimmtraining möglich ist für ihn. Das ist bislang den Kaderathleten vorbehalten, zu denen er noch nicht gehört. „Sonst sind die Schwimmtrainingsmöglichkeiten für mich quasi nicht vorhanden, weil ich ja nicht in die Halle komme. Und in Freiburg hätte ich die Möglichkeit gehabt, zumindest für zwei Wochen ein Schwimmaufbautraining zu absolvieren. Das wäre schon gut gewesen, mal wieder für eine längere Phase Meter zu machen und eine Grundlage neu aufzubauen.“

Und ein Stück schmerzt Karas der Verzicht auch, weil Schwimmen ja nunmal seine Kernsportart ist, die er jahrelang betrieben hat und die beim Paratriathlon natürlich zunächst seine stärkste Disziplin ist. Wie gut er darin jetzt noch sei, „das werden die nächsten Wettkämpfe zeigen. Mal schauen, wieviel dann noch da ist. Fakt ist auf jeden Fall, dass ich seitdem ich schwimme – und das ist seit ich acht Jahre alt bin – niemals so ein lange Pause vom Wasser gemacht habe. Da fehlt einfach was.“

Trotzdem bereut Karas den Schritt zum Triathlon nicht – auch wenn er zunächst als Nicht-Kaderathlet nur sehr eingeschränkt trainieren kann und der Gedanke, dass der Abstand zum Kader dadurch größer werden könnte, schon präsent sei.

Aber die Entscheidung für den Triathlon sei eben auch auch eine fürs Studium gewesen. „Denn die Uni und das Triathlon-Training lassen sich einfach viel besser miteinander vereinbaren. Ich fahre oder laufe dann, wann es mit der Uni passt und bin nicht mehr ausschließlich an die festen Zeiten in der Schwimmhalle gebunden wie früher.“

Strenggenommen wenig Ahnung

Es sei allerdings ein echter Neuanfang gewesen, sagt Karas. „Im Schwimmen war ich irgendwann schon ziemlich erfolgsverwöhnt. Es war nicht mehr die Frage, ob ich überhaupt zu einem Wettkampf fahre, sondern nur, welchen Platz ich mache. Und dann steige ich im Triathlon ein und muss mir selber erstmal klarmachen, dass ich strenggenommen davon ganz schön wenig Ahnung habe.“

Die Disziplin Schwimmen war logischerweise kein Problem. „Aber ich war nicht wirklich der Läufer, weil ich vorher da einfach nicht viel mit zu tun hatte. Radfahren ging schon besser. Als Jugendlicher hab ich alle Pendelstrecken, vor allem von unserem Dorf zu Schule, immer mit dem Rad gemacht. Etliche tausend Kilometer im Jahr sind da schon zusammengekommen, die eine ordentliche Basis geschaffen haben. Aber das erste Rennrad haben mir die Tri Geckos geliehen.“

Rennrad steht immer bereit

Mittlerweile steht ein Rennrad immer bei den Eltern in Fröndenberg bereit. „Meine Eltern wohnen ja noch auf dem Dorf. Und es geht von da ganz schnell ins Sauerland. Das macht zumindest das Radtraining leichter. Und anspruchsvoll sind die Strecken obendrein.“

Und wohin soll die Reise einmal gehen? Sind die Paralympics ein Ziel? „Also ich bin im Schwimmen an Rio 2016 knapp gescheitert, und auf lange Sicht ist es schon das Ziel, dann eben im Triathlon bei Olympia dabei zu sein. Paris 2024 das hab ich schon im Kopf.“ Und der Weg dorthin führt für Adam Karas durchs Sauerland.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
61er-Jahrgang aus Bochum, seit über 35 Jahren im Journalismus zu Hause - dem Sport und dem blau-weißen VfL schon ewig von Herzen verbunden - als Sportredakteur aber ein Spätberufener.
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Gerhard Vogelsang

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