Ein Dortmunder Spieler hat in seiner Karriere 21 Rote Karte gesehen. © dpa
Fußball

Der Killer mit den 21 Feldverweisen hatte immer nur eine Fußballliebe

Der Dortmunder Amateur-Fußball hat viele tolle Spieler hervorgebracht, auch viele einzigartige. Einer davon wurde liebevoll Killer genannt und bekam in seiner Karriere 21 Rote Karten.

Er ist auf den Dortmunder Sportplätzen bekannt wie der bunte Hund. Als Spieler war der mittlerweile 54-jährige ein eisenharter, aufgrund seiner Zweikampfstärke gefürchteter Außenverteidiger mit dem Spitznamen „Killer“. Die Rede ist von Thorsten Büth, einem Urgestein des Traditionsvereins TuS Neuasseln. Während seiner gesamten Karriere, die im zarten Alter von sechs Jahren begann und im Alter von 36 Jahren endete, kickte Büth nur für den TuS Neuasseln.

Zusätzlich war der Rechtsfuß auch als Trainer der Zweiten, als zweiter Vorsitzender, sowie als Spielerobmann der Ersten für die blauweißen tätig. Seit über 20 Jahren sorgt er als Platzwart zudem für Ordnung auf der Sportanlage an der Holzwickeder Straße. Aufgrund seiner harten Spielweise, verbunden mit einem manchmal losen Mundwerk, entwickelte sich der Busfahrer in den 1980er Jahren und 1990er Jahren zum Schrecken der Schiedsrichter im Raum Dortmund.

21 Feldverweise

„Ich war natürlich bei den Schiedsrichtern gut bekannt, die haben deshalb im Spiel besonders auf mich geachtet. Ein guter Teil meiner 21 Feldverweise waren aus meiner Sicht zumindest fragwürdig“, erinnert sich Thorsten Büth. Von 1984 bis 1987 spielte der zweikampfstarke Abwehrspieler mit dem TuS in der Bezirksliga. „Einer meiner unangenehmsten Gegenspieler war der Stürmer Wortmann von TuRa Bergkamen, der häufig unfair seinen massigen Körper einsetzte und auch ein Meister der verbalen Provokation war. Wir haben uns in den direkten Duellen nichts geschenkt“, ergänzt der dreifache Familienvater.

Im Abstiegsjahr 1987 schaffte es Büth sich innerhalb von drei Minuten Spielzeit eine Rote Karte einzuhandeln. Wahrscheinlich ein Weltrekord zumindest im gesamten Amateurfußball. „Wir lagen nach 86. Minuten mit 3:1 beim SuS Oberaden in Führung und der Gastgeber drängte auf den Anschlusstreffer. Um Zeit von der Uhr zu nehmen und die Defensive zu verstärken entschied ich mich für einen Wechsel und brachte meinen Neffen Thorsten Büth. Der foulte in der 89. Minute und sah dafür die gelbe Karte. Anschließend stellte er das Meckern gegen den Schiedsrichter nicht ein und wurde in der gleichen Situation mit der roten Karte des Feldes verwiesen“, erinnert sich Friedrich-Wilhelm Harbott, der heutige Vorsitzende des TuS Neuasseln mit Schrecken zurück.

Geldstrafe in Höhe von 50 DM

In Unterzahl kassierten die Neuasselner noch einen Treffer und gewannen am Ende aber knapp mit 3:2. Aufgrund seiner vielen Feldverweise war „Killer“ Büth auch Stammgast bei der Kreisspruchkammer. An eine besonders lustige Szene mit dem damaligen Vorsitzenden Bruno Breuker kann er sich gut erinnern: „Das geht hier ja zu wie beim königlich-bayrischen Amtsgericht“, erlaubte ich mir ungefragt einen Zwischenruf. „Das Resultat war eine Geldstrafe in Höhe von 50 DM wegen Verunglimpfung der Kammer“, schmunzelt der Eisenfuß, dessen fußballerisches Vorbild immer Weltmeister Berti Vogts war.

Anschließend beantragte der Verein bei Vorladungen der Spruchkammer gegen seine Person immer eine schriftliche Anhörung, um die Verfahrenskosten in Grenzen zu halten. Weil er nach einem Feldverweis im A-Ligaspiel gegen den FC Brambauer seine Spielführerbinde dem Unparteiischen angeblich ins Gesicht geworfen hatte, musste das Neuasselner Urgestein wieder einmal bei der Kreisspruchkammer auflaufen. „Ich habe mich köstlich amüsiert, als ich während der Verhandlung eine Spielführerbinde gereicht bekam und diese mit unterschiedlicher Wucht werfen sollte, damit die Mitglieder der Spruchkammer entscheiden konnten, ob ich die Binde tatsächlich dem Schiedsrichter ins Gesicht geworfen habe“, erinnert er sich.

Auch ein gutes Verhältnis zu Schiedsrichtern

Es gab aber auch Schiedsrichter, zu denen er ein absolut gutes Verhältnis hatte. Insbesondere Schiedsrichter, die früher selber gespielt haben, waren mit ihm auf einer Wellenlänge. Einer davon war Klaus „Nattu“ Hagedorn, der als Spieler für den Lüner SV in der damaligen Regionalliga aufgelaufen war und als Unparteiischer im Kreis Dortmund einen glänzenden Ruf genoss. „Bei einem Freundschaftsspiel gegen RW Barop kam „Nattu“ vor dem Spiel in die Kabine und meinte: Na Kleiner, benimm dich heute, sonst bist Du sofort draußen. Ich will mich heute nicht über Dich ärgern.“

Die Ansage wirkte und der nur 1,70 Meter große Außenverteidiger blieb lammfromm und kassierte noch nicht einmal eine Verwarnung. Auch heute ist Thorsten Büth immer noch mit dem Fußball verbunden. Als Stammgast fiebert er bei den Heimspielen seines TuS Neuasseln mit und drückt seinen Nachfolgern bei den sonntäglichen Spielen die Daumen.

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