Der VfR Kirchlinde hatte mit zwei A-Liga-Aufstieg in den vergangene Jahren auch einiges zum Feiern. © Schaper
Fußball

Der Dortmunder Westen blüht auf – Der VfR Kirchlinde hat hier seine eigene Philosophie

Der Dortmunder Westen kommt! Mehrere Fußball-Vereine erarbeiten sich gerade reizvolle Perspektiven. Aber wie kommt der VfR Kirchlinde bei all der Konkurrenz zurecht. Wir haben nachgefragt.

Der TuS Bövinghausen verpflichtet einen Weltmeister, RW Germania holt gute Leute und Mengede 08/20 erholt sich gerade bestens nach einer Durststrecke. Und auch die beiden Huckarder Klubs Westfalia und BW verharren nach dem Bezirksliga-Aufstieg nicht im Stillstand.

Einer, der in zwei der fünf genannten Klubs eine erfolgreiche Vergangenheit hat, setzt mit seinem West-Verein auf eine ganz eigene Philosophie. Und da er davon überzeugt ist, verlängerten er und sein Mit-Trainer ihre Verträge. Der Coach weiß, dass er sich immer auf seine 1. Vorsitzende verlassen kann.

VfR Kirchlinde verlängert mit Dominic Seelig und Markus Ottenberg

Die Vorsitzende Angela Holpert sorgt dafür, dass sich jeder im VfR Kirchlinde wohlfühlt, sei es die 1. Mannschaft um die Trainer Dominic Seelig und Markus Ottenberg, die 2. Mannschaft, die sich selbst „Multi Kulti“ nennt, seien es die weniger ambitionierten Teams, aber auch die Kleinen. Und wer die regelmäßigen Facebook-Beiträge mit Glückwünschen zu Geburtstagen, Hochzeiten oder Kindern liest, erahnt, warum auch ein lange in höheren Ligen kickender Seelig (Westfalia Wickede, Mengede 08/20) bleibt.

Es klingt dann auch sehr harmonisch, was beide über ihre bisherige und weitere Zusammenarbeit sagen. Die Vorsitzende erklärt: „Dominic und Markus sind junge, sehr engagierte Trainer, die sehr auf die Mannschaft eingehen. Daher machen wir sehr gerne mit beiden weiter.“ Solche Dinge sind eben wichtig in einem Verein, der sich ganz klar über das Familiäre definiert. Fast schon logisch klingt da Seeligs Zitat: „Ich bin sehr zufrieden in diesem Verein, die Mannschaft ist top. Und unsere gute Seele Angela sorgt für ein schönes Vereinsklima.“

Dominic Seelig und Markus Ottenberg sind seit Kindheitstagen Freunde

Seelig harmoniert auch mit seinem Kindheitskumpel Ottenberg sehr gut. Dass der ehemalige Westerfilder und Mengeder (das sind Seeligs Ex-West-Klubs) auch seinen Schichtdienst mit den Trainingseinheiten unter einen Hut bekommt, verdankt er seinem Mit-Trainer: „Markus ist immer da, wenn ich mal nicht kann. Da wir aber auf einer Wellenlänge funken, fällt das gar nicht mal ins Gewicht.“

Momentan ruht der Ball. Die Harmonie und menschliche Wärme erleben die Kirchlinder nur per Telefon und sozialen Medien. So sehr alle Verantwortlichen Respekt vor der Corona-Gefahr haben und für die Verbote Verständnis haben, so sehr tut der zweite Lockdown sportlich weh. Denn die 1. Mannschaft kam in der Kreisliga A1 im Herbst nach holprigen Start in Tritt. Mit zwei Siegen und Tabellenplatz elf verabschiedete sich der VfR. Das Trainerteam freut sich, dass die „intakte Mannschaft“ bleibt. „Wir haben bislang keine Absage. Das gefällt uns sehr gut und ist auch ein Grund, warum wir weitermachen.“

Der VfR Kirchlinde kann sich auf seine zweite Mannschaft verlassen

Auch Angela Holpert hat Gefallen an den Menschen im Verein. „Die 1. Mannschaft ist mit Herzblut bei der Sache. Unsere 2. Mannschaft, die in der Gruppe A2 unten steht, hat zwar ihr Eigenleben. Wenn wir sie im Klub brauchen, sind sie immer da. Auch unsere weiteren Teams bringen sich ein.“

Gerne hätte die Vorsitzende auch die zarten Pflanze des Aufbruchs im Nachwuchsbereich genutzt. „Hier, wo wir noch nur F-Junioren und Minikicker hatten und nach oben hin wachsen wollten, müssen wir abwarten, wie wir aus der Corona-Zeit herauskommen.“ Wenn Holpert darüber spricht, ist ihr sehr menschlicher Zwiespalt zwischen Vorsicht und Erkennen der Spielfreude der Kinder spürbar: „Ja, ich bekomme mit, wie die Kinder begeistert auf den Plätzen spielen. Aber ich sehe auch die Gefahren.“

Kinder sind ohne Erlaubnis auf dem Platz

Letztendlich überwiegt der vorsichtige Part in der Vorsitzenden: „Wir können unseren Platz nicht zusperren. Aber wir sehen, dass oft Kinder und Jugendliche ohne unsere Erlaubnis darauf kicken. Andererseits wollen wir als Verein aus gesundheitlichen Gründen noch kein Training anbieten. Das unseren Kindern zu erklären, ist dann auch nicht so leicht.“

Wer die Situation vereinfachen könnte, sagt die sonst so sanfte Präsidentin dann ziemlich deutlich: „Ich denke, wir sollten alle warten, bis wir guten Gewissens wieder Sport treiben können. Die Stadt lässt uns hier im Stich. Sie sollte den Platz sperren. Wir als Verein können ja nicht von morgens bis abends Ordnungshüter sein. Doch die Stadt sagt einfach, wir Vereine seien verantwortlich. Das geht zu weit.“

Tja, von morgens bis abends. Wenn sie das sagt, wird Angela Holpert fast wehmütig: „Ich bin immer am Platz, verpasse kein Training oder Spiel. Das Tagesgeschäft ist meins, für andere Dinge habe ich starke Männer im Verein.“

Bald wollen sie in Kirchlinde wieder gemeinsam anpacken und das Argument des VfR im aufstrebenden Westen, das Familiäre, wieder vor Ort leben. „Tief im Westen“, sang Herbert Grönemeyer. Im Text heißt es auch auf Kirchlinde zutreffend: „Hier, wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld!“ Da passt es ganz gut, dass das Wappen des VfR Kirchlinde dem des Grönemeyer-Vereins VfL Bochum beinahe gleicht. „Unser Ur-Wappen sah anders aus. Jemand aus unserem Verein hat sich dann mal inspirieren lassen und unser Logo erneuert. Es gefiel den Leuten“, berichtet Angela Holpert.

Ein Verein zum Anfassen

Die Bochumer spielen bekanntlich in der 2. Liga um den Aufstieg. Dennoch sehen sie sich zwischen den Großmächten Borussia Dortmund und Schalke 04 als Verein zum Anfassen. Auch wegen dieser Parallele zur Situation des VfR zwischen den anderen Klubs im Dortmunder Westen wehrt sich keiner gegen das an den VfL erinnernde Wappen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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