Westfalia Wickedes Sportlicher Leiter Daniel Dukic stellt aktuell das Team für die kommende Saison zusammen. © Schütze
Fußball-Westfalenliga

Daniel Dukic packt aus: Er übt scharfe Kritik am Amateurfußball und wollte sogar ganz aufhören

Daniel Dukic macht bei Westfalia Wickede weiter. Doch einfach hat sich der Sportliche Leiter die Entscheidung nicht gemacht. Er wollte mit dem Fußball sogar aufhören und findet kritische Worte.

Daniel Dukic bleibt Sportlicher Leiter bei Westfalia Wickede. Anfang der Woche teilte Dukic mit, dass er selbst, Trainer Marko Schott und ein Großteil des Kaders dem Westfalenliga-Klub treu bleiben werden. Doch Dukic hat sich mit seiner Entscheidung lange schwergetan. Im Gespräch mit dieser Redaktion hat er ausgepackt und den Dortmunder Amateurfußball heftig kritisiert.

Dieses Mal hat er länger gezögert mit seiner Entscheidung. Daniel Dukic musste lange nachdenken, überlegen, reflektieren und einige Dinge hinterfragen. So bat er um Bedenkzeit. Erst am 31. Januar war für ihn klar, dass er noch ein Jahr bei Wickede dranhängt. Danach verlängerten auch Trainer und Spieler. Aber warum hat das solange gedauert? Dukic wird deutlich.

„Es gab zwei Gründe“ für die lange Wartezeit, teilt Dukic mit. „Einerseits waren die zwei Corona-Pausen für mich eine Entgiftungskur vom Virus Fußball. Ich bin 13 Jahre im Amateurfußball tätig und habe auch wirklich 13 Jahr für den Fußball alles geopfert und untergeordnet“, sagt Dukic.

Viele Dinge seien in der Zeit zu Bruch gegangen, so Dukic. Freundschaften und auch die Familie habe er vernachlässigen müssen. „In der Zwangspause habe ich jetzt aber gemerkt, dass es auch noch ein Leben außerhalb des Fußballs gibt. Und ich kam ohne Fußball sehr gut zurecht“, gibt der Wickeder zu.

Andererseits sei Dukic auch extrem satt vom Amateurfußball gewesen. „Das Geschäft wird von Jahr zu Jahr ekeliger. Damit meine ich alle Protagonisten wie Spieler, Funktionäre und Vereine. Die Werte, Normen und Verhaltensweisen von früher gibt es kaum noch“, sagt Dukic.

Damit meint er explizit, dass sich die Kommunikation zwischen Spielern und Verein geändert hätten. „Teilweise investiert man viel Zeit in Gespräche und bekommt dann nur eine Nachricht über WhatsApp zurück. Das ist ein kompletter Generationswechsel“, führt der Wickeder weiter aus, der noch einen Schritt weitergeht. „Viele Vereine mutieren zum Sozialamt, zum privaten Bankinstitut und zum Autohaus.“

Was meint Dukic, der betont, dass er stets gerne Spielern geholfen habe, damit? Viele Spieler äußern laut Dukic bei Gesprächen direkt den Wunsch nach einem Ausbildungsplatz, nach einer Wohnung oder einem Handgeld. „Das nervt einfach. Viele Leute nehmen sich zu wichtig und im Geschäft ist mittlerweile sehr viel Unehrlichkeit dabei. Es kann keine Grundvoraussetzung sein, dass man einen Ausbildungsplatz bekommt, wenn man zum Verein wechselt“, so der Sportliche Leiter.

Doch trotz des Unmuts, trotz aller Kritik hat sich Dukic dennoch dazu entschlossen, bei Wickede weiterzumachen. Warum? Ist das nicht automatisch ein Widerspruch, da Wickede auch Teil des Dortmunder Amateurfußballs ist? „Weil ich den Verein und die Mannschaft liebe. Das schwingt sicherlich auch ein bisschen Fußballromantik mit. Die Jungs haben auch um mich gekämpft“, teilt Dukic mit.

Dennoch wolle Daniel Dukic künftig darauf achten, auch wieder mehr Wert auf sein Privatleben zu legen. „Ich war in all der Zeit nicht einmal im Urlaub. Das sind banale Dinge, die einfach nicht gingen“, so der Sportliche Leiter, der sich demnächst einen Hund zulegen wolle – auch für den Ausgleich zum Job und zum Amt bei Westfalia Wickede.

Dafür wird Dukic vor allem in den nächsten Wochen auch noch genügend Zeit haben. Die Amateurfußball-Saison startet ohnehin nicht vor dem 1. April. Das hatte der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen bereits kürzlich entschieden.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
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Patrick Schröer

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