Die Fußball-Saison in der Oberliga Westfalen kann sportlich nicht mehr zu Ende gebracht werden. © Jens Lukas
Fußball

Corona-Irrsinn: Oberliga-Saison ist rechnerisch am Ende – und wird trotzdem noch nicht abgesagt

Noch hält der FLVW an den Plänen zur Fortsetzung der Fußball-Saison fest. Doch: In der Oberliga kann die Hinrunde mittlerweile nicht mal mehr in der Theorie beendet werden. Wir rechnen vor.

Die Ausgangslage ist klar: Aus rechtlichen Gründen kann und darf der Westfälische Fußball- und Leichtathletikverband (FLVW) die aktuelle Spielzeit nicht verfrüht abbrechen und für annulliert erklären. Solange es in einer Staffel rechnerisch noch möglich ist, 50 Prozent der Spiele auszutragen und die Saison damit sportlich zu werten, kommt ein Abbruch nicht infrage. Aus diesem Grund hat es bislang auch noch in keiner Staffel eine Absage gegeben. Soweit, so gut. Allerdings: In der Oberliga Westfalen geht diese Rechnung bereits jetzt schon nicht mehr auf. Wir rechnen vor:

Die Oberliga Westfalen ist mit 21 Mannschaften proppevoll. Um 50 Prozent der Spiele – und somit die Hinrunde – zu beenden, muss jedes Team 20 Partien absolviert haben. Zehn Spieltage wurden bislang offiziell ausgetragen. Zehn weitere Spieltage hätten die Oberligisten also noch vor der Brust.

Es bleibt bei vier Wochen Vorbereitungszeit

Der derzeitige Lockdown läuft, Stand jetzt, bis zum 18. April. Angenommen, es tritt der – angesichts steigender Infektionszahlen höchst unwahrscheinliche – Fall in Kraft, dass der Lockdown anschließend endet, dürften die Fußballklubs ab dem 19. April wieder trainieren.

Mit der vom Fußballverband zugesagten Vorbereitungszeit von vier Wochen könnte der Spielbetrieb also frühestens am 16. Mai wieder starten, wie Staffelleiter Reinhold Spohn am Mittwoch auf Nachfrage bestätigte: „Diese Zeit werden wir den Vereinen zugestehen.“

Reinhold Spohn will mit den Vereinen der Oberliga Westfalen über die kommende Saison sprechen. © FLVW © FLVW

Genau da liegt nun aber der Knackpunkt. Zählt man die Wochenenden vom 16. Mai bis Ende Juni zusammen, kommt man auf sieben Spieltage. Hinzu kämen noch zwei Spieltage an den Feiertagen Christi Himmelfahrt (13. Mai) und Fronleichnam (3. Juni) – macht insgesamt neun Spieltage. Einer weniger also, als zwingend für das Erreichen der 50-Prozent-Hürde benötigt wird.

Weder Verlängerung der Saison noch Englische Wochen

Eine Verlängerung der Saison über den Juni hinaus hatte der FLVW am Montag in einer Pressekonferenz ebenso ausgeschlossen wie die Einführung Englischer Wochen, um den Spielplan zu stauchen.

„Ja, das wurde so kommuniziert“, betont auch Reinhold Spohn erneut. Heißt unterm Strich: Hält man an der vierwöchigen Vorbereitungszeit fest, gibt es in der Oberliga keine Möglichkeit mehr, auf die zwingend benötigte Zahl von zehn Spieltagen zu kommen.

Erschwerend käme zudem hinzu, dass erst vier Klubs (TuS Haltern, Sportfreunde Siegen, SG Finnentrop/Barmenohl und Eintracht Rheine) tatsächlich zehn Spiele absolviert haben. Die anderen Oberligisten hätten also noch Nachholspiele zu absolvieren.

Der Holzwickeder SC hat sogar erst sechs Partien auf der Habenseite. Zudem soll auch noch der Westfalenpokal, der laut FLVW Vorrang vor dem Ligen-Betrieb hat, möglichst zu Ende gespielt werden. Allein vor diesem Hintergrund wäre die Beendigung der Oberliga-Hinrunde ein schier unmögliches Unterfangen.

Nächste Videokonferenz steigt am 20. April

Kurios: Obwohl die 50-Prozent-Rechnung somit schon jetzt nicht mehr aufgeht, bleibt die Annullierung in der Oberliga weiter aus. „In diesen Zeiten macht es uns allen keinen Spaß – weder in den Vereinen, noch im Verband. Die Klubs wissen über die Situation Bescheid, am 20. April wird es eine erneute Videokonferenz des FLVW mit den Oberliga-Vertretern geben“, erklärt Reinhold Spohn.

Genug Zeit für den Verband, nochmal genau nachzurechnen. Das Ergebnis wird aber wohl leider das Gleiche sein.

Über den Autor
2014 als Praktikant in der Sportredaktion erstmals für Lensing Media aufgelaufen – und als Redaktionsassistent Spielpraxis gesammelt. Im Oktober 2017 ablösefrei ins Volontariat gewechselt und im Anschluss als Stammspieler in die Mantel-Redaktion transferiert. 2021 dann das Comeback im Sport, bespielt hauptsächlich den Kreis Unna.
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Marc-André Landsiedel
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