Borussia Dortmund II

BVB-U23-Abwehrspieler Henri Weigelt: Im Hamsterrad seiner Karriere

Im Kader von Borussia Dortmunds U23 stehen einige unzufriedene Spieler. Einer davon ist Henri Weigelt. Der Abwehrspieler kämpft um seine Chance - doch er hat es schwer.
Zuletzt nur in Zivil dabei: BVB-U23-Verteidiger Henri Weigelt. © Bielefeld

Es gibt leicht zu kränkende, leicht entflammbare Menschen, und dann gibt es Henri Weigelt. Wut, Trotz – derlei Reaktionen wären nicht verwunderlich angesichts seiner Situation und der Enttäuschungen, die ihn in den vergangenen Monaten, nein, Jahren immer wieder einholten. Doch Weigelt, 23 Jahre jung, wirkt immerzu gefasst, wenn man ihn sieht. Seinen Gefühlszustand, den zeige er nicht nach außen, meint der BVB-II-Verteidiger im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten.

Die Stimmlage korrespondiert in diesem Moment mit dem Inhalt seiner Ausführungen. Ruhig und ohne sonderlich viele Auf und Abs formuliert Weigelt, wie er sich seit Sommer durch die Höhen und Tiefen manövrierte. Natürlich beschäftige einen das. „Man fragt sich: Warum ich?“, sagt er. Und: „Klar zieht einen das auch runter. Ich habe viele Gespräche geführt, meine Familie gibt mir großen Rückhalt.“ Dann richte sich sein Blick schnell wieder nach vorn. „Das hält mich oben.“

BVB-U23-Talent Henri Weigelt war oft verletzt

Nach unten hat es ihn demnach allzu häufig gezogen. Wer den Namen „Henri Weigelt“ in seine Suchmaschine eingibt, wird ganz schnell fündig. Personalgeschichten über den Innenverteidiger haben vor allem den einen Fokus: seine lange Verletzungshistorie. „Talent im Wartestand“ titelte darum der kicker schon im Juni 2019. Diese Redaktion überschrieb einen Weigelt-Text im vergangenen Sommer mit der Frage: „Ende einer Odyssee?“

Es war eine hoffnungsfrohe Zeile, doch ein Trugschluss. Denn das Ende seiner Odyssee, das darf man an dieser Stelle auflösen, hatte Weigelt seinerzeit längst nicht erreicht. Auf Muskelfaserrisse und einen atypischen Blutwert, der dem bei Arminia Bielefeld ausgebildeten Spieler zu schaffen machte, folgten im zweiten Halbjahr 2020 eine Sprunggelenksverletzung und muskuläre Probleme. Bisher sind für Weigelt sieben Einsätze notiert – eine karge Bilanz.

BVB-U23-Talent Henri Weigelt stand in Alkmaar unter Vertrag

„Ich bin ja gekommen, um nach den Verletzungen neues Vertrauen zu gewinnen. Das hat ganz gut geklappt zu Beginn, dann wurde ich aber leider gebremst durch die Sprunggelenksverletzung. Das war der nächste Rückschlag“, sagt der feinfüßige Innenverteidiger, der im Sommer 2018 für mehr als eine Million Euro Ablöse von Bielefeld zu AZ Alkmaar gewechselt war. In den Niederlanden durchlebte er eine enttäuschende Zeit, wechselte deshalb nach Dortmund.

BVB-U23-Manager Ingo Preuß lauert auf exakt solche Gelegenheiten. Wenn es bei einem Talent mächtig klemmt, wenn es im Hamsterrad seiner Karriere festzustecken scheint, dann meldet sich der gut vernetzte Preuß – und versucht den richtigen Weg aus der Misere zu zeigen. Freilich: Das Talent selbst muss ihn dann letztlich gehen. Neben einer Menge Fleiß gehört Glück dazu. Weigelt könnte mehr davon gebrauchen.

BVB-U23-Talent Henri Weigelt stand zuletzt nicht mal im Kader

Die Sommervorbereitung konnte er nicht gänzlich mitmachen, dann kamen die zwei beschrieben Zwangspausen hinzu. Längst hat Trainer Enrico Maaßen eine funktionierende Dreier-Anordnung gefunden. Links spielt Lautsprecher Lennard Maloney, in der Mitte Routinier Niklas Dams – und rechts, wo Weigelt, kraft seines starken rechten Fußes, am besten aufgehoben wäre und die größte Einsatzchance besitzt, läuft Maximilian Hippe auf. Grundsolide, ohne größere Probleme.

Für Weigelt blieb deshalb zuletzt nicht mal die Bank, in den ersten vier Partien des Jahres sah er in Zivil zu. „Für mich ist das natürlich nicht zufriedenstellend“, sagt er. „Ich bin Fußballer und will immer spielen. Aber ich kann die Entscheidung des Trainers verstehen. Wenn es gut läuft, dann gibt es für Enno keinen Grund, etwas zu ändern. Das kann ich absolut nachvollziehen.“ Ihm bleibe nur, „mich weiterhin zu empfehlen“.

BVB-U23-Talent Henri Weigelt arbeitet hart

Fragt man Maaßen, ist zu hören, dass Weigelt dies gelinge, er sei fleißig, mache sich gut – dennoch war die Tür bislang verschlossen. Der BVB-II-Coach wollte vermehrt Offensivspieler dabei haben. „Wir spielen ja sehr intensiv, gehen ein sehr hohes Tempo – auf Dauer ist das sehr anstrengend“, so Weigelt. „Daher wechseln wir im Moment vor allem im Offensivbereich.“ Und der Innenverteidiger hat keinen Platz im Aufgebot.

Ob er, der einen Einjahres-Vertrag besitzt, in der Transferperiode überlegt hat, einen vorzeitigen Wechsel anzustreben? „Nein“, antwortet Weigelt. „Es ist noch eine lange Saison. Nur weil es gerade nicht läuft, habe ich nicht überlegt, abzuhauen und vor den Problemen wegzulaufen. Das war für mich keine Option.“ Er wolle kämpfen, den Trainer überzeugen – fragt sich nur, wann die Chance dazu kommt. Schon in wenigen Tagen – oder erst in ein paar Wochen?

BVB-U23-Trainer Enrico Maaßen hat einige unzufriedene Spieler

Die Antwort darauf obliegt allein Maaßen, der – wie jeder andere verantwortliche Fußballlehrer – mit unzufriedenem Personal auskommen muss. Neben Weigelt sind beim BVB II sicherlich Migel-Max Schmeling (4 Einsätze), Cebrails Makreckis (2), Haymenn Bah-Traore (8), Philipp Harlaß (10) oder Adac Ercan (10) zu nennen. Sie alle hinken den Erwartungen hinterher – und halten dem Vernehmen nach dennoch still, solidarisch-kollegial.

„Die Stimmung ist wirklich sehr, sehr gut“, sagt Weigelt. „Natürlich liegt es an der Situation und klar gibt es auch unzufriedene Spieler. Ich springe auch nicht vor Freude auf und ab. Aber es ist nicht so, dass jemand die Stimmung herunterzieht. Die Spieler, die spielen, haben es verdient. Das sieht man an den Ergebnissen.“ Die sind außerordentlich, der BVB II führt die Regionalliga-Tabelle an. Weigelt sagt: „Damit übertreffen wir wohl die Vorstellungen der anderen Mannschaften.“

BVB-U23 peilt den Aufstieg an – Henri Weigelt ist optimistisch

Zuletzt sei die Dortmunder U23 schließlich nicht so gut gewesen. „Wir“, sagt Weigelt, „wir sind eine zusammengewürfelte Mannschaft, haben uns trotzdem sehr schnell gefunden und machen es gerade so gut, dass ich es uns zutraue, am Ende ganz oben zu stehen.“ Auf Platz eins, der für den Drittliga-Aufstieg qualifiziert und – wenngleich nicht mit verbalen Spitzen – angepeilt wird von Borussias Zweitvertretung.

Weigelt selbst hätte im vergangenen Jahr fast einen Platz in der Bundesliga-Elf gefunden. Damals gingen der Mannschaft von Ex-Trainer Lucien Favre die Zentralverteidiger aus, der BVB-II-Mann trainierte im Kreise der Profis und hätte wohl in einem Testspiel gegen den RSC Anderlecht vorspielen dürfen. Im Abschlusstraining indes kam es zur Sprunggelenksverletzung, und die Probepartie wurde wegen einer Covid-19-Infektion beim Gegner abgesagt.

BVB-U23-Talent Henri Weigelt treibt ein „sehr gutes Gefühl“

Eine verkorkste Situation, doch die ist Vergangenheit. Jetzt sei er wieder „auf einem Level“, um eine Option für den BVB II zu sein. „Ich trainiere sehr gut, mache nach dem Mannschaftstraining noch viel für mich selbst. Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Von daher gehe ich davon aus, dass ich bald wieder dabei bin.“ Im Kader und auf dem Platz. Um dem Ende der Odyssee nach und nach näherzukommen. Oder den Wartestand zu verlassen. Suchen Sie sich etwas aus.

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