Juniorenfußball

BVB-Jugendchef Boekamp im Interview: Sein Ziel ist es, neue Moukokos zum BVB zu lotsen

Edwin Boekamp, das Gesicht der Jugendarbeit beim BVB, hat verlängert. Im Interview spricht er darüber, wie man Top-Talente wie Youssoufa Moukoko bindet und über die Entwicklung der BVB-Jugendarbeit.
Edwin Boekamp (l.) mit Peter Wazinski 2003 auf der Trainerbank der BVB-A-Jugend. © Peter Ludewig

Das Gesicht der Juniorenabteilung von Borussia Dortmund in ihrer Außendarstellung ist unweigerlich mit der Person Edwin Boekamp in Verbindung zu bringen. Der Vertrag des mittlerweile 61-jährigen Fußball- und Diplomsportlehrers als sportlicher Leiter Nachwuchs der schwarzgelben Talentschmiede wurde nun um vier weitere Jahre vom 1. Juli 2021 an verlängert.

Sein erstes Engagement datiert aus dem Jahr 1987. Seitdem ist Boekamp mit zwei Unterbrechungen für den BVB als erfolgreicher Trainer, Nachwuchskoordinator und zuletzt seit 2013 als sportlicher Leiter Nachwuchs im Einsatz. In einem Gespräch mit dieser Zeitung schildert Boekamp den Ist-Zustand der Abteilung, wirft einen Blick in die Zukunft und lässt die Zeit seines bisherigen Engagements auch ein wenig Revue passieren.

Glückwunsch zur Vertragsverlängerung Herr Boekamp. Haben sich die Gespräche schwierig gestaltet?

Überhaupt nicht. Das war völlig unproblematisch, eigentlich entsprechend unseren gemeinsamen Vorstellungen nur eine Formsache. Das Gespräch mit Hans-Joachim Watzke hat zehn Minuten gedauert.

Sie bewegen sich allmählich, auch wenn es nicht den Eindruck erweckt, in Richtung Ruhestand. Werden sie nach den vier Jahren ihr Engagement beenden?

Ich glaube nicht, dass ich, Gesundheit vorausgesetzt, aufhören kann. Jugendfußball begeistert mich. Die Lust dazu, weiter an der Entwicklung der Jungs teilzuhaben, wird nicht nachlassen.

Aufstieg der BVB-Amateure im Jahr 2000. © Peter Ludewig © Peter Ludewig

In welchem Zustand befindet sich die Nachwuchsabteilung des BVB, auch unter der unvorhersehbaren Herausforderung Corona aktuell?

Wir sind ungeachtet aller Corona-bedingten Probleme mit Trainern, Spielern und Mitarbeitern in allen dazugehörenden Bereichen sehr gut aufgestellt. Das bedeutet nicht, dass man sich nicht immer noch weiter verbessern kann.

Und wo bestünde für die Zukunft dann eventuell Verbesserungsbedarf?

Mit noch mehr Manpower könnte man die individuelle Betreuung für die Spieler weiter optimieren. Pläne für eine Halle, die Erweiterung des Athletikbereiches und die Aufstockung des Internates bestehen, sind derzeit wegen Corona allerdings vorübergehend zum Stillstand gekommen.

Seitens des DFB wird für den Nachwuchsbereich eine in der Öffentlichkeit strittig diskutierte Reform angestrebt. Die Ausbildung soll noch mehr auf die Leistungszentren konzentriert, der Bundesliga-Betrieb für die U19 und U17 sogar eingestellt werden. Wie stehen sie den Bestrebungen gegenüber?

Die sehr umfangreiche Vorlage muss man differenziert betrachten. Viele Ideen für den unteren Bereich bezüglich Ausbildung und Leistungsdruck sind nicht schlecht, aber auch nicht unbedingt neu. Von einer Abschaffung der U9- bis U11-Teams halte ich nichts. Bei der U19 und U17 sollte man den Leistungsgedanken nicht herausnehmen. Vor allem mit der U19-Bundesliga im Westen und ihren kurzen Wegen sehe ich uns bestens aufgestellt.

Verlieren Titelgewinne, und da bewegt sich der BVB ja bundesweit im Vergleich zur hochkarätigen Konkurrenz mit an der Spitze, an Bedeutung? Zählt nur noch die Ausbildung und Heranführung an den Profibereich?

Das eine schließt das andere nicht aus. Ziel ist es, Talente zu haben, die zu entwickeln und nach oben durchzubringen. Viele Talente haben sich in der Vergangenheit für uns entschieden, eben weil sie auch die Chance auf Titelgewinne besitzen. Der Erlebniswert ist unschätzbar groß und sollte nicht außer Acht gelassen werden.

zzsp-BVB Amateure 28.05.00Foto: Peter Ludewig © Peter Ludewig © Peter Ludewig

Der BVB hat sich für hoffnungsvolle Nachwuchsspieler, so auch Youssoufa Moukoko, zu einer führenden Adresse entwickelt. Angeflogen kommen sie aber auch nicht. Wie schwierig war es, das damals erst 11-jährige Ausnahmetalent für die Borussia zu begeistern und zu verpflichten?

Ganz unkompliziert war das zweifelsfrei nicht. Wir haben Youssoufa Perspektiven aufgezeichnet und ihm einen detaillierten Plan erstellt. Und der ist bislang in jeder Beziehung in Erfüllung gegangen. Das kann als vortreffliches Beispiel für zukünftige weitere Verpflichtungen dienen.

Giovanni Reyna und Youssoufa Moukoko haben aktuell den Sprung zu den Profis geschafft, Ansgar Knauff befindet sich auf dem Weg. Welche Jungs können zeitnah folgen?

Da befinden sich schon einige im Visier, unter anderen Angreifer Samuel Bamba und Innenverteidiger Nnamdi Collins, die als U17-Spieler bereits für die U19 im Einsatz sind. Man muss allerdings nicht nur deren Entwicklung abwarten, ist vor Überraschungen im positiven wie auch negativen Sinne nicht gefeit.

Sie sind nun seit 1987, unterbrochen durch ein einjähriges Kurzgastspiel als A-Junioren-Trainer beim VfL Bochum und die Zeit als Assistent von Michael Skibbe im Profibereich, für die Borussia in unterschiedlichen Funktionen tätig. Wie groß ist das Ausmaß an Veränderungen?

Was sich da im Laufe der Zeit getan hat, ist herausragend. Allein schon die Trainingsbedingungen, früher unter allen erdenklichen und teils widrigen Bedingungen auf Asche am Mendeplatz und im Hoeschpark. Dagegen jetzt die Möglichkeiten in Brackel mit den entsprechenden Räumlichkeiten und dem Internat. Da haben sich Welten aufgetan. Es ist toll, solch eine Entwicklung begleitet haben zu dürfen.

Michael Skibbe (l.) und Edwin Boekamp. © Peter Ludewig © Peter Ludewig

Ihre Arbeit wurde von unzähligen Erfolgen als Trainer, Nachwuchskoordinator und nun sportlicher Leiter flankiert. Welches waren für sie die schönsten und herausragendsten Momente?

Der größte Erfolg als Trainer war sicherlich das 3:2 mit den A-Junioren im DM-Finale über Werder Bremen 1994 in Delmenhorst, als Ibrahim Tanko in der Schlussminute den Sieg sicherstellte. Es war der erste BVB-Titel in der Altersklasse.

Nicht minder hoch schätze ich den Erfolg mit den A-Junioren 1998 als krasser Außenseiter nach Elfmeterschießen über Bayer München ein, ebenso den C-Junioren-Westtitel mit David Odonkor 1999 und 2000 die Qualifikation mit der U23 für die damals zweigeteilte Regionalliga.

Ein toller Augenblick war für mich auch der erste Einsatz von Lars Ricken bei den Profis, den wir als Jugendabteilung gemeinsam von der Nordtribüne aus verfolgt haben. In welcher Funktion auch immer war ich an 22 DM-Endspielen beteiligt.

Edwin Boekamp. © Peter Ludewig © Peter Ludewig

Und welche Vorstellungen und Wünsche begleiten ihre Arbeit in den kommenden vier Jahren?

Über allem steht die Gesundheit, nicht nur für mich. Man hat Visionen, will die besten Talente scouten, möglichst viele Spieler in den Profibereich führen, die Abteilung noch weiter nach vorne bringen. Ganz wichtig ist es, dass der augenblickliche Zusammenhalt unter allen in irgendeiner Form Beteiligten so bestehen bleibt.

Dafür wünschen wir Ihnen viel Erfolg und Glück.

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