Bei einem seiner beiden Saisonsiege ließ es der VfB Lünen um Robin Hagenmeyer (l.) ordentlich klingeln. © Timo Janisch
Fußball-Bezirksliga

Bruder-Duo mischt Dortmunder Amateurfußball auf und hat dem ASC mal sechs Tore eingeschenkt

Zwei Geschwister in einem Team: Das gibt es gar nicht mehr so häufig im Dortmunder Amateurfußball. Wir haben zwei Brüder interviewt, die im Training keine Rücksicht aufeinander nehmen.

Zwei Brüder in einer Mannschaft – das ist im heutigen Amateurfußball eher eine Rarität. Bei einem Dortmunder Klub kicken zwei Brüder in der zweiten Saison in einem Team – haben haben schon so manches zusammen erlebt.

Beim Bezirksligisten VfR Sölde spielen Marvin Koschinski (25 Jahre alt) und sein jüngerer Bruder Maurice (20 Jahre alt) in der zweiten Saison in einem Team.

Während Marvin entweder als Stoßstürmer oder als Innenverteidiger durch seine körperliche Präsenz auffällt, ist Maurice eher der feine Techniker der sich auf der Zehn pudelwohl fühlt.

Beide haben eine Gemeinsamkeit: Die beiden Urgesteine begannen ihre Fußballerkarriere beim VfR Sölde und wechselten beide im Jugendbereich zum FC Brünninghausen. Während Marvin danach sofort wieder zum VfR zurück wechselte, spielte der jüngere Maurice auch noch beim Holzwickeder SC.

„Marvin Koschinski hat ein Riesenstanding innerhalb des Teams, sein Wort hat dort Gewicht, während Maurice Koschinski auch aufgrund seines jugendlichen Alters eher zu den ruhigen und zurückhaltenden Akteuren zählt“ beschreibt Trainer Marco Nagel die Geschwister. „Beim Training schonen Sie sich nicht, auch wenn es im Zweikampf gegen den eigenen Bruder geht“ ergänzt der Sölder Trainer. Wir haben den Brüdern mal auf den Zahn gefühlt und mit ihnen ein Doppelinterview mit den identischen Fragen geführt.

Wie verhalten Sie sich im Training gegenüber Ihrem Bruder?

Marvin Koschinski: Als großer Bruder stachele ich Maurice an und motiviere Ihn. Meistens hört er auf mich und nimmt meine Ratschläge an. Ich bin im Training auch ein Stück weit so eine Art Trainer für ihn.

Maurice Koschinski: Ich nehme bei Trainingsspielen keine Rücksicht auf meinen großen Bruder und versuche in erster Linie mit meiner Mannschaft zu gewinnen.

Gibt es so eine Art Konkurrenzkampf zwischen Ihnen, da Sie ja beide gerne in der Offensive agieren?

Marvin: Es ist ein gesunder Konkurrenzkampf zwischen uns. Maurice ist ein ganz anderer Spielertyp als ich. Während ich eher der körperbetont agierende Brecher bin, ist Maurice der klassische Zehner, der lieber die Zweikämpfe meidet. Wir gönnen uns gegenseitig die Erfolgserlebnisse in Form von Toren oder Vorlagen.

Maurice: Na klar. Beim Abschlussspiel am Freitag versucht sich jeder durch gute Leistungen für die Startelf zu empfehlen. Da geht es auch in den Zweikämpfen gegen den eigenen Bruder etwas giftiger zu.

Marvin Koschinski spielt beim VfR Sölde. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Verhalten Sie sich während des Spiels gegenüber Ihrem Bruder anders, als gegenüber ihren anderen Mitspielern?

Marvin: Unser Team ist eine gute Einheit, in der offen gesprochen wird. Natürlich spreche ich mit Maurice einen Tick anders. Wir suchen auch häufig das Vier-Augen-Gespräch auf dem Platz oder auf dem Weg in die Kabine.

Maurice: Nein, eigentlich nicht. Allerdings freue ich mich mehr und lache auch während des Spiels häufiger, wenn ich mit Marvin zusammen auf dem Feld stehe.

Ist es etwas Besonderes für Sie mit ihrem Bruder in einer Mannschaft zu spielen?

Marvin: Auf jeden Fall. Ich habe damals als Maurice noch in der C-Jugend in Brünninghausen gekickt hat, fast jedes Spiel von ihm gesehen. Wir haben ein sehr enges und tolles Verhältnis zueinander und arbeiten sogar zusammen.

Maurice: Schon als Jugendlicher habe ich mir immer gewünscht mal mit meinem älteren Bruder in einer Mannschaft zu spielen. Marvin ist auch der Hauptgrund, warum ich vor knapp 18 Monaten vom Holzwickeder SC zurück zu meinem Heimatverein VfR Sölde gewechselt bin.

Welche Vorteile beziehungsweise Nachteile hat es mit dem eigenen Bruder in einer Mannschaft zu spielen?

Beide erklärten unisono, dass die gemeinsame Fahrt mit einem Auto zu den Auswärtsspielen der größte Vorteil ist. Für Marvin den älteren der Brüder ist der größte Nachteil die häufige Verwechslung der Hose, des Trikots und der Schienbeinschoner, wenn die Ausrüstung aus Mamas Waschmaschine kommt. Den jüngeren Maurice nerven manchmal die Diskussionen im Auto auf der gemeinschaftlichen Heimfahrt.

Regen Sie sich während des Spiels über den Gegner auf, wenn der eigene Bruder gefoult wird?

Marvin: Aufregen eher nicht. Als großer Bruder ist man eher fürsorglich und wird gegenüber dem foulenden Gegner auch schon mal etwas lauter.

Maurice: Ich rege mich dann auf jeden Fall auf. In einem unserer letzten Meisterschaftsspiele hat ein Gegenspieler den Marvin böse von hinten umgehauen, der danach mindestens zwei Minuten auf dem Boden lag. Solche Aktionen treiben bei mir schon den Blutdruck in ungeahnte Höhen.

Maurice Koschinski spielt beim VfR Sölde. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Tauschen Sie sich nach den sonntäglichen Spielen aus oder schweigen Sie lieber?

Marvin: Ich kann ein Spiel nicht sofort ausblenden. Vor allem schlechte Spiele beschäftigen mich bis zur nächsten Trainingseinheit am Dienstag. Maurice und ich tauschen uns dann am Sonntag ganz offen über die Geschehnisse im Spiel aus.

Maurice: Das sonntägliche Spiel ist immer Hauptthema beim gemeinsamen Essen. Wir lassen dort die neunzig Minuten Revue passieren. Auch unsere Eltern diskutieren leidenschaftlich mit. Auch mich beschäftigen schlechte Spiele länger als gute Spiele.

Welche Stärken beziehungsweise Schwächen sehen Sie bei Ihrem Bruder auf dem Fußballplatz?

Marvin: Maurice verfügt über ein gutes Auge. Er ist ein feiner Techniker, mit guter Schusstechnik der sehr mannschaftdienlich spielt. Verbesserungswürdig ist vor allem sein Kopfballspiel, auch beim Zweikampfverhalten und beim Tempo muss er noch zulegen.

Maurice: Marvin ist von der Statur her ziemlich breit, setzt seinen Körper in Zweikämpfen gut ein und verfügt über einen knallharten Schuss. Ihm fehlt es aufgrund seiner Statur aber ein bisschen an Beweglichkeit und am Tempo.

Gibt es eine unterhaltsame Geschichte, die sich bei Ihren gemeinsamen Spielen ereignet hat?

Marvin und Maurice: Wir hatten im letzten Jahr ein Testspiel gegen die Reserve des ASC 09. Beim Spielstand von 1:0 wurden wir beide von Trainer Marco Nagel zur Pause eingewechselt und sollten den Angriff beleben. Scherzhaft forderte Marco Nagel: „Ich will jetzt von Euch beiden jeweils drei Tore sehen“. Der Wunsch des Trainers war sowohl Marvin als auch Maurice Koschinski Befehl. Beide steuerten jeweils drei Tore zum 8:0-Endstand bei.

Über den Autor
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Baujahr 1965, gebürtiger Dortmunder, der sich seit fast zwanzig Jahren auf den Sportplätzen tummelt und den Dortmunder Amateurfußball mit all seinen Facetten kennt.
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Frank Büth

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