Der SV Berghofen spielt am Sonntag wieder um Punkte. © Nils Foltynowicz
Fußball

Berghofer Spielerin vor der Zweitliga-Partie: „Ich habe totale Bedenken zu spielen“

Sonntag wird die Saison der zweiten Frauenfußball-Bundesliga fortgesetzt. Der SV Berghofen tritt bei Borussia Bocholt an, der in der Tabelle nur zwei Zähler hinter dem SVB rangiert.

Anlässlich des Re-Starts der Saison haben wir uns über die aktuelle Situation mit der Führungsspielerin Daniela Ließem unterhalten, die bereits für den VfL Bochum und den MSV Duisburg in der zweiten Liga spielte.

Die 28-jährige Flügelflitzerin, die fünf Spiele für die U16-Juniorinnen des DFB bestritt, stand dabei mit so bekannten Akteurinnen und heutigen Nationalspielerinnen wie Laura Benkarth, Leonie Maier, Kathrin Hendrich und Carolin Simon in einem Team. Beruflich ist Daniela Ließem auf einer Kinder-Intensivstation in einem Wittener Krankenhaus tätig und kann zurzeit aufgrund ihrer Wechselschicht nur eingeschränkt trainieren. Daniela Ließem, die seit 2017 in Berghofen spielt, verriet uns auch wie es mit Ihrer sportlichen Zukunft aussieht.

Daniela Ließem ist hin- und hergerissen. © Nils Foltynowicz © Nils Foltynowicz

Sie werden in Ihrem Beruf als Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin täglich mit der Corona-Pandemie konfrontiert. Wie stehen Sie dazu, trotzdem am Sonntag spielen zu müssen oder zu dürfen?

Ich bin hin- und hergerissen. Durch unseren späten Trainingsstart sind wir und Arminia Bielefeld deutlich im Nachteil gegenüber unseren Mitkonkurrentinnen. Dadurch wird der Klassenerhalt noch schwieriger. Das hat mit Gerechtigkeit und Fairness nur wenig zu tun. Meines Erachtens ist es seitens des DFB nur wenig durchdacht, unbedingt jetzt die Saison fortzusetzen. Uns als Betroffene wird aber einfach zu wenig Gehör geschenkt. Ich liebe zwar den Fußball, habe aber aufgrund der augenblicklichen Lage totale Bedenken zu spielen. Ich befürchte auch aufgrund der langen Pause und der kurzen dreiwöchigen Vorbereitung ein erhöhtes Verletzungsrisiko.

Wie gehen Sie mit dem Hin und Her hinsichtlich des Trainingsbetriebs um?

Aufgrund meiner Wechselschichten im Krankenhaus hat es mich nicht so getroffen. Viele meiner Mitspielerinnen mussten durch die Einheiten in der Sportschule Kaiserau wesentlich weitere Wege und damit einen erhöhten zeitlichen Aufwand in Kauf nehmen. Diese widrigen Umstände sind allein der schlechten Organisation durch den DFB geschuldet. Uns wurden zusätzliche Knüppel zwischen die Beine geworfen. Das stimmt mich einfach traurig. Auch wenn die ganze Sache natürlich schwierig zu Händeln ist.

Finden Sie es persönlich sinnvoll, die Saison zum momentanen Zeitpunkt fortzusetzen?

Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Als Fußballerin will ich natürlich spielen. Jeder wünscht sich wieder ein Stück Normalität. Auch für die Jugendlichen wäre es wichtig, wenn sie sich auf dem Fußballplatz wieder austoben könnten. Als Mitarbeiterin in der Gesundheitsbranche sehe ich die Sache natürlich anders. Viele Menschen bangen um ihre Existenz und wir machen uns Gedanken ob die Fußballsaison fortgesetzt wird. Eigentlich ist das total unwichtig, denn am Ende des Tages ist es einfach nur der Fußball.

Wie steht es um Ihre Fitness nach der langen Pause und einer nur dreiwöchigen Vorbereitung auf die restlichen Spiele?

Meine Fitness ist schlechter als die meiner Mitstreiterinnen, da mir aufgrund meiner Wechselschicht etliche Trainingseinheiten fehlen. Ich versuche aber dranzubleiben, um der Mannschaft im Kampf um den Ligaerhalt weiterzuhelfen. Zum Saisonende werde ich dann aber meine Karriere beenden. Ich will in Zukunft nicht mehr mein Leben nach dem Fußball planen. Ich setze mir andere Prioritäten, ich will viel reisen und etwas von der Welt sehen. Nach zwei Aufstiegen mit dem SV Berghofen möchte ich mich natürlich mit dem Klassenerhalt verabschieden.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Partie gegen Borussia Bocholt?

Bocholt hat uns in der Regionalliga das Leben immer schwergemacht. Im Kampf um den Klassenerhalt wollen wir gegen einen Mitkonkurrenten natürlich punkten. Ich hoffe unser Trainingsrückstand macht sich nicht so deutlich bemerkbar.

Wie lautet Ihr Tipp?

Wir gehen topmotiviert in die Begegnung und gewinnen deshalb knapp mit 2:1.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Baujahr 1965, gebürtiger Dortmunder, der sich seit fast zwanzig Jahren auf den Sportplätzen tummelt und den Dortmunder Amateurfußball mit all seinen Facetten kennt.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.