Mieter Peter Faßbender im oberen Stockwerk des Mehrfamilienhauses am Rübezahlweg. Steht er unter der Rauchabzugsanlage? © Lydia Heuser
Wohnen in Dortmund

Zahlen LEG-Mieter in Dortmund für Brandschutz, den es nicht gibt?

Verwirrung bei der Nebenkostenabrechnung: Ein Mieter wundert sich über die Position „Brandmeldeanlagen“. Die LEG versichert, dass es eine gebe. Eine Mietrechtsexpertin hat „eher Zweifel“.

Wie jedes Jahr erhält Peter Faßbender eine Betriebskostenabrechnung seines Vermieters, dem Immobilienunternehmen LEG. Ein Kostenpunkt macht den Mieter jedoch stutzig.

Alle zwei Jahre taucht bei ihm die Position „Brandmeldeanlagen“ auf. Die Kosten belaufen sich auf jeweils 773,50 Euro im Jahr 2017 und 2019. Anteilig muss Peter Faßbender 2,43 Euro davon bezahlen – das ist nicht viel, aber in Summe kassiert die LEG dann doch einiges.

Der Mieter fragt sich, wo die Brandmeldeanlage sein soll. Aus seiner Zeit als Rettungsassistent wisse er, wie solche Anlagen aussehen. „Die sind eigentlich mit der Feuerwehr verbunden, sodass die gleich ausrücken kann, sobald jemand einen der Alarmknöpfe im Ernstfall drückt“, sagt Peter Faßbender.

Nur die kleinen, quadratischen Kästchen mit einzuschlagender Glasscheibe, hinter der sich der Notrufknopf befindet, gibt es im Mehrfamilienhaus am Rübezahlweg nicht.

Mietrechtsexpertin hat „eher Zweifel“

Auch die Mietrechtsexpertin Britta Kramme vom Mieterschutzbund DMB sagt: „Ich würde eher Zweifel haben, dass so eine Anlage existiert.“ Wie auch Peter Faßbender kennt sie Brandmeldeanlagen vor allem aus großen, öffentlichen Gebäuden.

Auch Stadtsprecher Christian Schön meint auf Anfrage der Redaktion: „Mit dem Begriff Brandmeldeanlage sind meistens komplexe Systeme gemeint.“ Und: „Für normale Wohnhäuser wäre das sehr ungewöhnlich.“

LEG-Sprecher Mischa Lenz versichert hingegen, dass die LEG nur solche Kosten umlegt, „die auch tatsächlich entstanden sind“.

Hinter dem Begriff Brandmeldeanlage verbergen sich die Kosten „für die Wartung von elektrischen und pneumatischen RWA-Anlagen (Rauch- und Wärmeabzugsanlagen)“, erläutert er.

Im Falle eines Wohnungsbrands sei der Rauchabzug dafür da, um giftige und heiße Brandgase nach außen ableiten zu können. Im Haus am Rübezahlweg sei der Abzug im oberen Teil des Treppenhauses zu finden.

LEG soll RWA-Anlage zeigen

Bei einem Ortstermin zeigt Peter Faßbender einen Rauchmelder und ein gewöhnliches Dachschrägen-Fenster. Gemachte Fotos helfen jedoch weder Feuerwehr noch Stadtsprecher Christian Schön für eine Einschätzung weiter.

„Als Rauchabzug kann ganz regulär auch ein Dachflächenfenster dienen, wie es auf einem der Fotos zu sehen ist“, erklärt Christian Schön.

Hier im oberen Stockwerk sollen die Brandschutzvorrichtungen sein. Der Rauchmelder ist damit jedoch nicht gemeint.
Hier im oberen Stockwerk sollen die Brandschutzvorrichtungen sein. Der Rauchmelder ist damit jedoch nicht gemeint. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Juristin Britta Kramme rät dem Mieter deshalb, die LEG aufzufordern, sich die Anlage zeigen zu lassen. „Wenn da seitens des Mieters Zweifel bestehen, ist die LEG dazu verpflichtet.“

Peter Faßbender will dem Rat folgen, glaubt aber noch nicht, dass die LEG ihm vor Ort die Anlage zeigen wird oder ihm eine Originalrechnung der Wartungsarbeiten zum Beweis vorlegt. Das wird sich zeigen müssen.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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