Schulleiterin Roswita Weber setzt sich dafür ein, mehr Kinder in die Notbetreuung zu schicken. © Andreas Schröter (A)
Schule in Corona-Zeiten

„Wir bieten Notbetreuung an – aber es kommt niemand“

Distanzunterricht ist nicht für jeden eine Lösung, sagt Schulleiterin Roswita Weber. Sie plädiert für eine verstärkte Nutzung der Notbetreuung - und widerspricht damit NRW-Schulministerin Gebauer.

Die verlängerten Weihnachtsferien sind beendet, und die Schulen haben zumindest in digitaler Form wieder geöffnet. Wir sprachen darüber mit der Schulleiterin der Theodor-Heuss-Realschule in Eving, Roswita Weber.

Frau Weber, wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?

Ich sehe große Probleme beim Distanzunterricht. Ich kenne zum Beispiel eine Familie an unserer Schule, die aus einem Vater und sechs oder sieben Kindern besteht. Der Vater fragt mich ständig, wann er wieder arbeiten gehen kann. Auch ist es ja nicht so, dass nun in dieser Familie sieben Laptops vorhanden wären, so dass alle Kinder zu Hause arbeiten können.Oder ich nenne Ihnen ein anderes Beispiel: Eine unserer Mathe-Lehrerinnen arbeitet gerne mit spielerischen Beispielen aus dem Leben: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel eine Figur ins Häuschen zu bringen? Aber wenn die Kinder dieses Spiel gar nicht kennen, weil sie aus Ländern kommen, in denen es das nicht gibt, wird es eben schwierig – oder wenn es um Skat-Karten geht, die Kinder aber gar nicht wissen, was Skat ist.

Also wären Sie eher dafür, dass solche Kinder in die Notbetreuung kämen, obwohl die NRW-Schulministerin, Yvonne Gebauer, das ablehnt?

Ja, ich wäre in der Tat dafür, und wir bieten diese Notbetreuung auch nach wie vor an. Aber es kommt niemand. Das setzt natürlich auch eine Mithilfe der Eltern voraus, die ihre Kinder zu uns schicken müssen. Daran hapert es aber oft. Viele Eltern haben gar kein Interesse am Thema Schule. Das ist für sie etwas, das ganz weit weg ist.

Keine gute Situation für die Kinder…

Nein, die Kinder bleiben dabei auf der Strecke. Nach den Sommerferien mussten wir bis zu den Herbstferien nacharbeiten, um auch für die Kinder den Stoff aufzuholen, die sich im ersten Lockdown nicht an unseren digitalen Angeboten beteiligen konnten oder wollten. Das wird auch diesmal so sein, wenn es wieder losgeht.

Wie ist es denn am Montag wieder an der Theodor-Heuss-Realschule losgegangen?

Wir haben eine Dienstbesprechung gemacht, in der wir geregelt haben, wie es mit der Noten- und Zeugnisvergabe sowie dem digitalen Unterricht einheitlich für alle Klassen laufen soll. Danach liefen Fach- und Jahrgangsstufenkonferenzen. Am Mittwoch erhalten unsere Schüler dann Aufgaben.Einige Lehrer haben auch jetzt schon Aufgaben verschickt, und einige Schüler haben die schon erledigt und an ihre Lehrer zurückgeschickt. Daran sehen Sie, wie unterschiedlich die Schüler dem begegnen. Einige wollen wirklich auch gerne wieder arbeiten.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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