Schwer beladen für die große Fahrt: So wollen Tobias Nickel und Luisa Hamelbeck zu ihrer Weltreise aufbrechen, zwei Gitarren inklusive. © Hamelbeck
Mit Video

Weltreise mit dem Fahrrad: Dortmunder Paar kündigt Jobs und Wohnungen

Die Dortmunderin Louisa Hamelbeck (24) und ihr Freund Tobias Nickel (25) wollen bald eine Weltreise machen - und das auf Fahrrädern. Die Reise soll über Jahre gehen. Doch wie kann das funktionieren?

Mit dem Fahrrad unterwegs – das sind seit Beginn der Corona-Pandemie immer mehr Menschen, nicht nur in Deutschland. Doch nur die wenigsten neuen und alten Radler finden Freude daran, so lange im Sattel zu sitzen, wie es die Dortmunderin Louisa Hamelbeck und ihr Freund Tobias Nickel vorhaben. Das Paar bricht in wenigen Monaten zu einer Weltreise auf zwei Rädern auf.

Doch wie kommt man überhaupt auf die Idee, mit eigener Muskelkraft auf dem Rad den Globus zu erkunden? „Das war ein langer Prozess“, erzählt Louisa Hamelbeck schmunzelnd.

„Wir hatten schon länger vor, mal wirklich lange zu reisen, aber dass wir das mit dem Fahrrad machen, ist erst nach und nach Anfang letzten Jahres entstanden.“

Paar lernt sich beim Studium in Dortmund kennen

Kennengelernt haben sich die 24-Jährige und ihr ein Jahr älterer Freund Tobias Nickel beim Studium in Dortmund. Die meiste Zeit leben die beiden mittlerweile in Salzburg (Österreich).



Von ihren Reise-Plänen berichtet Louisa Hamelbeck im elterlichen Garten in Brackel. Das Paar möchte „wirklich mal länger raus und nicht das Gefühl haben, in drei Wochen wieder arbeiten zu müssen“, ein Leben ohne Verpflichtungen genießen.

Ein weiterer Grund für das Fahrrad als Haupt-Transportmittel: Louisa Hamelbeck und Tobias Nickel wollen so umweltfreundlich wie möglich reisen. „Flugreisen hatten wir eh schon reduziert und Wandern ist uns zu langsam. Wir fahren sowieso gerne Rad, dann ist die Idee entstanden, auf dem Fahrrad zu reisen“, erklärt die 24-Jährige.

Aus Dortmund-Brackel in die Weiten der Welt: Luisa Hamelbeck und ihr Freund Tobias Nickel wollen bald den Globus bereisen.
Aus Dortmund-Brackel in die Weiten der Welt: Luisa Hamelbeck will mit ihrem Freund Tobias Nickel bald den Globus bereisen. © Hendrik Nachtigäller © Hendrik Nachtigäller

Riesige Vorerfahrung als Rad-Reisende hat das Paar nicht. Eine zwölftägige Tour durch Nordrhein-Westfalen Ende Mai, Anfang Juni vergangenen Jahres, einige kürzere Ausflüge – das war es bislang.

Jobs und Wohnungen sind bereits gekündigt

Was nicht heißt, dass die beiden Globetrotter in spe ihr Abenteuer unvorbereitet angehen. Im Gegenteil. Louisa Hamelbeck und Tobias Nickel haben Jobs und Wohnungen gekündigt und einen Großteil ihrer Besitztümer verkauft.

Investiert haben sie auch bereits: In zwei gebrauchte ältere Räder mit robusten Stahlrahmen, die mit ebenfalls älteren, aber gut selbst zu reparierenden Anbauteilen ausgestattet sind. Auch Werkzeuge und Ersatzteile, um die Reparaturen auch unterwegs selbst durchführen zu können, dürfen nicht fehlen.

Reiseräder wiegen vollgepackt etwa 50 Kilogramm

Zwei Packtaschen für vorne ans Rad, zwei für hinten, eine Lenkertasche, eine Packrolle, die auf dem Gepäckträger liegt – wenn die Räder vollgepackt sind, wiegen sie rund 50 Kilogramm. Jeweils. Sogar die Gitarren der beiden Musik-Liebhaber finden ihren Platz in besonderen Halterungen an den Hinterrädern.

Bei Steigungen wird das Fahren somit besonders anstrengend – die Reise soll aber auch kein Wettrennen werden. Mit ungefähr 50 bis 75 Kilometern pro Tag plant das Paar.

Der erste Teil der Reise führt das Paar nach Athen

Von Salzburg aus soll es dann zunächst über etwa 2300 Kilometer nach Athen gehen, wo Tobias Nickels Vater wohnt. Von dort aus will das Paar per Fähre nach Bari an der italienischen Ostküste übersetzen.

Wenn die Zeit reicht, wollen sie anschließend knapp 1900 Kilometer vom Beginn des Stiefelabsatzes in Italien bis nach Barcelona fahren. Dort haben sie Plätze auf einem Schiff gebucht, das sie nach Florida bringen soll.

Mit dem Schiff von Barcelona nach Florida übersetzen

„Wir haben ein bisschen gepokert, weil die USA wegen Corona aktuell noch keine Visa vergeben“, berichtet Louisa Hamelbeck. Sie rechnet damit, dass diese Einschränkung bald aufgehoben wird.

In drei Monaten soll es anschließend von Florida nach Kanada gehen. Mehr Zeit bleibt nicht, denn die USA stellen normale Touristenvisa nur für diesen Zeitraum aus.

Von Kanada aus will das Paar an der US-Westküste entlang gen Süden fahren, um dann weiter durch Mittel- und Südamerika zu fahren oder per Schiff nach Asien überzusetzen. So weit haben Louisa Hamelbeck und Tobias Nickel nicht genau vorausgeplant. Zu weit liegt dieser Punkt noch in der Zukunft, zu groß sind die Unwägbarkeiten, die bis dahin noch passieren können.

Auch wie lange sie unterwegs sein werden, ist noch nicht sicher. „Wir haben erstmal zwei Jahre angesetzt, sind aber auch offen für einen längeren Zeitraum“, sagt Louisa Hamelbeck.

Zwei Jahre für die Finanzierung der Reise gespart

Für die Finanzierung der Reise hat das Paar Geld beiseite gelegt. „Wir sparen schon seit 2 Jahren, weil uns lange klar war, dass wir reisen wollen“, sagt Louisa Hamelbeck. Mit 20 bis 30 Euro pro Tag kalkulieren die angehenden Fahrrad-Reisenden. „Wir rechnen damit, dass wir mit viel Wildcampen und wenig Essen gehen so über die Runden kommen.“

Übernachten will das Paar hauptsächlich im Zelt, möchte aber auch die App „Warmshowers“ nutzen, bei der Nutzer anderen Rad-Reisenden eine kostenlose Unterkunft anbieten und auch selbst welche nutzen können. Das spart Geld und erleichtert den Kontakt zu Gleichgesinnten in neuen Regionen.

Bei Bedarf mit Musik die Reise-Kasse auffüllen

Und wenn das Geld doch mal knapper werden sollte, hat das Paar ja noch seine Gitarren dabei. „Tobi ist sehr musikalisch. Er hat sich viele Instrumente selbst beigebracht und kann sehr schön singen. Musik spielt in seinem Leben schon immer eine sehr große Rolle“, berichtet Louisa Hamelbeck.

Bei ihr entwickele sich das gerade. „Ich lerne noch Gitarre spielen, fand aber die Idee cool, auch mal abends vor dem Zelt zu sitzen und zu spielen, oder auf der Straße Musik machen zu können“, sagt die 24-jährige Dortmunderin. „Vielleicht kann man sich so auch nochmal ein paar Euro dazuverdienen, wenn das Geld doch mal knapp wird.“

Reise-Beginn wegen Corona nach hinten verschoben

Eigentlich wollten Louisa Hamelbeck und Tobias Nickel zu diesem Zeitpunkt bereits unterwegs sein. „Wir wollten ursprünglich Anfang April losfahren, aber wegen Corona hat sich der Zeitpunkt für den Start unserer Reise nach hinten verschoben, da waren noch viele Unsicherheiten da“, erklärt die Dortmunderin.

„Wir haben lange überlegt, ob wir die Reise nochmal um ein Jahr verschieben, aber wir haben gesagt: Wir trauen uns.“

Nun hofft sie, noch geimpft zu werden ehe es losgeht. Tobias Nickel hat bereits die Erst-Impfung erhalten. Doch so viel Zeit hat die 24-Jährige vor Reisebeginn gar nicht mehr. Schon am 30. Juni soll es losgehen.

„Das ist der letzte Tag, an dem wir noch die Wohnung in Salzburg haben. Da machen wir die Wohnungsübergabe – dann haben wir ja keine Wohnung mehr, also müssen wir losfahren“, sagt sie gut gelaunt.

Wer Louisa Hamelbeck und Tobias Nickel auf ihrer Reise virtuell begleiten möchte, kann das auf der eigens eingerichteten Website www.chainsandchords.com, bei Instagram oder Youtube machen.

Über den Autor
Gebürtiger Dortmunder mit viel Liebe für den großen und kleinen Sport: Hauptsache, es rollt, tickt oder geht ordentlich vorwärts. Ob im Fernsehen, am Spielfeldrand oder selbst mit Ball und Rad unterwegs. Seit 2014 für Lensing Media im Einsatz, erst in Freier Mitarbeit, nun als Volontär.
Zur Autorenseite
Hendrik Nachtigäller

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.