Vor der mazedonisch-orthodoxen Kirche an der Husener Eichwaldstraße bildeten sich am Sonntag lange Schlangen. Die Orthodoxe Kirche feierte am Wochenende das Osterfest. © privat
Orthodoxes Osterfest

Trotz Corona: Lange Schlange vor mazedonisch-orthodoxer Kirche am Sonntag

Vor der mazedonisch-orthodoxen Kirche an der Husener Eichwaldstraße hat sich am späten Sonntagvormittag (2.5.) eine lange Schlange gebildet. Wie passt das zur Coronaschutzverordnung, fragen viele Husener.

Die Mazedonisch-Orthodoxe Gemeinde an der Husener Eichwaldstraße hat am Sonntag (2.5.) ihr traditionelles Osterfest gefeiert. Viele Menschen reisten auch aus weiter entfernteren Gegenden an, um daran teilzunehmen. Als Folge davon bildete sich auf dem Gehweg vor der Kirche eine lange Schlange mit teilweise mehreren hundert Menschen.

Das fiel einigen Husenern auf, die sich fragen: „Wie passt das zum Coronaschutz?“

Gemeinde versucht Situation unter Kontrolle zu halten

Der Husener Gerhard Stranz hat sich direkt an die Gemeinde gewandt. Er schreibt: „Ich finde es unverantwortlich, dass Sie Mitglieder Ihrer Gemeinde in einer so großen Anzahl zu einem Treffen eingeladen haben, sodass diese in einer langen Schlange vor Ihrer Kirche und an dem Gemeindehaus standen.“

Große Veranstaltungen in der mazedonisch-orthodoxen Kirche ziehen auch immer ein Parkplatzchaos an der Husener Eichwaldstraße nach sich
Große Veranstaltungen in der mazedonisch-orthodoxen Kirche ziehen auch immer ein Parkplatzchaos an der Husener Eichwaldstraße nach sich. © privat © privat

Auch die Polizei war am Sonntag mehrfach vor Ort, konnte laut Polizeisprecherin Amanda Nottenkemper aber keine Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung feststellen. Die Gemeinde selbst sei – auch durch die Anwesenheit von verschiedenen Sicherheitsleuten – sehr bemüht gewesen, die Situation unter Kontrolle zu behalten.

„Charakter einer Flucht durch die Kirche“

In diese Richtung geht auch ein Statement von Stevce Tasov, 2. Vorsitzender des Vereins „Makedonisch-Orthodoxe Kirche Sv. Kiril i Metodij“. Normalerweise, so erklärt er, findet die traditionelle Ostermesse in seiner Gemeinde um Mitternacht in der Nacht zum Sonntag statt. Das ging jedoch in diesem Jahr wegen der Ausgangssperre nicht. Also seien alle, die dieses Fest feiern wollten, eben am Sonntag gekommen.

Die Gemeinde habe dafür bewusst ein langes Zeitfenster zwischen 9 und 19 Uhr anberaumt, leider seien dann aber doch die meisten Besucher am späten Vormittag um 11.30 Uhr gekommen, sodass sich in dieser Zeit eben die lange Schlange gebildet habe. In der Kirche selbst gab es keine Ostermesse.

Veranstaltung war genehmigt

Es durften immer nur sieben Personen gleichzeitig eintreten, um vielleicht eine Kerze anzuzünden oder ein kurzes Gebet zu sprechen. „Das hatte mehr den Charakter einer Flucht durch die Kirche als alles andere“, sagt Tarov.

Aber weil die Gemeinde mit diesem Ansturm nicht gerechnet habe, habe sie sich dazu entschlossen, das Ganze gegen 14.30 Uhr abzubrechen und ihre Gemeindemitglieder über verschiedene Kanäle gebeten, nicht mehr anzureisen. Das habe auch gut funktioniert. Lediglich diejenigen, die zu diesem Zeitpunkt bereits vor Ort waren, durften noch kurz in die Kirche.

Stadtsprecher Maximilian Löchter erklärt für das Ordnungsamt: „Das orthodoxe Osterfest wurde am 25.04.2021 von der betroffenen Kirchengemeinde beim Ordnungsamt angezeigt. Eine Anzeige ist laut Coronaschutzverordnung ausreichend, eine Genehmigung ist gesetzlich nicht erforderlich.“

Ein Hinweis auf die zu erwartenden Besucherzahlen habe es nicht gegeben, lediglich einen Hinweis auf einen „größeren Besuch“ und eine Ausweitung der Zeiten von 10 bis 19 Uhr, in denen die Gläubigen die Kirche aufsuchen konnten.

Zum Hygienekonzept gehörte laut Maximilian Löchter:

  • Es sollte kein gemeinsamer Gottesdienst erfolgen, die Besucher zündeten lediglich Kerzen an und erbrachten Opfergaben an den Ikonen in der Kirche.
  • Der Einlass in die Kirche erfolgte durch den Haupteingang, der Auslass durch den südlichen Seiteneingang.
  • In dem Kirchengebäude, das ca. 100 Quadratmeter umfasst, durften sich zur selben Zeit nur zwei Familien je aus demselben Hausstand mit maximal 10 Personen aufhalten.
  • Die Besuchszeit im Kirchengebäude wurde auf maximal fünf Minuten pro Besucher reduziert.
  • Die Maßnahmen von Mindestabstand, Tragen von FFP2- beziehungsweise medizinischen Masken auf dem gesamten Grundstück und im Kirchengebäude selbst sowie das Eintragen der Daten auf den bereitgestellten Listen für die Nachverfolgbarkeit wurden durch Ordner beaufsichtigt.
  • Ausreichend Desinfektionsmittel wurde zur Verfügung gestellt.

In der Anzeige habe die Gemeinde auf die von ihr einzuhaltenden Hygieneregeln und die Besuchersteuerung hingewiesen. Eine Warteschlangenregelung im öffentlichen Raum sei nicht erfolgt, so Löchter weiter, das wäre in der Nachbetrachtung aber offenbar erforderlich gewesen.

Im Infektionsschutzgesetz seien bezüglich der Religionsausübung keine Regelungen getroffen.

Parkplatzchaos ist weiteres Problem

Ein weiteres Problem, das solche Feiern nach sich ziehen, ist das Parkplatzchaos an der Husener Eichwaldstraße. Stevce Tasov ist sich dessen bewusst. Seine Gemeinde sei bereits eine Kooperation mit dem SC Husen-Kurl eingegangen, sodass die Parkplätze am Sportplatz mitbenutzt werden können. Das bestreitet allerdings Timo Lammert vom SC Husen-Kurl: „Wir entscheiden ja nicht über die städtischen Parkplätze.“

Er wisse, so Tasov, dass die Situation für die Anwohner eine Belastung sei, bitte aber zugleich um Verständnis. Es gebe im Jahr lediglich drei Feiertage für die Gemeinde, die eine solche Verkehrssituation nach sich ziehen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter
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