Ruhig und idyllisch: Wer eine Pause von der Großstadt sucht, ist in Eving schnell in der Natur. © Patricia Böcking
Meinung

Studentenleben in Eving gibt es nicht? Gibt es doch! Erfahrungen einer Studentin

Kreuzviertel, Nordstadt oder doch Studentenwohnheim: Dorthin zieht man als Student in Dortmund. Eving gehört nicht unbedingt dazu. Unsere Autorin erzählt, warum es sich aber gerade hier als Student gut lebt.

„Warum wohnst du in Eving?“, ist die erste Reaktion meiner Kommilitonin, als ich ihr von meinem Wohnort erzähle. Die Frage erscheint mir seltsam. Warum sollte ich nicht in Eving wohnen?

Meine Kommilitonin bleibt nicht die einzige, die mir diese Frage stellt. Wem ich es auch erzähle: Als Studentin in Eving zu wohnen, trifft bei Einheimischen eher auf Unverständnis. Als unsere Fachschaft an meinem ersten Tag an der Uni die Dortmunder Stadtviertel vorstellt, erhoffe ich mir mehr Informationen über das Viertel, in das ich gerade erst gezogen bin. Aber nichts da: Eving kommt in der Präsentation nicht einmal vor.

„Na toll, da habe ich mir ja wohl ein besonders schönes Viertel ausgesucht“, denke ich ironisch. Als gebürtige Allgäuerin bin ich im vergangenen Oktober für mein Studium nach Dortmund gezogen – und habe mich quasi blind für einen Ort entschieden. Dass etwa das Kreuzviertel als Szeneviertel gilt, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Genauso wenig wusste ich, dass man anscheinend nicht in Eving wohnt – zumindest als Student.

Dass Eving ja gar kein schönes Viertel sein könne, fällt mir in den nächsten Wochen dann zunächst auch auf. Studenten gibt es hier nur wenige, das größte Highlight ist der Real, und zur Uni brauche ich dreißig Minuten. Meine Kommilitonen wohnen alle in Eichlinghofen, Dorstfeld oder Barop.

Wie geht es ab Oktober mit dem Real weiter? Diese Frage stellt sich derzeit ganz Eving
Wie geht es ab Oktober mit dem Real weiter? Diese Frage stellt sich derzeit ganz Eving. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Eving kostet mich nicht nur Miete, sondern auch einen Kaffee

Dass man nachts relativ schlecht wieder zurück nach Eving kommt, erfahre ich gleich in meiner ersten Woche. Als ich meine Kommilitonin in Dorstfeld besuche und der Abend etwas länger wird, merke ich zu spät, dass die Bahn nur bis Mitternacht fährt.

Meine Kommilitonin fährt mich schließlich nach Hause. Ich habe ein schlechtes Gewissen und gebe ihr am nächsten Tag einen Kaffee als Entschädigung aus. Na toll, denke ich, jetzt hat mich Eving auch noch einen Kaffee gekostet.

Meine Wohnung ist zwar toll und mit meinen Mitbewohnerinnen verstehe ich mich super. Ob ich hier bis zum Rest meines Studiums bleiben will, weiß ich zunächst aber trotzdem nicht: Es ist eben Eving. Meine Kommilitonin findet meinen Mietpreis sowieso zu hoch „für eine Altbauwohnung in Eving“, wie sie betont.

Wohnen in Eving: Nicht trotzdem, sondern deshalb!

Es ist eben Eving. Ja. Inzwischen wohne ich aber seit mehr als sechs Monaten hier und kann sagen: Genau deshalb möchte ich hier wohnen bleiben. Denn nirgendwo sonst kann ich Großstadtgetümmel und Landidylle auf einmal erleben: In nur fünfzehn Minuten bin ich mit dem Rad an meinem ganz persönlichen Lieblingsort am Kanal.

Bis zum nächsten Naturschutzgebiet, dem Grävingholzer Wald, sind es sogar nur fünf Gehminuten, und dahinter erwarten mich weite Felder und ein Reiterhof. Wenn ich dann mal Lust auf das Treiben der Stadt habe, dann bin ich in nur zehn Minuten mit der Bahn in der Innenstadt.

Und auch in Eving selbst lebt es sich angenehm: Meine Wohngegend ist relativ ruhig, die Stadtbahn-Station direkt vor der Haustür und die Einkaufsmöglichkeiten um die Ecke. Eine bessere Lage kann ich mir also gar nicht vorstellen.

Komische Kommentare muss ich aber wohl weiterhin verkraften. Als meine Kommilitonin ihren Eltern erzählt, dass ich in Eving wohne, fügt sie extra hinzu: „Sie will da auch wohnen bleiben.“ Als wäre das etwas ganz besonderes.

Und ja, ich möchte in Eving wohnen bleiben. Auch meine Freunde sind mittlerweile alle Richtung Nordstadt und damit weiter in meine Nähe gezogen. Und: Wenn ich schnell umsteige, schaffe ich es sogar in 20 Minuten zur Uni.

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