In der Dortmunder Großwohnsiedlung haben viele Mieter Zahlungsaufforderungen wegen vermeintlich ausstehender Mieten erhalten. Die Mieter sind sich aber keiner Schuld bewusst und wollen rechtzeitig gezahlt haben - sie sehen die Probleme bei der Hausverwaltungs-Firma. © Andreas Schröter (A)
Nach Verwalter-Wechsel

Streit um angeblich nicht bezahlte Mieten in Dortmunder Großsiedlung

Ärger und Verwirrung bei Mietern einer Großwohnsiedlung in Dortmund-Lanstrop: Die Hausverwaltung fordert sie auf, ihre Mieten zu zahlen - obwohl sie bereits überwiesen haben wollen.

Eine Zahlungsaufforderung über eine drei- oder gar vierstellige Euro-Summe aus heiterem Himmel – das dürfte nicht nur bei den Mietern der Großwohnsiedlung in Lanstrop für Ungemach sorgen. Zumal die Mieter behaupten, ihre Mieten bezahlt zu haben. Doch die Hausverwaltung, die die Zahlungsaufforderungen verschickt hat, ist sich keiner Schuld bewusst.

Ein Eintrag in einer Lanstroper Facebook-Gruppe stößt auf rege Rückmeldung. Eine Mieterin der dortigen Großwohnsiedlung berichtet dort, eine Zahlungsaufforderung über zwei angeblich nicht gezahlte Monatsmieten von der Hausverwaltungsfirma WVB Centuria bekommen zu haben, obwohl sie den Betrag bezahlt habe. Ihre Nachbarin habe einen ähnlichen Brief erhalten.

Mehr als zehn weitere Mieter melden sich mit ähnlichem Problem

Binnen 24 Stunden meldeten sich mehr als zehn weitere Mieter der Großwohnsiedlung, die vor kurzem ebenfalls entsprechende Aufforderungen in ihren Briefkästen liegen hatten. Mieter, die ebenfalls bereits bezahlt haben wollen – aber dennoch dazu aufgefordert werden, drei- bis vierstellige Beträge nachzuzahlen. Der Ärger der Diskutierenden ist groß.

Auch Christian Clobes, der Vorsitzende des Mieterbeirats der Großwohnsiedlung mit über 1100 Wohnungen, hat eine solche Zahlungsaufforderung erhalten. Bei seiner Partnerin und ihm ging es um die Garagenmieten.

„Wir haben zwei Briefe bekommen, wohl weil wir auch zwei Garagen haben. Bei unserem Fall ist das so, dass wir das Geld auf ein Konto mit einer Iban-Nummer, die wir vorab bekommen haben, überwiesen haben“, berichtet er. „Aber das hat die gleiche Nummer wie die vom Mieterkonto.“

Mieten für die Garagen extra gekennzeichnet

Deshalb seien auch alle Zahlungen auf dem Konto für die Wohnungsmiete gelandet. Die Mieten für die Garagen haben seine Partnerin und er aber noch einmal extra gekennzeichnet, erzählt er.

„Bei der Zahlungsaufforderung ist uns dann unterstellt worden, wir hätten seit Februar keine Garagenmiete gezahlt“, berichtet Christian Clobes. Deshalb hätten seine Partnerin und er für die eine Garage 120 Euro, für die andere 102,24 Euro nachzahlen sollen.

Als Vorsitzender des Mieterbeirats weiß Christian Clobes von weiteren Fällen. Eine Frau solle rund 1200 Euro an Forderungen für Wohnungsmiete nachzahlen, bei einer anderen geht es wie bei ihm um die Garagenmiete. Alle behaupten, bereits gezahlt zu haben.

Wechsel zu einer neuen Hausverwaltungs-Firma

Christian Clobes glaubt, dass dieses Chaos seinen Ursprung im Wechsel der Verwalterfirmen zu Jahresbeginn hat. WVB Centuria ist ein Teil des Firmengeflechts des Finanzinvestors Forte Capital, dem die Großsiedlung in Lanstrop gehört. „Wir hatten schon im Dezember ein Schreiben erhalten, dass WVB die Verwaltung ab Januar übernimmt“, berichtet Clobes.

Erst im Januar erhielten dann aber alle Mieter der Großwohnsiedlung auch die neuen Konto-Daten für Miet-Zahlungen. Zuvor hatten einige aber bereits die Januar-Forderungen auf die alten Konten überwiesen – die noch von Paul Immobilien verwaltet wurden.

„Wir brauchen nicht darüber zu diskutieren, dass aller Anfang schwer ist, wenn man wechselt“, sagt Christian Clobes, „aber wir haben schon im Dezember Bescheid bekommen, dass im Januar der Wechsel ansteht. Von der Zeit her hätte das locker klappen müssen, aber das gestaltet sich wohl alles sehr, sehr schwierig.“

Hausverwaltungs-Firma will alle Mieter rechtzeitig informiert haben

Patrick de Lasalle von der Bereichsleitung der Verwalterfirma WVB Centuria stellt die Situation anders dar. „Alle Mieter in Dortmund-Lanstrop wurden im Januar per Postbrief angeschrieben und über die neue Verwaltung sowie die neue Kontoverbindung informiert. Ferner wurden Mieter, welche weiterhin die alten Bankverbindungen nutzten, im April darauf hingewiesen, dass es eine neue Kontoverbindung zur Zahlung der Mieten gibt“, schreibt er auf Anfrage.

Erfahrungsgemäß gelinge es nicht allen Mietern, die neue Bankverbindung sofort umzustellen. „Daher erhalten alle Mieter eine Mahnsperre, um ihnen Gelegenheit zu geben, entsprechende Daueraufträge und Überweisungsvorlagen anzupassen“, teilt de Lasalle weiter mit.

„Innerhalb dieses Zeitraumes erhalten die Mieter keine Mahnung von uns und Zahlungen auf die alte Kontoverbindung werden von uns auf die neuen Kontoverbindungen umgebucht.“ Diese Leistung stelle eine kostenlose Serviceleistung für die Mieter dar.

System erstellt Mahnliste bei fehlendem Zahlungseingang auf richtigem Konto

Zu Zahlungsaufforderungen allgemein teilt de Lasalle mit: „Überweist der Mieter die korrekte Miete auf das ihm zugewiesene Konto, verrechnet unsere Software somit automatisch den Eingang. Wird die Miete zu gering, gar nicht, oder auf ein falsches Konto überwiesen, wird der Mieter anhand einer vom System erstellten Mahnliste an die Zahlung auf das richtige Konto erinnert.“

Christian Clobes hat sein Problem mittlerweile lösen können. Über einen Anruf bei der Rechnungsstelle der Verwalterfirma fand er heraus, dass für die Garagen von seiner Partnerin und ihm andere Konten mit anderen Iban-Nummern vergeben wurden, auf die sie nun künftig die Garagenmiete einzahlen sollen.

Die 120 Euro beziehungsweise 102,24 Euro an vermeintlich ausstehenden Forderungen für die Garagen müssen sie nun nicht begleichen – schließlich haben seine Partnerin und er bereits gezahlt, nur mangels rechtzeitiger und richtiger Information auf das falsche Konto.

Christian Clobes hat aufgepasst und ist der Zahlungsaufforderung nicht direkt nachgekommen. Andere haben gleich gezahlt – und versuchen nun, ihre Ansprüche durchzusetzen. Der Ausgang: ungewiss.

Über den Autor
Gebürtiger Dortmunder mit viel Liebe für den großen und kleinen Sport: Hauptsache, es rollt, tickt oder geht ordentlich vorwärts. Ob im Fernsehen, am Spielfeldrand oder selbst mit Ball und Rad unterwegs. Seit 2014 für Lensing Media im Einsatz, erst in Freier Mitarbeit, nun als Volontär.
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Hendrik Nachtigäller

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