Claudia Rehm sitzt bei einer Kanne Tee in ihrem mit warmen Farben, gemütlichen Sesseln und schönen Bildern ausgestatteten Seelengarten. © Andreas Schröter
Psychologische Beratung

„Seelengarten“ in Dortmund: Unkraut in der Psyche jäten

Warum kümmern wir uns um Hygiene und gesunde Ernährung, nicht aber um unsere Psyche? Diese Frage stellt Claudia Rehm aus Wickede - und hat einen „Seelengarten“ eröffnet.

Als der Allgemeinmediziner Dr. Winfried Overbeck seine Praxis in Wickede schloss und in Rente ging, stellte sich für seine bisherige Angestellte Claudia Rehm (58) die Frage, wie es mit ihr beruflich weitergehen soll.

Sie hat eine Ausbildung als psychologische Beraterin und Entspannungscoach gemacht. „Ich habe dann einfach einen langjährigen Traum wahrgemacht und meinen Seelengarten eröffnet“, sagt sie.

Ein Seelengarten sei etwas, bei dem die Psyche – die Seele des Menschen – gepflegt werde. „Wir tun so viel für Hygiene oder gesunde Ernährung, nur dafür tun wir nichts.“ Es sei doch vielleicht an der Zeit, um im Bild des Gartens zu bleiben, dort ein bisschen Unkraut zu jäten und vielleicht sogar etwas Neues zu pflanzen.

Ein Ausschnitt aus der Website des Seelengartens von Claudia Rehm. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Schließlich sei der Stress heute ungleich höher als zu früheren Zeiten – vermutlich wegen der gestiegenen Anforderungen im Job. Sie wisse zum Beispiel, wie es im Krankenhaus gerade jetzt während der Corona-Pandemie zugehe.

Kein Außenstehender könne sich vorstellen, unter welchem Stress das Personal dort stehe. Eltern von kleinen Kindern, die im Homeoffice arbeiten müssen, seien ein zweites Beispiel für ihren Kundenkreis.

Autogenes Training oder eine Fantasiereise

In einer solchen Situation könne sie helfen. Dabei sei jedoch jeder Mensch anders und reagiere auch unterschiedlich auf die verschiedenen Möglichkeiten, die es zur Entspannung gibt.

Das könne Autogenes Training sein oder auch Progressive Muskelentspannung (PMR). Vielen ihrer Kunden helfe auch eine Fantasiereise zu einem Lieblingsort, um einen Zugang zu ihrem Unterbewusstsein zu bekommen. All das diene dazu, die Resilienzkräfte, also die Widerstandskräfte auch gegen psychische Anfeindungen, zu stärken.

Noch in den Kinderschuhen

Claudia Rehm gibt zu, dass ihre Praxis, die seit Anfang Juli existiert, bisher noch wenig bekannt ist und noch in den Kinderschuhen steckt. Der Kundenkreis ist überschaubar. Sie konnte dieses Wagnis nur eingehen, weil die Praxis-Miete im Haus an der Langschedestraße 53, in dem sie auch wohnt, tragbar ist und ihr Mann zur Not genügend Geld für zwei verdient.

„Ich hatte Glück: Meine Nichte hat mir die Homepage gebaut, eine befreundete Grafikdesignerin einen kostenlosen Flyer entworfen.“ Den hat Claudia Rehm in Arztpraxen verteilt.

Und doch: Sie wolle damit auch anderen Menschen in ihrem Alter Mut machen, doch einfach mal etwas Neues auszuprobieren und „seine Träume wahr werden zu lassen“.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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