Matthias Hüppe (l.) leistet derzeit 1000 Sozialstunden in der Schulbücherei der Brukterer-Grundschule in Lanstrop ab. OGS-Leiterin Maria Nienhaus und Schulleiterin Michaele Krafft (hinten v.l.) freut's genauso wie die Schüler. © Andreas Schröter
Brukterer-Grundschule

Rente mit 59: Dortmunder macht außergewöhnlichen Deal

Ein Dortmunder will 1000 Sozialstunden ableisten, um bereits mit 59 in Rente gehen zu können. Von dem Deal profitiert er nicht nur selbst, sondern auch die Kinder einer Dortmunder Schule.

Wenn der Lanstroper Matthias Hüppe irgendwo erzählt, dass er 1000 Sozialstunden im Offenen Ganztag (OGS) der Brukterer-Grundschule ableisten muss, wird er sofort entsetzt gefragt, was er denn wohl ausgefressen hat.

Nichts hat er ausgefressen. Aber er hat sich als ehemaliger Beamter bei der Deutschen Telekom darauf eingelassen, bereits mit 59 in den Ruhestand zu gehen, wenn er im Gegenzug besagten ehrenamtlichen Dienst leistet. Hüppe erhält dafür eine Rente in der Höhe, die er auch mit einem Renteneintrittsalter von 63 bekommen hätte.

Matthias Hüppe kümmert sich um die Bücherei in der Brukterer-Grundschule. Über weitere Buchspenden freut er sich
Matthias Hüppe kümmert sich um die Bücherei in der Brukterer-Grundschule. Über weitere Buchspenden freut er sich. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Die Idee, diesen Sozialdienst in der Brukterer-Grundschule abzuleisten, kam am Silvesterabend 2019 in einem Gespräch mit OGS-Leiterin Maria Nienhaus auf. Die beiden wurden sich einig, und Matthias Hüppe übernahm Mitte Mai 2020 die Betreuung der schuleigenen Bibliothek.

Täglich ab 14 Uhr ist Hüppe für drei Stunden vor Ort und kümmert sich um alle Belange, die mit der Einrichtung zu tun haben. Ein Drittel seiner Sozialstunden hat er bereits abgeleistet, aber schon jetzt ist er sicher: „Das macht mir so viel Spaß. Wenn die 1000 voll sind, mach ich einfach weiter.“

„Bibliothek ist in einem viel besseren Zustand als vorher“

Und Maria Nienhaus hat genau so wenig etwas dagegen wie die Schulleiterin der Brukterer-Grundschule, Michaela Krafft. Alle Beteiligten seien sich darüber einig, dass die Bibliothek heute in einem viel besseren Zustand ist als noch vor einem Jahr.

Hüppe hat den Bestand sortiert und digitalisiert und kann nun sofort sagen, ob ein Buch ausgeliehen ist oder nicht. Auch die Stichwortsuche zum Beispiel nach Begriffen wie „Liebe“ oder „Pferde“ funktioniert. Immer wieder ergehe von den Lehrern der Rat an die Schüler, wenn es um eine Frage rund um das Lesen geht: „Frag doch mal Herrn Hüppe. Der weiß bestimmt Rat.“

Wichtig sei ihm, die Bücher auch selbst zu kennen, sagt Hüppe. Deswegen lese er derzeit vor allem Kinderbücher und mache sich auf einschlägigen Internetportalen wie www.stiftunglesen.de schlau.

Renner wie „Nee, Tomaten ess ich nicht“ von Lauren Child oder das „Handbuch für Superhelden“ von Elias und Agnes Våhlund stehen momentan bei jungen Lesern auch deshalb hoch im Kurs, weil sie eine gelungene Mischung aus Text und Bildern bieten. Aus ihnen liest Hüppe nachmittags selbst vor, und viele, die das OGS-Angebot der Schule nutzen, hören gerne zu.

Hüppe will demnächst einen Antrag an die Bezirksvertretung Scharnhorst mit der Bitte um finanzielle Hilfe zum Kauf weiterer Bücher stellen. Die Bücherei nimmt auch gerne Buchspenden an. Die Bücher sollten gut erhalten, für Grundschüler geeignet und nach Möglichkeit in den aktuellen Rechtschreibregelungen geschrieben sein. Kontakt per E-Mail: Matthias.Hueppe@t-online.de.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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