Der Real-Markt in Eving schließt - das bedauert unter anderem Klaus Sichelschmidt von den Grünen. © Archiv
Reaktionen zum Aus

Real-Markt in Dortmund schließt: „Sehe ein bisschen schwarz für Eving“

Für große Aufregung hat in Dortmund die Nachricht gesorgt, dass der Real-Markt in Eving noch 2021 seinen Verkauf einstellt. Für viele ist das eine „Katastrophe“ – manchen aber auch „egal“.

Von Gleichgültigkeit bis Betroffenheit reichen in Eving die Reaktionen auf die Nachricht, dass der Real-Markt an der Evinger Straße am 30. September schließt. Wie berichtet, hatte die Warenhaus-Kette am Mittwoch (27.1.) mitgeteilt, dass die Filiale in Eving nicht weitergeführt wird. Im Sommer 2020 hatte das deutsch-russische Konsortium SCP-Group die „real gmbh“ übernommen.

Kundin Katrin Schulz aus Brechten sagt, sie komme gerne nach Eving, weil man da vieles an einem Ort geboten bekomme: die große Auswahl im Real – auch an Elektroartikeln -, genauso gebe es aber eine Apotheke, einen Schuhmacher mit Schlüsseldienst, einen Bäcker und noch einiges mehr.

Weil sie am Tag zuvor einen „nachrichtenfreien Tag“ eingelegt habe, habe sie noch nichts von der Schließung gehört. Sie hoffe auf einen Nachfolger mit ähnlichem Sortiment.

Kunde wünscht sich Edeka als Nachfolger

Auf einen großen Supermarkt als Nachfolger hofft dagegen ein anderer Kunde der namentlich nicht genannt werden möchte. Er sei vor allem an frischem Fleisch interessiert. Und das gebe es im Real leider nicht. Auch sonst sei er mit den angebotenen Waren dort nicht zufrieden.

Einmal habe er sich eine Packung Mon Chérie gekauft, die völlig ungenießbar gewesen sei. Offenbar habe sie zuvor irgendwo an der Heizung gelegen. Ein Nachfolger wie Edeka wäre aus seiner Sicht die beste Lösung.

Der eigentliche Real-Markt befindet sich im Real-Gebäude in der Evinger Mitte in ersten Obergeschoss, das man über ein elektrisches Laufband erreicht
Der eigentliche Real-Markt befindet sich im Real-Gebäude in der Evinger Mitte im ersten Obergeschoss, das man über ein elektrisches Laufband erreicht. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

„Mir ist das egal“, sagt ein anderer Kunde im Vorbeigehen, „Ich bin eh nur ganz selten hier.“

Als „Katastrophe“ bezeichneten dagegen Hakki Bayat, der einen Döner-Imbiss im Gebäude hat, und Reinigungs-Chefin Gülden Öztürk die Schließung. Letztere (50) sagt, sie betreibe die Reinigung im Erdgeschoss des Real-Gebäudes seit vier Jahren und habe in dieser Zeit bereits 35.000 Euro in neue Maschinen gesteckt.

Reinigungs-Betreiberin Gülden Öztürk bezeichnet die Real-Schließung als Katastrophe - auch dann, wenn sie ihren Laden weiterbetreiben darf.
Reinigungs-Betreiberin Gülden Öztürk bezeichnet die Real-Schließung als Katastrophe – auch dann, wenn sie ihren Laden weiterbetreiben darf. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Und wegen der Corona-Krise habe eine Reinigung doch ohnehin viel weniger Kunden: „Wer nur noch im Homeoffice sitzt, braucht nicht mehr jeden Tag ein frisches Hemd fürs Büro.“

Sie wisse nicht, ob sie nach der Real-Schließung ihren Laden weiterführen könne, aber selbst wenn: Dann fehle es doch an der Laufkundschaft, die ins Evinger Zentrum komme.

Döner-Imbiss-Betreiber: „Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen“

Die ganze Nacht nicht geschlafen hat der Döner-Imbiss-Betreiber Hakki Bayat (37): Er muss seinen Laden zum 30. September definitiv räumen, weil er einen Vertrag direkt mit Real hat.

Er hat den Imbiss 2012 übernommen, nachdem er zuvor dort bereits sechs Jahre als Angestellter gearbeitet hatte: „Und jetzt das nach all den Jahren“, sagt er betroffen. Er habe erst vor eineinhalb Jahren eine Wohnung gekauft und wisse nun nicht, wie es finanziell für ihn weitergehen solle. Auch sein Betrieb habe wegen der Corona-Krise zuletzt viel weniger Umsatz gehabt als zuvor.

Im Erdgeschoss befinden sich viele kleinere Geschäfte, von denen in Corona-Zeiten viele geschlossen sind. Das Kundenaufkommen hält sich entsprechend in Grenzen
Im Erdgeschoss befinden sich viele kleinere Geschäfte, von denen in Corona-Zeiten viele geschlossen sind. Das Kundenaufkommen hält sich entsprechend in Grenzen. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

„Scheiße“ findet Bezirksbürgermeister Oliver Stens (SPD) die Schließungspläne, „und das dürfen Sie ruhig schreiben.“ Diese Nachricht sei ein ganz herber Schlag ins Kontor fürs Evinger Zentrum, denn genau das sei die Evinger Mitte mittlerweile geworden.

Besonders leid tue es ihm für die 65 Mitarbeiter, von denen er wisse, dass sie einen hervorragenden Job machen und ein gutes Team seien. Auch für die umliegenden Einrichtungen – wie auch den Evinger Wochenmarkt – habe die Real-Filiale eine wichtige Funktion als Kundenmagnet.

Die Politik habe bei solchen Vorgängen natürlich nur eine begrenzte Einflussmöglichkeit. Aber er werde gemeinsam mit den anderen Fraktionen versuchen, zu einer guten Lösung beizutragen.

Bezirksbürgermeister Stens: „Eving könnte zum abgehängten Stadtbezirk werden“

Er habe ja neulich bereits gesagt, dass er fürchte, Eving könnte zu einem abgehängten Stadtbezirk werden. Damals ging es um die hohe Verkehrsbelastung der Evinger Straße – auch mit Schwerlastverkehr. Diese Befürchtung verstärke sich nun.

So sieht der Kassenbereich des Real-Marktes im Evinger zentrum aus
So sieht der Kassenbereich des Real-Marktes im Evinger zentrum aus. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Einen anderen Aspekt bringt die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Petra Frommeyer (CDU) ins Spiel: Fällt der Real-Markt weg, gibt es zum Beispiel für die Bewohner der Bergstraße, wozu auch viele Ältere gehören, keine fußläufige Möglichkeit mehr, Lebensmittel zu kaufen. Es gebe zwar eine Norma-Filiale in Lindenhorst und drei Supermärkte in Obereving, aber sie alle sind weiter weg.

Sie bezweifelt, dass die kleinen Shop-in-Shop-Läden, die sich im Erdgeschoss befinden, eine Überlebenschance haben, falls sie nach der Real-Schließung denn bleiben dürfen: „Dort fährt doch niemand hin, nur um mal eben beim Bäcker ein Brot zu kaufen“, sagt sie. Da müsse jetzt schnell etwas passieren, um einen Leerstand zu vermeiden.

Grünen-Chef: „Ich sehe ein bisschen schwarz für Eving“

„Traurig“ und „gruselig“ findet Grünen-Sprecher Klaus Sichelschmidt diese Entwicklung. Er hoffe, dass vielleicht eine andere Warenhauskette wie Kaufland die Räume übernimmt, damit für Eving ein ähnlich vielschichtiges Warenangebot wie bisher erhalten bleibe. Andernfalls sehe er „ein bisschen schwarz“. Eving könne sich sonst ganz schnell zu einem „toten Stadtteil“ entwickeln.

Einig sind sich alle Befragten, dass man vielleicht schon lange das etwas in die Jahre gekommene Gebäude hätte renovieren müssen, um die Attraktivität für die Kunden zu erhalten beziehungsweise zu steigern. „Aber solche Überlegungen bringen nun nichts mehr“, so Oliver Stens.

Wir haben auch die Filial-Leitung des Evinger Real-Marktes um eine Stellungnahme gebeten, sind dort aber an die übergeordnete Real-Pressestelle in Düsseldorf verwiesen worden. Auch hat man uns nicht erlaubt, im Markt Mitarbeiter anzusprechen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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