Birgit Schulzki und Doris Lisler hatten nur Ärger mit dem neuen Briefkasten an der Geßlerstraße. © Lydia Heuser
Panne

Post stellt neuen Briefkasten auf, leert ihn aber nicht – Kundin „psychisch fertig“

Ein brandneuer Briefkasten wurde über Wochen nicht geleert. Eine Nutzerin bemerkte das erst, als niemand auf ihre Mitteilung über ein tragisches Lebensereignis reagierte.

Doris Lisler (77) ist mit den Nerven fertig. Und sauer. Der Grund ist eine Panne mit einem neuen Briefkasten unweit ihres Wohnhauses am Rande von Wambel.

Hätte die 77-Jährige vorher geahnt, welchen Ärger ihr der gelbe Kasten bescheren würde, sie hätte wohl nie ihre Post dort eingeworfen. „Ich bin psychisch fertig“, erzählt sie im Gespräch.

35 Trauerkarten und keine Reaktion

Was ist passiert? Vor ein paar Wochen sei der neue Briefkasten aufgestellt worden. Praktisch eigentlich; jahrelang sei dort ein Briefkasten gewesen, irgendwann war der abgebaut worden. Jetzt gab es also wieder einen: groß, gelb und brandneu.

Dass der Briefkasten Lisler noch Ärger bereiten würde, ahnte sie nicht, als sie am 23. Dezember 35 Trauerkarten einwarf. Ihr Mann war tags zuvor verstorben und sie wollte ihre Freunde und die Familie informieren und ihnen den Beerdigungstermin mitteilen.

Doch die Witwe bekam keine Anrufe, keine Reaktion auf ihren Verlust. „Am 24.12. hätte der Kasten geleert werden müssen“, so die 77-Jährige. Die Karten hätten also noch rechtzeitig zugestellt werden können, die Beisetzung war für den 30.12. angesetzt.

Doris Lisler und ihre Tochter Birgit Schulzki sind sich sicher, dass Gäste nicht gekommen sind, weil sie schlicht und einfach nicht rechtzeitig über den Trauerfall und den Termin informiert wurden.

Witwe muss mehrfach telefonisch über Verlust sprechen

Stattdessen telefonierte Doris Lisler herum, als sie keine Reaktionen bekam. Sie erzählte jedes Mal aufs Neue von der traurigen Nachricht. Der 77-Jährigen fiel (und fällt) es merklich schwer, über den Verlust zu sprechen. Deshalb nahm ihre Tochter Birgit Schulzki ein paar Anrufe ab.

„Das glaubt einem ja auch keiner, dass der Briefkasten nicht geleert wurde und wir sehr wohl Trauerkarten verschickt haben“, meint Birgit Schulzki, die sich ebenfalls über die Post ärgert.

Acht Werktage unterwegs: Trauerkarten kamen erst nach Beerdigung an

Von einigen Empfängern haben Mutter und Tochter mittlerweile erfahren, dass die Trauerkarten am 4. Januar angekommen sind – also acht Werktage, nachdem sie in den Briefkasten geworfen wurden.

Auf der Suche nach den Briefen: Post ist keine Hilfe

Am 28. Dezember machte sich Birgit Schulzki auf die Suche nach den verlorenen Briefen. „Ich habe erstmal gar keinen Ansprechpartner bei der Post gefunden. Das ist einfach blöd. Es gab nur die Servicerufnummer, die werktags erreichbar ist.“

Dort erklärte man ihr, dass sie nach sieben Werktagen einen Nachforschungsantrag stellen könnte. Dass die Post vermutlich noch im Briefkasten liege, sei ja nur eine Annahme, sagte man ihr. „Wie soll ich das denn beweisen?“, fragt sich Birgit Schulzki. Sie könne ja schlecht jeden Tag den Briefkasten zu den Leerungszeiten täglich im Auge behalten. „Oder hätte ich warten sollen, bis die Briefe aus dem Schlitz quellen?“

Das sagt die Post

Auf Anfrage der Redaktion räumt die Pressestelle der Deutschen Post eine „Kommunikationspanne“ ein. Das Aufbauteam stellte den Briefkasten Anfang Dezember auf, dann hätte die Niederlassung ihn eigentlich in die tägliche Leerungstour aufnehmen müssen – das passierte aber nicht. „Erstmalig wurde der Briefkasten am 2.1. geleert“, räumt Pressesprecher Rainer Ernzer ein.

„Das ist ganz unglücklich gelaufen und man kann sich nur mehrmals dafür entschuldigen.“

Auch der „Kollegen am Kundentelefon“ habe „leider nicht richtig reagiert. Wenn es so gelaufen ist, müssen wir uns auch dafür entschuldigen. Die Kundin hat alles richtig gemacht. Die richtige Reaktion wäre gewesen, den Fall aufzunehmen und an das Qualitätsmanagement weiterzugeben, ohne die Schilderung in Zweifel zu ziehen.“

Wichtige Unterlagen an die Pflegekasse schon mehrere Wochen unterwegs

Erst später kam Doris Lisler in den Sinn, dass sie den Briefkasten das erste Mal am 8. Dezember benutzt hatte. Wichtige Unterlagen an die Krankenkasse schickte sie damals weg. „Eigentlich reagiert die Kasse immer nach einer Woche, aber dieses Mal passierte gar nichts“, erinnert sich die 77-Jährige.

Sechs Tage in der Woche soll der neue Briefkasten geleert werden.
Sechs Tage in der Woche soll der neue Briefkasten geleert werden. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Im neuen Jahr – nach Weihnachten, Beerdigung, Geburtstag und Silvester – hakte sie bei der Krankenkasse nach. Angekommen sei noch nichts, sagte man ihr. Es könne aber sein, dass die Unterlagen im Haus, aber noch nicht ins System eingespeist seien.

Falls der Brief, wie auch die Trauerkarten, am 4. Januar zugestellt wurden, müssten die Unterlagen bald bearbeitet werden. Einen Monat hätten die Unterlagen dann gebraucht, um vom Briefkasten zur Krankenkasse zu kommen.

Die Konsequenz? Doris Lisler warnt vor dem Briefkasten

Doris Lisler hat für sich Konsequenzen aus der bitteren Erfahrung gezogen: „Ich werde den Briefkasten nicht mehr benutzen.“ Pressesprecher Rainer Ernzer kann aber Entwarnung geben: „Der Briefkasten ist jetzt in unserem System und wird regelmäßig geleert. Unregelmäßigkeiten würden wir sofort sehen und könnten reagieren.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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