Sandra Sternke-Menne ist Pfarrerin der evangelischen Kirche in Brackel. Sie erlebt ganz unterschiedliche Reaktionen bei Paaren, die ihre Hochzeit wegen Corona verschieben. © Lydia Heuser
Hochzeit und Corona

Paare verschieben kirchliche Trauungen wegen Corona teilweise auf 2023

Die große Traumhochzeit sagen viele Paare notgedrungen wegen Corona ab. Kirchliche Trauungen finden kaum noch statt. Eine Dortmunder Pfarrerin erzählt, wie die Pandemie das Heiraten beeinflusst.

Viele Paare haben ihre für 2020 geplante Traumhochzeit schon mehrmals wegen Corona verschieben müssen. Wenngleich die Trauung selbst grundsätzlich möglich ist, verzichten viele Dortmunder Paare dennoch auf das Ja-Wort.

Große Feiern sind nicht möglich

So war es auch bei der Scharnhorsterin Stefanie Focht. Im Juli vergangenen Jahres wollte sie ihren Mann in ihrer Taufkirche in Kirchderne vor 150 Gästen heiraten. Eine große Feier wäre aber nicht erlaubt gewesen. Deshalb verschob das Paar die Traumhochzeit bisher drei Mal.

Pfarrerin Sandra Sternke-Menne erzählt, dass in ihrer evangelischen Kirchengemeinde in Brackel im vergangenen Jahr nur vier Ehen geschlossen wurden. Zwölf Paaren haben ihre Hochzeit verschoben; manche auf 2021, andere gar auf 2022 oder 2023.

Die Verwaltung der katholischen Kirche Dortmund Nordost erklärt auf Anfrage, dass man keine ganz genauen Zahlen liefern könne. Nur so viel: Im vergangenen Jahr waren etwa zwölf Hochzeiten geplant, aber nur zwei fanden tatsächlich statt.

Ein Paar habe die Hochzeit sogar auf September vorverlegt, weil die Sorge bestand, dass im Oktober wieder ein Lockdown hätte drohen können.

Die kirchliche Trauung ist nicht das Problem

Manche Paare hätten die Hochzeit aber auch ganz abgesagt, das berichten die angefragten Kirchen, die geantwortet haben. „Sie überlegen, ob sie jetzt erst mal mit der Familienplanung starten und eventuell später Trauung und Taufe zusammen feiern“, sagt Pfarrerin Sternke-Menne.

Die Stimmung bei den Paaren sei gemischt. „Manche nehmen es gelassen, manche legen Galgenhumor an den Tag. Es ist eigentlich alles dabei. Viele sind auch einfach nur traurig.“

Stephanie Diekmann, Verwaltungsleiterin der Dortmunder Kirche Nordost, schreibt, dass viele Paare auch einfach ratlos seien. Paare wollten im Frühjahr 2020 wissen, ob sie im Spätsommer wohl kirchlich heiraten könnten. Verbindliche Aussagen konnte die Kirche jedoch nicht treffen; die Enttäuschung darüber sei „oft groß“ gewesen.

Pfarrer Friedrich Reiffen schreibt auf Anfrage der Redaktion, dass in der Segenskirchengemeinde Eving drei Trauungen ausgefallen seien. Verschieben wollten die Paare die Termine aber wohl nicht, sondern abwarten, bis sich die Lage entspannt hat.

„In der Regel sind die Termine in der Kirche das geringere Problem, eher dass es für die Feiern keine Lokale gibt oder man nur im kleinen Kreis feiern kann“, so der Pfarrer.

Das war auch der Grund für Stefanie Focht, die kirchliche Trauung zu verschieben. Sie hätte nirgends mit ihren 150 Gästen feiern können.

So laufen kirchliche Trauungen in Pandemie-Zeiten ab

Sandra Sternke-Menne erinnert sich an Hochzeiten im Sommer, als vierzig Gäste in der Kirche in Brackel saßen. Alle hätten zwar Mundschutz tragen müssen, selbst das Hochzeitspaar beim Einzug in die Kirche, aber es war möglich.

Die Kirche in Brackel hat keine festen Kirchenbänke, sodass die Bestuhlung immer individuell und je nach geltender Verordnung gestaltet werden könne.

Wie viele Gäste in die Kirche dürfen, sei auch immer abhängig von der Größe der Kirche.

Mit Mundschutz als Brautpaar in die Kirche einziehen - wegen der Hygienevorschriften ist vieles anders bei einer kirchlichen Trauung.
Mit Mundschutz als Brautpaar in die Kirche einziehen – wegen der Hygienevorschriften ist vieles anders bei einer kirchlichen Trauung. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

„Ich schreibe gerade am 18. Hygienekonzept“, sagt die Pfarrerin. Mittlerweile habe sie dabei eine gewisse Routine entwickelt. Inzwischen seien FFP-2-Masken in den Kirchen Pflicht. Zudem gelte in der Kirche ein Zwei-Meter-Abstandsgebot.

Sie stehe außerdem mit einer Teststelle in Kontakt. Ihr Plan sei es, ab Mai Schnelltests für Konfirmationen und Trauungen anzubieten.

Grundsätzlich rät sie Paaren, die kirchlich heiraten wollen, Kontakt zur Gemeinde aufzunehmen. Momentan könnten Trauungen zwar nicht so stattfinden, wie sich Paare eine Hochzeit wünschen, aber die Pfarrerin sagt auch: „Wenn der Wunsch da ist zu heiraten, kann man das immer machen.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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