Muhammed Celik ist der Inhaber der Nachhilfeschule LernCentro. Er und sein Team sind, wie die Schulen auch, auf Distanz-Nachhilfe umgestiegen. © Oliver Schaper
Schüler im Distanzlernen

Nachhilfe in Lockdown-Zeiten: „Der Bedarf ist gestiegen“

Der Inhaber einer Dortmunder Nachhilfeschule meint, dass wegen des Lockdowns eigentlich mehr Kinder Nachhilfe bräuchten. Warum die Nachfrage dennoch gesunken ist, erklärt er im Gespräch.

Schüler in NRW sind nun schon seit vielen Wochen wieder im Distanzunterricht. Lief der Unterricht nach den Sommerferien fast normal – abgesehen von Lüften, Masken, Abstand und Händewaschen – , ist die Situation spätestens seit Dezember wieder ähnlich wie zu Zeiten des ersten Lockdowns.

Beim ersten Lockdown dachten die Schüler, es seien Ferien

Wir haben den Inhaber einer Dortmunder Nachhilfeschule gefragt, wie er die Situation wahrnimmt. Muhammed Celik (30) hat das LernCentro 2015 gegründet. Der gebürtige Hagener und studierte Wirtschaftswissenschaftler legt mit seinem Nachhilfe-Angebot den Fokus auf Kinder aus Familien mit geringem Einkommen. Er hat Standorte in Wuppertal, Hagen, der Dortmunder Nordstadt und am Drosselweg in Scharnhorst.

„Im März haben sich die Schüler zurückgelehnt, die dachten, es seien Ferien“, erinnert sich Muhammed Celik. „Jetzt klappt es besser.“ Die Schüler von Klasse 1 bis 13, die eigentlich ins LernCentro kommen, sind jetzt im Distanzlernen.

„Es machen leider nicht alle Schüler mit“

Zu festen Uhrzeiten können sie zwei bis drei Mal die Woche für je eine Stunde zu ihrem Nachhilfelehrer per Chat Kontakt aufnehmen. „Entweder die Schüler stellen Fragen zu Aufgaben, die sie von der Schule bekommen haben, oder sie bekommen zusätzliche Aufgaben von uns“, erklärt der 30-Jährige das Prinzip.

Nachhilfe vor Ort kann Celik vorerst nicht mehr anbieten. Stattdessen betreut sein Team aus Nachhilfelehrern die Schüler virtuell zu festgelegten Zeiten.
Nachhilfe vor Ort kann Celik vorerst nicht mehr anbieten. Stattdessen betreut sein Team aus Nachhilfelehrern die Schüler virtuell zu festgelegten Zeiten. © Schaper © Schaper

Momentan könne er nur die Hälfte seiner Lehrkräfte einsetzen. „Es machen leider nicht alle Schüler mit“, so Celik. Die Gründe seien vielfältig.

„Wir haben Briefe rausgeschickt und bei den Familien angerufen. Das war ein hartes Stück Arbeit“, erinnert er sich. Manchmal fahre er auch zu den Familien hin, wenn gar keine Reaktion komme.

„Wir hatten eigentlich so viele Pläne“, erinnert sich Muhammed Celik. Als klar war, dass Nachhilfe nicht mehr in Kleingruppen und vor Ort stattfinden darf, überlegte sich das Team, die Nachhilfe in ein virtuelles Klassenzimmer zu verlegen.

Es haperte aber oft an den Endgeräten, der Software, dem Internet und der „Familienstruktur“ der Schüler. „Wir müssen es so einfach wie möglich machen“, weiß Celik. Deshalb kommuniziere man jetzt etwa über Whatsapp.

Nachhilfe nötiger denn je

Der Bedarf an Nachhilfe sei durch Corona und den Distanzunterricht „definitiv gestiegen“. „Aber an den Anmeldezahlen sehen wir das nicht“, gesteht Celik. „Im zweiten Lockdown haben wir kaum Neuanmeldungen. Allein in Scharnhorst hätten wir jetzt eigentlich zum Halbjahreswechsel dreißig bis vierzig neue Schüler bei uns“, schätzt er. Neu hinzugekommen sind aber nur drei oder vier.

Das Problem sieht Celik in der Kommunikation. „Die Schüler selbst wissen ja gar nicht, wie sie sich bei uns anmelden können und deren Eltern oft auch nicht. Manche von ihnen sprechen beispielsweise kein Deutsch.“ Er sieht die Schulen, Lehrer und Sozialarbeiter, als wichtige Vermittler, die Kindern rechtzeitig – und nicht erst, wenn die Noten komplett im Keller seien – Nachhilfe empfehlen sollten.

Gratis Nachhilfe für Schüler aus Familien mit geringem Einkommen

„Viele Lehrer kennen sich mit dem Bildungs- und Teilhabepaket leider nicht aus“, so Celik und benennt damit eines der Kernprobleme, wie er findet.

2012 regelte der Bund die Lernförderung neu. Das Ziel: Kindern aus sozial schwachen Familien durch eine Art „Nachhilfegutschein“ Unterstützung zu ermöglichen.

Mit Schulen in der Nähe der LernCentro-Standorte arbeite er eng zusammen. Er ist immer auf dem neuesten Stand, was die Voraussetzungen der Förderung durch das Teilhabepaket sind. „Seit der Einführung wurde so viel verändert“, weiß er. Dass die Lehrer da nicht immer genau wüssten, wann ein Kind berechtigt ist, umsonst Nachhilfe zu bekommen, wundert den Muhammed Celik deshalb nicht und er macht ihnen auch keinen Vorwurf. Im Gegenteil: Mit vielen Schulen in Dortmund arbeite er eng zusammen.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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