An der Müchelnstraße ist die Straße wegen eines anfänglichen Bombenverdachts aufgerissen. Doch der Kampfmittelräumdienst spürte nicht nur einen Blindgänger auf. © Schaper
Verdachtspunkt

Nach Bombenentschärfung: Liegt im Vorgarten ein zweiter Blindgänger?

Nach einer Bombenentschärfung mehren sich die Gerüchte um eine zweite Bombe in Scharnhorst. Anwohner erzählen, dass die Stadt seit Monaten von dem Blindgänger wisse. Was ist an der Behauptung dran?

Ein paar Anwohner der Müchelnstraße und des Umkreises wunderten sich über unsere Berichterstattung zur Bombenentschärfung am Donnerstag (18.3.). Die Bombe liege da schon mehrere Monate, schreibt eine Userin auf Facebook.

Luftbildaufnahmen ließen eine Bombe vermuten

Die Stadt Dortmund bestätigt diese Behauptung nicht und schreibt auf Nachfrage unserer Redaktion: „Nein, die Bombe aus dem 2. Weltkrieg ist nicht bereits vor längerer Zeit entdeckt worden.“

Stattdessen habe der Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen-Lippe (KBD-WL) bei einer routinemäßigen Auswertung von Luftbildaufnahmen einen „Bomben-Verdachtspunkt“ ausgemacht.

Die Grundstückseigentümer wollten Baumaßnahmen vornehmen, dafür mussten sie die Luftbildauswertungen beim Ordnungsamt beantragen – das sei im letzten Jahr geschehen.

Straßen monatelang wegen des Blindgängers gesperrt

Wir hören uns in der Müchelnstraße um. Eine Anwohnerin erzählt am Telefon, dass die Straße schon seit Monaten wegen der Bombe gesperrt sei. Schon einmal hätten Bauarbeiter versucht, die Bombe zu entschärfen, aber dann seien die Arbeiten abgebrochen worden, weil es nach Schwefel gerochen habe.

Stadtsprecher Maximilian Löchter sagt, dass schon im Juli 2020 weitere Arbeiten wegen des Bombenverdachts vorgenommen wurden. Dabei spürte der Kampfmittelbeseitigungsdienst zwei Anomalien auf.

„Eine zweite Bombe soll da noch liegen“, sagt Anwohner Reiner Jung am Montagmittag (22.3.), er wohnt unweit der Baustelle. Die Kunde der zweiten Bombe hat sich in der Anliegerstraße offenbar schnell verbreitet. Auch andere Anwohner berichten davon; im Vorgarten soll der Blindgänger dieses Mal liegen.


Warum mussten die Arbeiten im Sommer unterbrochen werden?

Auf Anfrage bestätigt Maximilian Löchter, dass es eine zweite Bombe gibt. Sie sei aber nicht der Grund, warum die Arbeiten ins Stocken gerieten. Im August sollten beide Verdachtspunkte bei Ausgrabungen überprüft werden, doch schnell hätten die Bauarbeiter einen Schwefelgeruch wahrgenommen und sich unwohl gefühlt, wie der Stadtsprecher sagt.

Die Arbeiten mussten unterbrochen werden. Untersuchungen ergaben, dass es sich um Schwefelwasserstoff handelt, der offenbar in der Erde angereichert war, laut Karl-Friedrich Schröder vom Kampfmittelbeseitigungsdienst aber nichts mit den gefundenen Blindgängern zu tun habe.

Kontaminierte Erde musste abgetragen und entsorgt werden. Außerdem entdeckten die Fachleute zwei Bomben.
Kontaminierte Erde musste abgetragen und entsorgt werden. Außerdem entdecken die Fachleute zwei Bomben. © Schaper © Schaper

Ein Ingenieurbüro und das Umweltamt wurden daraufhin eingebunden. Sie überwachten den Schwefelwasserstoff-Wert in der Baugrube und ließen den kontaminierten Boden abtragen und entsorgen. Schwefelwasserstoff könne zu Wassereinlagerungen in der Lunge und zum Tod führen, sagt Stadtsprecher Löchter.

11-Kilo-Brandbombe war „Beifang“

Nachdem der Kampfmittelbeseitigungsdienst am 18. März die 500-Kilo-Bombe entschärft hatte, kümmerten sich die Fachleute am darauffolgenden Montag (22.3.) um den „Beifang“, wie Karl-Friedrich Schröder die zweite Bombe nennt.

Dabei handelte es sich um eine 11-Kilo-Brandbombe, eine sogenannte INC-30. „Die wurden im Zweiten Weltkrieg zu Hauf abgeworfen. Ein richtiges Sauzeug“, sagt der Experte. Denn: die nicht mal einen halben Meter langen Bomben sind mit einer Handvoll giftigem, weißen Phosphor ausgestattet.

Die INC-30 ist eine 11-Kilo schwere Brandbombe mit einer Füllung aus Benzol und Kunstharz, die Zündladung besteht aus weißem Phosphor. (Symbolbild)
Die INC-30 ist eine 11-Kilo schwere Brandbombe mit einer Füllung aus Benzol und Kunstharz, die Zündladung besteht aus weißem Phosphor. (Symbolbild) © Kampfmittelbeseitigungsdienst Bezirksregierung Arnsberg © Kampfmittelbeseitigungsdienst Bezirksregierung Arnsberg

Evakuierungsmaßnahmen waren in dem Fall aber nicht nötig. Die Bombe habe in zwei Metern Tiefe gelegen und sei „nicht zur Wirkung gekommen“. Da die Bombe noch „heile“ war, konnten die Sprengstoffexperten die INC-30 luftdicht verpacken und der Entsorgung zuführen.

Das Tiefbauamt der Stadt wird nun die Straße wieder fachgerecht herstellen.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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