In der Parallelstraße von Peter Faßbenders Wohnung gibt es eine Papiertonne. Sie ist überfüllt, weil sie auch von Anwohnern genutzt wird, die keine eigene haben. © Lydia Heuser
Mieter ärgert sich

LEG-Wohnsiedlung im Dortmunder Norden hat ein Müllproblem

Ein LEG-Mieter macht das Immobilienunternehmen mitverantwortlich für die chaotischen Zustände in seinem Wohnort. Die Kosten für Maßnahmen seitens der LEG tragen die Mieter. Zu Unrecht?

Seit gut 11 Jahren wohnt Peter Faßbender am Rübezahlweg, seine Miete überweist er monatlich an die LEG. Mit dem Immobilienunternehmen ist er aber unzufrieden.

„Seit Jahren versuche ich, eine Papiertonne zu bekommen“, schreibt er an unsere Redaktion. Die Lage vor Ort sei chaotisch. Denn an anderen Stellen im Märchenviertel, dort wo Papiertonnen stehen, quellen diese über, weil dort jeder, der keine eigene Tonne hat, sein Altpapier entsorgen will. Sind die Tonnen voll, landet das Altpapier neben den Behältern oder im Restmüll.

Das Altpapier türmt sich. Wenn die Behälter voll sind, wird der Rest neben die Tonne gestellt.
Das Altpapier türmt sich. Wenn die Behälter voll sind, wird der Rest neben die Tonne gestellt. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Peter Faßbender versteht nicht, warum die LEG nicht handelt. Seiner Meinung nach wäre es ein Leichtes, für Ordnung zu sorgen. „Eine Papiertonne kostet die LEG keinen Cent“, weiß der Mieter. In der Tat: Die EDG (Entsorgung Dortmund GmbH) berechnet privaten Haushalten für eine Papiertonne bei 4-wöchentlicher Leerung keine Gebühren.

Sperrmüll landet im Restmüll oder wird einfach abgestellt

Doch das ist nicht das einzige Problem: Denn oft würde Müll in der Siedlung nicht ordnungsgemäß entsorgt, sagt Peter Faßbender. Bisher standen den insgesamt 22 Mietparteien der drei Wohneingänge von Rübezahlweg 37, 39 und 41 zwei kleine Biotonnen, zwei große Restmülltonnen und eine große Tonne für Wertstoffmüll zur Verfügung.

„Wir hatten auch schon mal eine Singlewaschmaschine und ein Waschbecken in der Restmülltonne“, so Faßbender.

Bezüglich dieses Problems versucht die LEG der Situation bereits Herr zu werden – und hat deshalb die Innotec GmbH beauftragt. „Unsaubere Abfallbehälterstandplätze, überquellende Restmüll- oder Wertstoffbehälter sowie auch Beistellungen neben den Abfallbehältern werden durch die Firma beseitigt“, erklärt Pressesprecher Mischa Lenz auf Anfrage der Redaktion.

11.500 Euro für die Müllreduzierung

Die Kosten dafür legt die LEG auf die Mieter um. Für die sogenannte „Müllreduzierung“ werden in der Jahresendabrechnung 2020 knapp 11.500 Euro berechnet. Peter Faßbender muss davon 36,02 Euro bezahlen. Er findet das unverhältnismäßig: „Die Situation wird ja nicht besser dadurch“, meint er.

Stattdessen habe die LEG durch die Entfernung einer Hecke am Mülltonnen-Standplatz zusätzliche Fläche geschaffen, die nun genutzt werde, um illegal Sperrgut abzustellen.

Das sagt die Mietrechtsexpertin

Britta Kramme vom Mieterschutzbund DAB meint, dass „Müllreduzierung“ nicht immer zur Verbesserung führe.

Sie rät Mietern deshalb dazu, dem Vermieter schriftlich mitzuteilen, wenn Sperrgut von Nachbarn illegal abgestellt wurde. Wenn die Verursacher dem Vermieter nämlich so bekannt gemacht würden, müssen die selbst die Kosten für die Beseitigung tragen und nicht die Allgemeinheit.

So begründet die LEG die Umlage der Kosten auf die Mieter

Die LEG indes ist von den Maßnahmen überzeugt und spricht von einer „nicht unerheblichen Entlastung der Mieter“, wenn der Müll kontrolliert und nachsortiert werde.

Ob die alten Küchenschränke als Sperrmüll bei der EDG angemeldet wurden?
Ob die alten Küchenschränke als Sperrmüll bei der EDG angemeldet wurden? © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Dass die Zusatzkosten bei den Mietern für Unmut sorgen, sei der LEG bewusst, räumt Pressesprecher Mischa Lenz aber auch ein.

„In den letzten Jahren hat sich bedauerlicherweise bei einigen Mitmenschen der Grundgedanke entwickelt, dass Sperrmüll einfach auf Gemeinschaftsflächen im oder außerhalb von Gebäuden oder gar auf fremden Grundstück abgestellt werden kann, ohne sich um die Abholung zu kümmern.“

Er betont, dass diese Beobachtung „unabhängig vom Standort“ sei, also nicht allein im Märchenviertel das Problem auftrete.

Die Lösung? Mehr Papiertonnen

In puncto Papiermüll kommt indes Bewegung in die Sache. Die LEG verkündet auf Anfrage der Redaktion, dass sie zusätzliche Papiertonnen im Rübezahlweg aufstellen lassen will und mit der EDG wöchentliche Leerungen seit 1.1.21 abgestimmt habe.

Peter Faßbender ist noch nicht überzeugt von der Ankündigung: „Die LEG hat schon des Öfteren versprochen, eine Tonne aufzustellen. Ich glaube nicht, dass sie sich daran halten wird.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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