Wo ist hier der Rauchabzug, für den die Mieter zahlen müssen? © Lydia Heuser
Märchensiedlung

LEG: Falsche Abrechnung bei über 30 Gebäuden – Unternehmen gibt Fehler zu

Zahlen LEG-Mieter in Dortmund für Brandschutz, den es nicht gibt? Nach einem Termin vor Ort prüft die LEG „intensiv“ die Nebenkostenabrechnungen – und kommt zu einem verblüffenden Schluss.

Nach unserer Berichterstattung über eine verwirrende Nebenkostenabrechnung der LEG, nahm das Immobilienunternehmen Kontakt zu unserer Redaktion auf.

Ein Dortmunder Mieter hatte sich darüber geärgert, dass auf seiner Nebenkostenabrechnung Beträge für Brandschutz aufgeführt werden, den es nicht gebe.

Die LEG meint zunächst: In den Häusern am Rübezahlweg gebe es sehr wohl eine Rauchabzugsanlage, deren Wartungskosten alle zwei Jahre auf die Mieter umgelegt würden und unter dem Punkt „Brandmeldeanlagen“ in der Nebenkostenabrechnung auftauchen.

Ortstermin mit der LEG am Rübezahlweg

Bei einem Ortstermin am Rübezahlweg will Kundenbetreuer Thomas Kohlhage die Existenz der Rauchabzugsanlagen beweisen.

In Haus Nummer 25 sieht man gleich beim Betreten des Treppenhauses, den rechteckigen Kasten an der Wand. „Rauchabzug“ steht über einem kleinen Glasfenster, das sich im Brandfall einschlagen lässt, damit die Bewohner den Hebel hinter der Scheibe betätigen können.

Im Treppenhaus befinden sich die Kästen mit dem Notschalter, um das Fenster im Obergeschoss zu öffnen.
Im Treppenhaus befinden sich die Kästen mit dem Notschalter, um das Fenster im Obergeschoss zu öffnen. © LEG © LEG

So öffnet sich dann das Dachfenster im oberen Stockwerk, damit giftige Gase, die im Brandfall entstehen, entweichen können.

„Hier hat das Dachfenster einen Stellmotor“, erklärt Thomas Kohlhage. Links am Holzrahmen befindet sich eine Art Stoßdämpfer wie bei einer Kofferraumklappe.

Das Scharnier an der Seite öffnet automatisch, sobald der Notknopf gedrückt wird. Giftige Gase können dann entweichen.
Das Scharnier an der Seite öffnet automatisch, sobald der Notknopf gedrückt wird. Giftige Gase können dann entweichen. © LEG © LEG

Der Anwohner Peter Faßbender, der die Ruhr Nachrichten auf die verwirrende Nebenkostenabrechnung aufmerksam machte, wohnt aber nicht in Nummer 25, sondern eine Häuserreihe weiter.

In seinem Treppenhaus gibt es im Eingangsbereich keinen roten Kasten und auch das Fenster im Obergeschoss hat keinen Stellmotor. „Das hier ist ein gewöhnliches Dachfenster“, gibt Thomas Kohlhage zu.

LEG räumt Fehler ein

Nach dem Ortstermin überprüfte die LEG nach eigenen Aussagen den gesamten Sachverhalt noch mal intensiv. Und tatsächlich stellten sie Ungereimtheiten fest.

Für die Kalenderjahre 2016 und 2018 wurde offenbar aufgrund eines falsch genutzten Verteilschlüssels, so Pressesprecher Mischa Lenz, die „Sammelrechnung zu der Anlage nicht sauber abgerechnet“.

Das Fenster am Rübezahlweg eine Häuserreihe weiter hat keinen Motor, der im Notfall das Fenster automatisch aufstellt.
Das Fenster am Rübezahlweg eine Häuserreihe weiter hat keinen Motor, der im Notfall das Fenster automatisch aufstellt. © LEG © LEG

„Diese Rechnung erhalten wir alle zwei Jahre zu der Meldeanlage von dem von uns beauftragten Fachbetrieb“, erklärt der LEG-Sprecher weiter.

Für die Jahre 2017 und 2019 seien die Kosten korrekt umgelegt, da die LEG in diesem Jahren Einzelrechnungen für die Gebäude bekommen habe.

Die Erklärung deckt sich mit den Nebenkostenabrechnungen der genannten Jahre von Peter Faßbender. Ihm wurden für 2016 und 2018 je 2,43 Euro für die Wartung der Brandmeldeanlage berechnet.

„Betroffen von dem Fehler in den beiden genannten Jahren waren insgesamt 214 Mietparteien in 32 Gebäuden“, erklärt Misch Lenz auf Anfrage. „Glücklicherweise“ handele es sich in allen Fällen um „minimale Beträge“, die zwischen zwei und drei Euro im Jahr liegen.

Aber Mieter Peter Faßbender geht es nicht um die Summe, sondern „ums Prinzip“. „Hätten wir hier solch eine Anlage, würde ich natürlich auch dafür zahlen.“

Mieter meint: Zum erste Mal gebe die LEG einen Fehler zu

Die umgelegten Kosten wird die LEG den betroffenen Mietern erstatten. „Denn wir bedauern diesen Fehler ausdrücklich. Da der gesetzlich gewährte Widerspruchszeitraum für diese beiden Abrechnungen bereits verjährt ist, tun wir dies selbstverständlich aus Kulanz.“

Peter Faßbender freut sich über die Entwicklung: „Das ist das erste Mal, dass die LEG einen Fehler zugibt, das ist sehr erfreulich.“

Mischa Lenz möchte sich stellvertretend ausdrücklich bei allen Betroffenen entschuldigen: „Jeder von Ihnen wird nun schnellstmöglich ein Schreiben von uns erhalten, in dem wir alles erklären und richtig stellen.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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