Grünes Licht heißt in diesem Fall nicht, dass das Internet funktioniert: Seit knapp zwei Wochen kann Katharina Kemper im Homeoffice nicht arbeiten, weil ihr Anbieter O2 LTE nicht liefern kann. © Privat
5G-Ausbau

Internet-Ausfall im Homeoffice stellt Dortmunderin vor große Probleme

Die verfügbare DSL-Leitung wäre zu langsam. Deshalb nutzt eine Dortmunderin LTE. Als der Sendemast ausfällt, steht die Arbeitnehmerin vor großen Problemen - denn ihr Arbeitgeber sitzt am anderen Ende der Welt.

Katharina Kemper ist genervt von ihrem Internetanbieter. Sie arbeitet von zu Hause aus – nicht nur wegen Corona, sondern immer. Weil ihr Arbeitgeber in den USA sitzt. Videokonferenzen, regelmäßige virtuelle Treffen, gehören zu ihrem Arbeitsalltag. Eine stabile Internetverbindung ist für die Marketing-Managerin deshalb essenziell.

Internet-Totalausfall

Vor knapp zwei Wochen fiel bei ihr das Internet aus – nichts ging mehr. Dabei hatte sie sich extra eine LTE-Box von O2 zugelegt. „Als ich umgezogen bin, wollte ich eigentlich meinen alten Anbieter mitnehmen, aber da gab es dann Probleme, weil die mir hier keine schnelle Leitung anbieten konnten“, erzählt Katharina Kemper (34).

Sie wohnt im Bereich der Husener Eichwaldstraße. Laut Breitbandatlas ist dort eine DSL-Verbindung von mindestens 10 Mbit/s möglich. Viel ist das nicht. Zum Vergleich: Andernorts können Kunden mit 150 Mbit/s durch das Netz surfen.

Die LTE-Box sei „eine Notlösung“ gewesen. Sie funktioniert im Grunde wie ein Smartphone, bei dem die Internetverbindung über einen WLan-Hotspot für anderen Geräte zugänglich ist: Auch hier legt man eine Sim-Karte in das Gerät ein, damit es sich mit dem Funkmast in der Nähe verbinden kann und den schnellen Internetzugang über einen WLan-Router auch für andere Geräte ermöglicht.

Aufrüsten auf 5G: Die Maßnahmen sind wohl „leider spürbar“

Katharina Kemper war bis zum plötzlichen Totalausfall von der Lösung überzeugt. „Ich kann die Box überall mit hinnehmen und muss sie nur für Strom in die Steckdose einstöpseln“, erklärt sie.

Das ist sehr praktisch in ihrem Fall, weil sie sowohl im Untergeschoss als auch im Obergeschoss arbeitet. Als plötzlich nichts mehr ging, kontaktierte sie O2, ihren Anbieter. „Es wurde versprochen, dass bis zum 23.1. wieder alles geht“, erinnert sich die 34-Jährige. Bis Mittwochabend (27.1.) tat sich jedoch nichts.

Auf Nachfrage der Redaktion erklärt Jörg Born, Sprecher des O2-Mutterkonzerns Téléfonica, dass ein Sendemast auf einem Gebäude am Baumwirtsweg ausgetauscht werde. Eine neue Systemtechnikeinheit soll dort eingebaut werden, die auch die neue 5G-Technologie ermöglicht – also noch schnellere Verbindungen. Der nördliche Teil von Wickede wird ebenfalls durch diese Anlage versorgt.

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Techniker installieren eine Antenne für das 5G Funknetz auf einem Hausdach. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Die Maßnahmen seien aber wohl doch „leider spürbar“, wie Born es beschreibt. Eigentlich sei das Unternehmen davon ausgegangen, dass benachbarte Anlagen das Gebiet mit versorgen, so lange die Arbeiten andauern. „Offenbar ist das Netz aber nicht so engmaschig, und die anderen Anlagen können das nicht immer auffangen.“

Kuriose Lösung kostet Zeit

Wenn die Arbeiten abgeschlossen sein werden, haben Kunden wie Katharina Kemper also noch schnelleres Internet. Nur jetzt hilft das wenig. „Wir wurden nicht informiert, dass diese Arbeiten stattfinden werden“, ärgert sich die Dortmunderin.

Sie suchte nach einer Lösung. „Am ersten Tag habe ich Sachen gemacht, die ich auch ohne Internet erledigen kann, aber das geht nicht zwei Wochen lang.“

Für den Arbeitgeber in den USA war die Situation erst mal okay. „Ich habe ja schnell eine Lösung gefunden“, meint Katharina Kemper. „Irgendwie kommt man ja immer an Internet.“

Die Lösung: das Elternhaus in Mülheim an der Ruhr. „Ich fahre jetzt täglich fünfzig Minuten hin und fünfzig Minuten zurück“, so die Dortmunderin. „Ich arbeite Tür an Tür mit meinem Vater. Der sitzt auch im Homeoffice.“ Optimal sei das nicht – aber immerhin sei das Internet stabil.

So schätzt ein Jurist die Situation ein

Aus arbeitsrechtlicher Sicht sieht die Sache nach Meinung von Jurist Sebastian Fricke so aus: „Selbst bei längeren Ausfällen liegt das Betriebsrisiko beim Arbeitgeber, vorausgesetzt der Arbeitnehmer hat nicht vorsätzlich seine DSL-Leitung gekappt oder den Anschluss nicht bezahlt“, so Fricke.

Abhängig von den Vertragsvereinbarungen könnte der Arbeitgeber zum Beispiel vorschreiben, dass der Arbeitnehmer so lange einen Co-Working-Space nutzt oder in ein Internetcafé geht – vorausgesetzt, diese Einrichtungen dürfen in Pandemie-Zeiten überhaupt öffnen –, um arbeitsfähig zu sein.

Die Lösung von Katharina Kemper ist in Lockdown-Zeiten sicher die beste Alternative. Den zusätzlichen Arbeitsweg muss der Arbeitgeber übrigens nicht vergüten.

„Ich würde es gut finden, wenn O2 mir bei den Kosten entgegenkäme“, meint Kemper. Auf Anfrage wiegelt der Unternehmenssprecher ab: „Es ist eine bekannte Eigenart von Mobilfunknetzen, dass diese nicht ortsgebunden, sondern weltweit nutzbar sind.“ Will heißen: Man könne mit dem Smartphone einfach an anderer Stelle telefonieren.

Im Falle von Katharina Kemper wäre das jedoch keine Lösung. Born bietet den betroffenen Kunden an, sich mit dem Service in Verbindung zu setzen und nach „individuellen Lösungsmöglichkeiten zu suchen“.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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