Der Holthausener Landwirt im Nebenberuf Thorsten Weestermann bittet um mehr Verständnis für die Anliegen der Bauern. © Andreas Schröter
Üble Gerüche

Gülle-Transporte: Wie ein Dortmunder Landwirt um Verständnis wirbt

Der Geruch von Gülle ist nicht jedermanns Sache. Landwirt Thorsten Westermann aus Holthausen fordert nun mehr Verständnis für Bauern - auch abseits der Gülle-Diskussion.

Der März ist der Monat, in dem die Landwirte zur Düngung Gülle auf ihren Felder ausbringen. Das passt nicht jedem. Anwohner beschweren sich in diesen Zeiten regelmäßig über den entsprechenden Gestank.

Thorsten Westermann (36), Kassierer und Schriftführer im Landwirtschaftlichen Ortsverein Dortmund-Nord, betreibt auf dem elterlichen Hof in Holthausen die Landwirtschaft im Nebenberuf. Hauptberuflich ist er Versicherungsangestellter. Er möchte um Verständnis für die Angelegenheiten der Bauern werben.

400.000 Liter Gülle aus Seppenrade

Auch er habe am Samstag (27.2.) etwa 400.000 Liter Gülle aus Seppenrade auf seinen Feldern verteilt. Und auch er hatte deswegen eine Diskussion mit einem Anwohner, der just diesen Tag auf seiner Terrasse genießen wollte – ohne Gestank. „Ich habe mit dem Mann geredet“, sagt Westermann, „am Ende hat der gemeint, es habe gar nicht so sehr gestunken.“

Auch einige Pferde sind auf dem Hof von Thorsten Westermann in Holthausen zuhause.
Auch einige Pferde sind auf dem Hof von Thorsten Westermann in Holthausen zuhause. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Gülle sei eben eine natürlich Art der Düngung, um dem Boden Nitrat zuzuführen. Er könne das auch mit Kunstdünger tun, aber der bestehe aus Chemie. Erdöl komme dabei zum Einsatz. Die heutigen Güllefahrzeuge seien technisch so hoch entwickelt, dass sie ihr Substrat genau dosiert auf den einzelnen Flächen verteilen. Es komme nicht – wie früher – zur Überdüngung einzelner Stellen.

Kein Verständnis für Diskussionen in Bezirksvertretungen

Deswegen habe er auch kein Verständnis für die Diskussion in den Bezirksvertretungen Scharnhorst und Brackel zur Gefahr von Gülle-Transporten auf dem Weg zwischen Kurl und Asseln. „Dort die Einfahrt für uns dichtzumachen, wäre wie die Werkseinfahrt von Thyssen-Krupp für Lkw zu schließen“, sagt Westermann.

In einer Stadt wie Dortmund seien die allermeisten landwirtschaftlichen Betriebe ja ohnehin nur Hobby- oder Nebenerwerbsbetriebe. Um lukrativ zu sein, müsse man heute viel größere Betriebe haben, als das in Dortmund wegen der begrenzten Fläche möglich sei. Es habe – auch durch Neubaugebiete wie das in der Brechtener Heide – viel Flächenfraß in Dortmund gegeben.

Die wenigen Betriebe, die es noch gebe, hätten sich auf Nischen spezialisiert: Mastschweine zum Beispiel oder Pensionspferde. Westermann selbst hat zehn Milchkühe und betreibt etwas Rindermast. Außerdem baut er Getreide, Raps und Mais an. Auch Stroh verkauft er. Das sei aber alles mehr Hobby als Beruf.

Westermann appelliert an Nachbarn, Hundehalter und Spaziergänger, etwas mehr Rücksicht auf die Landwirte zu nehmen. Das gelte auch für die SUV-Fahrer, die ihr Auto auf Wegen parken, die die Bauern brauchen – oder für Menschen, die mit ihren Hunde mitten über die Felder laufen und dabei die kleinen Pflänzchen zertrampeln.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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