Parfümerie-Borgmann-Mitinhaber und Brackeler Gewerbevereins-Vorsitzender Thomas Tan spürt eine große Wut unter den Einzelhändlern auf die Regierung. © Andreas Schröter
Coronavirus

Große Wut bei Brackeler Händlern: „Wir wollen arbeiten!“

Eine große Wut auf die Regierung verspüre er unter den Brackeler Einzelhändlern, sagt der Gewerbevereins-Vorsitzende. Für seinen eigenen Betrieb gibt es immerhin Lichtblicke.

Thomas Tan, Mitinhaber der Parfümerie Borgmann am Brackeler Hellweg, ist froh, seit dem 8. März zumindest wieder „Click & Meet“ anbieten zu können – also einen Einkauf in seinem Geschäft nach vorheriger Terminvereinbarung. Was viele nicht wissen: Einen solchen „Termin“ kann man auch direkt vor Ort für dieselbe Zeit vereinbaren – vorausgesetzt der Laden ist gerade nicht schon zu voll.

Erlaubt sei ein Kunde pro angefangene 40 Quadratmeter. Da die Parfümerie etwas mehr als 160 Quadratmeter hat, dürften fünf Kunden gleichzeitig anwesend sein. Tan belässt es aber bei drei Kunden, um auch wirklich auf der sicheren Seite zu sein. Es gebe einige ältere Kunden, die mit dem System „Click & Meet“ nicht klarkommen, weil man dafür im Idealfall ein Handy braucht und sie keines haben. Auch denen werde natürlich geholfen, so Tan. Auch auf der Website der Parfümerie kann man Termine vereinbaren.

„Click & Meet kann Shopping-Erlebnis nicht ersetzen“

Ein richtiges Shopping-Erlebnis könne dieses System natürlich nicht ersetzen. Eine Parfümerie sei eben auch etwas, in das man ganz zwanglos und unverbindlich mal hineinschaut, wenn man zufällig daran vorbeikommt, sagt Tan.

In der Zeit davor – seit dem 15. Dezember – gab’s in der Parfümerie Borgmann die Möglichkeit der Online-Bestellungen mit Lieferservice und zuletzt „Click & Collect“. Man bestellt etwas und holt es zu bestimmten Zeiten ab. Beides habe einigermaßen funktioniert. „Ich bin oft nach 18 Uhr durch ganz Dortmund gefahren, um unsere Ware auszuliefern“, sagt Tan. Zusammen mit der Überbrückungshilfe 3, die ihm allerdings noch nicht ausgezahlt worden sei, komme er einigermaßen über die Runden. Die Gefahr, dauerhaft schließen zu müssen, bestehe für die Parfümerie Borgmann nicht.

So sieht derzeit der Eingangsbereich der Parfümerie Borgmann aus. Man muss per
So sieht derzeit der Eingangsbereich der Parfümerie Borgmann aus. Man muss per “Click & Meet” einen Termin vereinbaren. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Was überraschend gut wieder angelaufen sei, seien die Kosmetikbehandlungen. Um sie wahrnehmen zu dürfen, muss man einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorweisen. Das gilt auch für die Borgmann-Mitarbeiter, die eine solche Behandlung ausführen. „Unsere Kundinnen sind extrem diszipliniert“, sagt Tan, „wir mussten noch niemanden abweisen.“ Aber dieser Einsatz zeige auch, wie sehr der Wunsch bei den Menschen bestehe, solche Termine wieder wahrnehmen zu können.

Wut der Einzelhändler auf die Regierung

Als Vorsitzender des örtlichen Gewerbevereins hat Thomas Tan natürlich auch den gesamten Einzelhandel im Brackeler Zentrum im Blick. Und da spüre er eine große Wut seiner Kollegen auf die Bundesregierung – und die könne er sehr gut verstehen.

Einerseits würden die schönsten Versprechungen gemacht, andererseits komme davon vor Ort kaum etwas an. Soloselbstständige zum Beispiel fallen durch alle Raster und erhalten kaum Unterstützung. „Wir werden de facto mit einem Berufsverbot belegt“, so Tan, „aber man hilft uns kaum. Andererseits wollen wir keine Bittsteller sein, wir wollen arbeiten.“

Die Parfümerie Borgmann ist die einzige Parfümerie Dortmunds mit Lkw-Front im Laden
Die Parfümerie Borgmann ist die einzige Parfümerie Dortmunds mit Lkw-Front im Laden.

Er gönne es übrigens jedem, der jetzt wieder öffnen darf – wie zum Beispiel der Buchhandlung dreesen-lesen in Brackel -, aber wo nun genau der Unterschied zwischen einer Buchhandlung und einer Parfümerie liege, was das Verhalten der Kunden im Geschäft angehe, erschließe sich ihm nicht.

Man spüre, dass alle, die jetzt so schöne Reden halten, noch nie im Einzelhandel gearbeitet haben. Ihm würde gefallen, wenn es mehr Ehrlichkeit in der Politik gebe. „Warum sagt niemand: Nicht alle Betriebe werden es überleben?“, fragt Tan. Dennoch: Coronabedingte Geschäftsschließungen seien ihm in Brackel noch nicht bekannt.

In der gegenwärtigen Situation mit „Click & Meet“ sieht Tan einen Lichtblick. Schwierig sei natürlich die Sorge vor einer dritten Welle durch die Mutanten und die Ungewissheit, wann die Pandemie endlich dem Ende entgegengehe.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter
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