Horst Küchenmeister (2.v.r.) kümmert sich für den Gartenverein um den Schulgarten: Schüler zweier umliegender Schulen lernen hier spielerisch die Aufzucht von Pflanzen. Doch nicht nur denen schmecken die Ergebnisse ihrer Arbeit - auch der Jury des Landeswettbewerbs für Kleingartenanlagen mundeten die Erdbeeren. © Hendrik Nachtigäller
Kleingarten-Wettbewerb

Gartenverein im Dortmunder Norden ist „eine soziale Institution“

Zwei Dortmunder Gartenvereine nehmen am Landeswettbewerb für Kleingartenanlagen teil. Ein Besuch vor Ort zeigt, was die Anlage im Norden besonders - und vielleicht bald ausgezeichnet - macht.

Mit „beispielhaften ökologischen, sozialen und kulturellen Leistungen“ sollen die Teilnehmer die Jury von Nordrhein-Westfalens Landeswettbewerb Kleingartenanlagen 2021 überzeugen. Ein Gartenverein aus dem Dortmunder Norden hängt die Messlatte hoch – mit großem Einsatz für Kinder, Anwohner und Natur.

Nur kurz kann der Vorsitzende Fatih Tanrikulu an diesem sonnigen Nachmittag die Besucher im Gartenverein „Am Externberg“ empfangen – die Arbeit ruft. Umso herzlicher fällt die Begrüßung von Vertretern der Stadt sowie der Jury des nordrhein-westfälischen Landeswettbewerbs für Kleingartenanlagen aus.

Anschließend übernimmt Schriftführer Frederik Kolek das Wort. Er führt die Gruppe über die Anlage im Herzen Evings und stellt Projekte des Vereins wie den Schulgarten und das extra angelegte Biotop inklusive Honigbienen vor.

Schriftführer Frederik Kolek (l.) führt die Jury-Vorsitzende Prof. Dr. Dr. Martina Oldengott und den Rest der Gruppe durch die Anlage des Gartenvereins Am Externberg.
Schriftführer Frederik Kolek (l.) führt die Jury-Vorsitzende Prof. Dr. Dr. Martina Oldengott und den Rest der Gruppe durch die Anlage des Gartenvereins Am Externberg. © Hendrik Nachtigäller © Hendrik Nachtigäller

Die Führung beginnt im Eingangsbereich der Anlage. Neben einem alten Zechen-Kohlenwagen, auf dem Name und Gründungsjahr des Gartenvereins prangen, ist ein kleiner Spielplatz mit Schaukel und einem Klettergerüst mit Rutsche.

Weiter geht es ins sogenannte „Biotop“, das der Verein im Jahr 2006 angelegt und seitdem ausgebaut hat. Die Wildblumenwiese kommt bei der Jury gut an, doch ist die Saatmischung auch regional? Dem Auge nach zu urteilen schon, sagt ein Vertreter der Stadt. „Die Bienen gehen dran“, berichtet Frederik Kolek.

Ein Biotop mit Insektenhotels, Teich und Wildblumenwiese

Insektenhotels für Wildbienen finden sich in dem dicht bewachsenen Bereich ebenso wie ein Teich, der Lurche und Frösche beherbergt. „Hier führen wir auch Schulführungen durch“, sagt Frederik Kolek.

Ein paar Meter weiter hält Petros Igityan mehrere Honigbienen-Völker. Der Imker stellt seine Arbeit vor, öffnet eine Beute und präsentiert der Besucher-Gruppe ein Rähmchen mit krabbelnden Bienen, bereits verdeckelter Brut und Honigwaben.

Imker Petros Igityan zeigt den Besuchern eine Rähmchen mit krabbelnden Honigbienen.
Imker Petros Igityan zeigt den Besuchern eine Rähmchen mit krabbelnden Honigbienen. © Hendrik Nachtigäller © Hendrik Nachtigäller

Diesen Schwarm habe er vor zwei Wochen in Huckarde eingefangen, berichtet Petros Igityan. Wie viel Honig produzieren die Bienen denn? „Dieses Jahr war der Frühling zu kalt, dann hat alles zu spät angefangen, das wird in diesem Jahr sehr wenig sein“, sagt er. In einem guten Jahr könne er 30 bis 40 Kilogramm Honig sammeln.

Zwischen lauter umherschwirrenden Bienen geht es am Kompost-Bereich vorbei durch die Anlage. 37 Gärten gibt es hier, berichtet Frederik Kolek, in denen acht verschiedene Nationalitäten vertreten seien. „Wir sind sehr stolz auf unsere Anlage und auf unser Miteinander“, sagt er. „Das Zusammenleben funktioniert hier super.“

Imker Petros Igityan präsentiert seine Bienen: Der dunkle Honig ist in einigen Waben gut sichtbar, auch die Königin des Volkes ist im Bild (größere Biene mit dunklerem Hinterteil, unten rechts auf dem Übergang zwischen Holzrahmen und Waben).
Imker Petros Igityan präsentiert seine Bienen: Der dunkle Honig ist in einigen Waben gut sichtbar, auch die Königin des Volkes ist im Bild (größere Biene mit dunklerem Hinterteil, unten rechts auf dem Übergang zwischen Holzrahmen und Waben). © Hendrik Nachtigäller © Hendrik Nachtigäller

Neben verschiedenen Nationalitäten seien auch Altersunterschiede kein Problem. „Wir bekommen viele junge Mitglieder, an die die Älteren ihr Wissen weitergeben können“, sagt Frederik Kolek. Auch bei Projekten helfe man sich gegenseitig – die einen mehr mit Wissen, die anderen mehr mit Muskelkraft.

Gartenverein ist „ein Aufenthaltsort für alle aus dem Stadtbezirk“

Doch nicht nur der Austausch der Gartenfreunde untereinander funktioniere, auch Anwohner der umliegenden Wohngebiete nutzten die Anlage, berichtet Frederik Kolek. Zum Spazierengehen, zum Spielen auf dem Spielplatz, zum Joggen gehen – wie beispielsweise auch eine in der Nähe stationierte Hundertschaft der Polizei. „Wir sind ein Aufenthaltsort für alle aus dem Stadtbezirk.“

Unterstützung erhält er von Heiko Just, Leiter der Abteilung Grünflächen im Tiefbauamt der Stadt Dortmund. „Diese Anlage ist eine soziale Institution hier im Stadtteil“, sagt er. „Ein ganz wichtiger Halt für die Gesellschaft.“

Zwei Schulen nutzen den Schulgarten der Anlage

Weiter geht es zum Schulgarten, den Horst Küchenmeister ins Leben gerufen hat und mit viel Herzblut betreut. Schüler der umliegenden Elisabeth-Grundschule und der Graf-Konrad-Grundschule haben Gärtnern am Externberg auf dem Stundenplan stehen.

„Die Kinder kommen meist für zwei Stunden, dann besprechen wir die Arbeitsstunde und dann geht es los“, berichtet Horst Küchenmeister. Die Beete bereitet er im Vorfeld vor, die Kinder übernehmen Aufgaben wie das Säen. „Wenn sie dann wiederkommen, ist schon etwas gewachsen und sie haben ein Erfolgserlebnis“, sagt er. „Oder ein Negativerlebnis, wenn es weg ist. Aber auch daraus kann man etwas lernen.“

Schüler zweier umliegender Grundschulen lernen die Aufzucht von Pflanzen an den Hochbeeten im Schulgarten des Gartenvereins Am Externberg.
Schüler zweier umliegender Grundschulen lernen die Aufzucht von Pflanzen an den Hochbeeten im Schulgarten des Gartenvereins Am Externberg. © Hendrik Nachtigäller © Hendrik Nachtigäller

Zweimal pro Woche kommen Klassen in den Schulgarten. Für den haben die Gärtner extra Hochbeete gezimmert, damit die Kinder nicht aufpassen müssen, mit ihren Füßen im Acker keine Pflanzen zu zertreten. „Die erste Frage ist immer: Was können wir heute essen?“, berichtet Horst Küchenmeister. „Die Kinder freuen sich immer sehr auf die Ergebnisse und sind dann auch sehr stolz darauf.“

Jury ist vom Gartenverein beeindruckt

Die Ergebnisse kommen auch bei der Wettbewerbs-Jury gut an – einige Entscheider naschen von den Erdbeeren, der Geschmack stimmt. Nach dem Ende der Führung zeigt sich die Jury-Vorsitzende Prof. Dr. Dr. Martina Oldengott hörbar angetan.

„Es beeindruckt uns, wie viel diese recht kleine Anlage mit wenigen Parzellen in einem kleinen Team auf die Beine stellt“, erklärt sie. „Wir haben hier eine ganze Menge Besonderheiten gesehen. Das Biotop mit den Bienen hat mich sehr beeindruckt.“

Lob gibt es auch für den Kompost, den „sehr schönen“ Schulgarten, die blühenden Hecken vor den Gärten und die Blütenvielfalt in den 37 Gärten der Anlage.

Neben dem Gartenverein „Am Externberg“ nimmt auch der Verein „Im Rauhen Holz“ in Lütgendortmund am Landeswettbewerb Kleingartenanlagen 2021 teil. Der Gewinner tritt nächstes Jahr für NRW beim bundesweiten Wettbewerb an – ob das ein Dortmunder Verein sein wird, erfahren die Beteiligten im Dezember.

Über den Autor
Gebürtiger Dortmunder mit viel Liebe für den großen und kleinen Sport: Hauptsache, es rollt, tickt oder geht ordentlich vorwärts. Ob im Fernsehen, am Spielfeldrand oder selbst mit Ball und Rad unterwegs. Seit 2014 für Lensing Media im Einsatz, erst in Freier Mitarbeit, nun als Volontär.
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Hendrik Nachtigäller

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