Parkende Autos am Gehweg? Fehlanzeige. Seit das Ordnungsamt Verwarnungen verteilte, stehen die Autos der Handweiserstraße vor Garagen und Häusern. © Lydia Heuser
Parkplatznot

Falschparker in Vorortsiedlung: Wo dürfen Autos überhaupt noch parken?

An der Handweiserstraße hat das Ordnungsamt erst Verwarnungen und dann Knöllchen verteilt. Wo sollen die Autos nun hin, fragen sich die Anwohner. Trotzdem befürworten manche das Durchgreifen.

Die Handweiserstraße in Brackel gehört zu einer typischen Vorortsiedlung: Reihenhäuser, Garagen, einseitiger Bürgersteig, Straßenbeleuchtung der 1960er-Jahre. Bis vor ein paar Wochen war hier wohl alles gut, aber seit das Ordnungsamt vorbeikam und Verwarn-Zettel an die Windschutzscheiben parkender Autos klemmte, scheint das Idyll getrübt.

Gehweg und Fahrbahn sind zu schmal

Wie auch in der Buchen- und Espenstraße fuhr die Verkehrsüberwachung nach Hinweisen raus und fand gleich mehrere falsch parkende Autos vor. Weder die gesetzliche Fahrbahnbreite von 3,05 Metern noch die nötige Breite des Gehwegs seien bei seitlich parkenden Autos in solchen Siedlungen noch gegeben und damit ist das Parken rechtswidrig.

Anwohner der Handweiserstraße wissen nicht, wo ihr Besuch noch parken soll.
Anwohner der Handweiserstraße wissen nicht, wo ihr Besuch noch parken soll. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

„Wir haben oft halbseitig auf dem Gehweg geparkt“, erzählt eine Anwohnerin der Handweiserstraße, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Jetzt mache sie das nicht mehr, denn nach der Verwarn-Welle Ende Januar habe es auch schon Knöllchen gegeben. Autos stehen jetzt nur noch vor Garagen oder in anderen Straßen, jedenfalls nicht am Straßenrand.

Die Stadt sagt auf Anfrage der Redaktion, dass das Ordnungsamt „aufgrund einer eingehenden Beschwerdelage“ die Straße in den Kontrollrhythmus aufgenommen habe, und somit dort weiter regelmäßig kontrollieren werde.

Wohin mit den Autos?

Zwar gehöre zu jedem Reihenhaus eine Garage, sagen Anwohner. Aber manch ein Haus werde von zwei Familien bewohnt. Wo sollen die Autos dann hin? „Wir wollten ein Auto in die Garage und das andere davor stellen, aber das ist nicht erlaubt“, sagt die Anwohnerin. Das Argument sei, dass die Feuerwehr nicht löschen könne, falls das Auto in der Garage Feuer fangen sollte.

Eine andere Anwohnerin weiß von Nachbarn, die so breite Autos hätten, dass sie gar nicht in die Garagen fahren könnten.

Diese Verwarnzettel verteilte die Stadt an der Handweiserstraße.
Diese Verwarnzettel verteilte die Stadt an der Handweiserstraße.

Manch ein Hausbesitzer hatte schon vor der Verwarn-Aktion kurzerhand den grünen Vorgarten aufgegeben und zur Parkfläche umfunktioniert. „Das ist das nächste Übel“, sagt Bezirksbürgermeister Hartmut Monecke, dem das Parkplatz-Dilemma bekannt ist. „Praktisch ist das erlaubt, weil der Bebauungsplan alt ist.“ Bei neuen Bebauungsplänen wäre so eine nachträgliche Versiegelung des Vorgartens nicht möglich.

Hartmut Monecke kann das Handeln der Hausbesitzer verstehen, immerhin sind sie dann auf der rechtssicheren Seite und werden nicht zum Falschparker.

Spaltet sich die Siedlung jetzt in zwei Lager?

Georg Bieniek hat ein Eckgrundstück und deshalb neben seiner Garage einen weiteren Stellplatz vorm Haus. „Wir haben zum Glück einen Besucherparkplatz“, sagt er. Nachbarn könnten jetzt keinen Besuch mehr empfangen oder die Gäste müssten einen Fußmarsch in Kauf nehmen.

Als er gegenüber seiner Garage am Straßenrand stand, hatte er im Januar plötzlich einen Verwarnzettel an der Windschutzscheibe hängen. Den Zettel hat er aufbewahrt. Sein Auto stellt er seitdem lieber nicht mehr dort ab.

Anwohner Georg Bieniek meint, dass sich vorher niemand an den parkenden Autos gestört habe.
Anwohner Georg Bieniek meint, dass sich vorher niemand an den parkenden Autos gestört habe. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Einverstanden ist er mit der Aktion des Ordnungsamtes trotzdem nicht. „Es hat sich vorher niemand daran gestört.“

Der Bezirksbürgermeister Hartmut Monecke hat einen anonymen Brief von Anwohnern der Handweiserstraße bekommen, der anderes vermuten lässt. Darin befürwortet der Briefeschreiber das Handeln der Stadt. Vorher sei es durchaus zu Gefahrensituationen gekommen – wie abgefahrenen Spiegeln und Kratzern am Auto.

Für Hartmut Monecke sieht es so aus, als gebe es zwei Parteien in der Siedlung – „ich weiß aber nicht, wie groß die jeweils sind.“ Er bedauert, wenn es wirklich so sein sollte, das der Nachbarschaftsfrieden durch die angespannte Situation in Gefahr ist.

Lösung Mischverkehrsfläche?

Die Anlieger an der Buchen- und Espenstraßen, wo es ebenfalls Knöllchen wegen Falschparkens am Fahrbahnrand gab, seien alle an einer Lösung interessiert, weshalb die Bezirksvertretung die Stadt nun beauftragt habe, zu prüfen wie teuer und sinnvoll eine Umwandlung der Straße in eine Mischverkehrsfläche sei.

„Wir könnten auch für die Handweiserstraße solch einen Planungsauftrag erteilen, jedoch frisst das Arbeitszeit“, sagt der Bezirksbürgermeister. Er will lieber die Berechnungen zur Buchen- und Espenstraßen abwarten und diese dann zur Grundlage einer ersten Berechnung der Kosten für die Handweiserstraße nutzen.

Mit den Anwohnern könne man dann beraten, ob sie Interesse an solch einem Umbau hätten, den sie mitbezahlen müssten.

In dieser Straße gibt es fast keine legalen Parkmöglichkeiten

Stadtsprecher Christian Schön hat jedenfalls keine guten Nachrichten für die Hausbesitzer an der Handweiserstraße. Die Straße sei im jetzigen Zustand nicht breit genug, damit ein herkömmliches Auto am Rand stehen könne und trotzdem noch 3,05 Meter Platz seien. „Legale Parkmöglichkeiten im öffentlichen Raum gibt es in dieser Straße also nicht.“

Das Parken auf Garagenhöfen und vor Häusern sei jedoch eine „privatrechtliche Angelegenheit“, und – sofern die Autos nicht auf die Straße ragen würden und der Grundstückseigentümer einverstanden sei – erlaubt.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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