Der Kampfmittelräumdienst musste am Donnerstag (18.3.) eine 500-Kilo-Bombe in Scharnhorst entschärfen. Dafür wurde die Gleiwitzstraße in Richtung Norden vorübergehend und teilweise gesperrt. © Uwe Brodersen
Bomben-Entschärfung

„Ein richtig harter Job“: Bombenentschärfung war riskanter als gedacht

Sprengstoffexperten erleben „immer wieder Überraschungen“, so auch bei der Entschärfung an der Müchelnstraße am Donnerstag. Wie riskant die Lage war, verrät ein Fachmann vom Kampfmittelräumdienst.

Bombenentschärfungen und Evakuierungen sind fast schon Routine für die Dortmunder. Regelmäßig spürt der Kampfmittelbeseitigungsdienst über Luftbildaufnahmen mögliche Bomben im Erdreich auf, die im Zweiten Weltkrieg von den Alliierten abgeworfen wurden und nicht zündeten.

„Wir erleben immer wieder Überraschungen“

Am vergangenen Donnerstagmorgen (18.3.) stellten die Experten bei Aufgrabungen fest, dass in etwa 4,50 Meter Tiefe eine Bombe liegt, sie sollte noch am gleichen Tag entschärft werden. Dass das Vorhaben aber den gesamten Tag lang dauern würde, damit rechnete zu diesem Zeitpunkt wohl niemand.

„Wir erleben immer wieder Überraschungen“, meint Karl-Friedrich Schröder vom Kampfmittelbeseitigungsdienst. Er ist ein alter Hase, wie er meint. Seit 1993 ist er für die Bezirksregierung Arnsberg im Einsatz, die unter anderem in Dortmund Blindgänger entschärft oder kontrolliert sprengt.

Die Sprengstoffexperten mussten sich beeilen

„Eine Bombenbergung ist oft eine Wundertüte“, sag Schröder. Der Blindgänger habe mit der Spitze nach oben gezeigt. Der sichtbare Teil sei schlank gewesen, die Bodenverhältnisse schwierig und die erste Vermutung war, dass es sich um eine 250-Kilo-Bombe handelt.

„Da unten hat man überhaupt kein richtiges Größenverhältnis und es war eine richtige Schlammschlacht“, sagt der Fachmann, der gestern zwar nicht für die Bergung zuständig war, aber trotzdem vorbeischaute.

Eile war geboten, weil das Erdreich „fließend“ gewesen sei. An den Seiten der Baugrube, die die Fachleute durch sogenannte Verbauringe gesichert hatten, rutschte immer wieder Erde nach. „Die Stadt half uns mit Kies aus, um das Loch an der Seite zu füllen“, so Schröder.

Mitgebrachte Pumpen des Kampfmittelräumdienstes reichten offenbar nicht aus, um die Baustelle ausreichend zu sichern; auch hier half die Stadt, nach Aussagen von Schröder, mit einem Saugwagen weiter.

1000-Pfund-SAP-Bombe: Stadt musste alles neu planen

Als klar war, dass die Bombe – eine Semi-Armor-Piercing-Bombe oder 1000-Pfund-SAP-Bombe – einen Meter lang war und die doppelte Sprengkraft hatte, wurde der Evakuierungsradius verdoppelt. Nun waren gleich dreimal so viele Menschen betroffen und auch Bus- und Stadtbahnlinien.

Wie Stadtsprecher Maximilian Löchter auf Nachfrage erklärt, musste mit der Polizei, der Feuerwehr, der DSW21 und dem Tiefbauamt alles neu koordiniert werden.

Nach der neuen Vermessung wurde der Radius verdoppelt und drei mal mehr Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen.
Nach der neuen Vermessung wurde der Radius verdoppelt und drei mal mehr Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. © Stadt Dortmund © Stadt Dortmund

Die Evakuierung konnte deshalb erst um 17.30 Uhr beginnen, die Entschärfung erst um 21 Uhr.

Die Chancen standen 50 zu 50

„Das war ein richtig harter Job gestern“, weiß Karl-Friedrich Schröder. Und das Risiko war sehr hoch. 2010 starben drei Sprengstoffexperten in Göttingen als eine Bombe gleichen Typs plötzlich explodierte.

Der einzige Unterschied zu der Bombe gestern war, dass es sich im Göttinger Fall um einen Langzeitzünder handelte. Die Bombe gestern hatte einen Aufschlagzünder, „das ist nicht so brisant“. Nur wussten das die Männer vor Ort nicht: „Die Chancen stehen immer 50 zu 50, um welche Art Zünder es sich handelt.“ Da sich der Zünder am anderen Ende des Blindgängers in der Erde verbarg, mussten die Experten sehr vorsichtig arbeiten und gleichzeitig schnell sein, da die Bodenverhältnisse schwierig waren.

Dem Einsatzbericht konnte Karl-Friedrich Schröder entnehmen, dass seine zuständigen Kollegen gestern erst gegen Mitternacht zu Hause gewesen seien. Die Fliegerbombe musste noch in ein Zwischenlager gebracht werden. Später werde sie dann zerlegt.

Die Anwohner rund um den Bombenfundort an der Müchelnstraße konnten gegen 22 Uhr in ihre Wohnungen zurückkehren.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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