Der eine Mülleimer, der an dem Spielplatz steht, sei schnell voll, berichten Hannelore Jacoby (l.) und Sabrina Rohleder (r.) vom Mieterbeirat. Der Müll quelle dann aus dem Behälter heraus. Über den Spielplatz und die Wiese verteilt finden sich die verschiedensten Abfälle, die Ratten und Tauben anlocken. © Hendrik Nachtigäller
Müll-Problem

Dortmunder „Spielparadies“: Anwohner ärgern sich über Ratten und Müll

Mieter einer Dortmunder Wohnsiedlung sind verzweifelt. Ihre Kinder können einen nahen Spielplatz kaum noch nutzen. Der Müll dort lockt Ratten und Tauben an. Ein Besuch vor Ort.

Schon der Weg von der Straße zum Spielplatz zwischen den Wohnhäusern führt an einem Sperrmüll-Haufen neben den eigentlichen Hausmülltonnen vorbei. Auf der Wiese neben einem Sandkasten liegen erschreckend viele Plastiktüten und Essensverpackungen verteilt, Papierfetzen, ein voller Müllbeutel. Auf einer Bank neben dem Spielplatz warten Hannelore Jacoby vom Mieterbeirat und dessen Vorsitzende Sabrina Rohleder, um die Gründe für diesen Zustand in Worte zu fassen.

„Es ist eine Katastrope“

Zu einem Problem wurde der Müll auf der Wiese und dem Spielplatz zwischen den Mietshäusern Droote 9 bis Droote 23 in Scharnhorst erst zu Jahresbeginn, berichten die beiden Mütter übereinstimmend. Seitdem werde es immer schlimmer. „Es ist eine Katastrophe“, sagt Sabrina Rohleder. „Man traut sich nicht mal jemanden einzuladen, weil man sich so schämt.“

Ein Foto der Mieter zeigt, wie es um den Mülleimer am Spielplatz herum häufiger aussieht.
Ein Foto der Mieter zeigt, wie es um den Mülleimer am Spielplatz herum häufiger aussieht. © Mieterbeirat © Mieterbeirat

Ihre Nachbarin stimmt ihr zu. „Früher konnten die Kinder hier barfuß spielen“, berichtet Hannelore Jacoby, die zwei junge Töchter hat. „Seitdem die WVB Centuria am 1. Januar hier die Verwaltung übernommen hat, passiert hier nichts mehr. Es wird immer schlimmer, das Wohnen macht hier keinen Spaß mehr.“

Die Gebäude in der Droote, die nun von der Firma WVB Centuria verwaltet werden, gehören zu den Objekten der Wohnungsbaugesellschaft Lanstrop (WBG), die auch im gleichnamigen Stadtteil eine Großwohnsiedlung mit mehr als 1000 Wohnungen hat. Die WBG gehört der Firma Forte Capital, einem Finanzinvestor, zu dessen Firmengeflecht auch die Verwaltungsfirma WVB Centuria gehört.

Auf dem Spielplatz und den umliegenden Wiesen liegt überall Abfall herum. Die kleinen Punkte im Sand sind weder Blätter noch Holzstöcke, sondern Müll.
Auf dem Spielplatz und den umliegenden Wiesen liegt überall Abfall herum. Die kleinen Punkte im Sand sind weder Blätter noch Holzstöcke, sondern Müll. © Hendrik Nachtigäller © Hendrik Nachtigäller

„Zuletzt wurde hier vier Wochen lang nicht einmal aufgeräumt“, berichtet Sabrina Rohleder. „Wir zahlen ja auch dafür. Aber der neue Hausmeister sagt, dass er keine Zeit dafür hat.“ Der Hausmeister habe ihnen mitgeteilt, dass er eine Prioritätenliste habe und dass das, was nicht ganz oben stehe, nicht gleich bearbeitet werde. Dazu zähle auch der Müll auf dem Spielplatz.

Rasen gemäht – ohne Müll vorher wegzuräumen

Zuletzt sei vier Wochen lang nicht aufgeräumt worden, berichtet Sabrina Rohleder. Letzte Woche sei der Rasen gemäht worden – ohne zuvor den Müll zu entsorgen, einfach über den Abfall hinweg.

Bis Ende letzten Jahres sei das kein Problem gewesen. Der vorherige Hausmeister, noch von der vorherigen Verwaltungsfirma Paul Immobilien beauftragt, habe drei Mal pro Woche vor Ort aufgeräumt und Abfälle entsorgt, auch den einen Mülleimer am Spielplatz geleert.

Ein Mülleimer für den Spielplatz und seine Besucher ist zu wenig

Dass es davon nur einen gibt, habe der Mieterbeirat ebenfalls bereits bemängelt. „Hier wohnen so viele Leute und so viele Kinder, wenn der Mülleimer freitags geleert wird, ist er montags wieder voll“, sagt Sabrina Rohleder.

Doch nicht nur Mieter aus den angrenzenden Häusern kämen auf den Spielplatz. Zudem sind die Mülltonnen für die Hausabfälle nicht umzäunt, neben den Tonnen stapelt sich Sperrmüll. „Da kommen Leute vorbei und stellen ihren Müll dazu, weil die Tonnen nicht abgesperrt sind“, sagt Sabrina Rohleder.

„Wir haben darum gebeten, dass ein Zaun um die Mülltonnen aufgestellt wird oder wir mehr Tonnen bekommen, aber da kommt nichts. Und der Dreck liegt dann im Gebüsch.“

Die Mülltonnen der Häuser an der Droote nutzen nicht nur die Anwohner, berichtet Hannelore Jacoby: „So sieht es hier aus, wenn schon aufgeräumt worden ist.“
Die Mülltonnen der Häuser an der Droote nutzen nicht nur die Anwohner, berichtet Hannelore Jacoby: „So sieht es hier aus, wenn schon aufgeräumt worden ist.“ © Hendrik Nachtigäller © Hendrik Nachtigäller

Dies habe neben dem Anblick und dem Ungeziefer weitere Folgen für die Anwohner. „Die Leute horten den Müll zuhause, weil die Tonnen voll sind“, sagt Sabrina Rohleder. Gerade jetzt im Sommer sorge das auch für Gestank.

Mieter wollen selbst die Initiative ergreifen

Dabei solle es nicht am Einsatz der Anwohner scheitern. „Wir als Eltern und Mieter kümmern uns auch, aber das ist nicht unsere Aufgabe“, sagt Sabrina Rohleder. Wenn der Mülleimer am Spielplatz voll sei, gingen sie mit einem extra Müllbeutel nach draußen, um den Abfall wieder mitnehmen zu können.

Zudem hätten die Mieter angeboten, selbst tätig zu werden – unter einer Bedingung. „Wir haben angeboten, den Hof zu fegen, wenn uns ein Fegegerät zur Verfügung gestellt wird“, erzählt Sabrina Rohleder. „Wir haben gesagt, dann machen wir als Eltern das selbst, aber nicht mal dazu waren die bereit.“

Und der Müll stamme nicht nur von Anwohnern. „Auf den Spielplatz hier kann jeder draufgehen“, sagt Sabrina Rohleder. „Wir nehmen auch schon selbst mal den Müllsack in die Hand und räumen auf, aber wir sind doch nicht dafür zuständig, den Dreck anderer wegzumachen, wo wir sowieso schon für die Reinigung zahlen.“

„Spielparadies“ steht auf dem Schild neben dem Spielplatz - doch im Sand können die Kinder wegen des vielen kleinteiligen Mülls nicht mehr barfuß spielen, wie Hannelore Jacoby berichtet.
„Spielparadies“ steht auf dem Schild neben dem Spielplatz – doch im Sand können die Kinder wegen des vielen kleinteiligen Mülls nicht mehr barfuß spielen, wie Hannelore Jacoby berichtet. © Hendrik Nachtigäller © Hendrik Nachtigäller

Die Mieter in der Droote haben genug. „Das ist kein Zustand mehr, wir brauchen dringend Hilfe“, sagt Sabrina Rohleder. „Die Ratten und die Tauben holen sich hier alles raus.“ Hannelore Jacoby stimmt ihr zu. „Der Sommer steht vor der Tür und wir können unsere Kinder hier nicht spielen lassen, das ist nur traurig. Und sowas nennt sich Spielparadies“, sagt sie enttäuscht mit Blick auf den Schriftzug eines Schildes am Spielplatz.

Auf eine schriftliche Anfrage unserer Redaktion mit Bitte um Stellungnahme zu den geschilderten Vorwürfen haben wir von der Firma WVB Centuria bis zu unserem Redaktionsschluss keine Antwort erhalten.

Über den Autor
Gebürtiger Dortmunder mit viel Liebe für den großen und kleinen Sport: Hauptsache, es rollt, tickt oder geht ordentlich vorwärts. Ob im Fernsehen, am Spielfeldrand oder selbst mit Ball und Rad unterwegs. Seit 2014 für Lensing Media im Einsatz, erst in Freier Mitarbeit, nun als Volontär.
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Hendrik Nachtigäller

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