Anwohner ärgern sich: "Wo sollen wir mit unseren Autos hin?" © Irina Höfken
Parkplatzmangel

Dortmunder sollen vor eigenem Haus plötzlich Park-Knöllchen zahlen

Parkplätze sind mancherorts rar gesät. In einer Dortmunder Siedlung wird’s jetzt noch knapper. Wo jahrzehntelang nichts passiert ist, hat das Ordnungsamt nun angekündigt Bußgelder zu verteilen.

Vielerorts sind die Straßen und Bürgersteige nach heutigen Standards viel zu schmal. Die Parksituation in den Dortmunder Siedlungen ist oft nach dem Motto „Wo kein Kläger, da kein Richter“ zu beschreiben. Problematisch wird‘s dann, wenn sich ein Kläger rührt.

Ordnungsamt verteilt künftig Knöllchen

In der Siedlung der Espen- und Buchenstraße in Wambel ist das der Fall. Dort klemmte plötzlich eine Warnung des Ordnungsamts an der Windschutzscheibe des Autos von Familie Petz, das am Straßenrand geparkt war. Wie es das eigentlich immer war.

Das Kärtchen verkündet, dass das aber gegen die Straßenverkehrsordnung verstoße und künftig Gebühren drohten. Für Familie Petz ist das neu.

„Wir parken hier seit Jahrzehnten so“, sagt Sabine Petz. Sie, ihre Schwester Christiane Rabaza und ihre Schwiegertochter Jaqueline Petz sind empört. Sie alle sind Eigentümer eines Hauses in der Siedlung und haben weder einen festen Stellplatz noch eine Garage.

In der Espenstraße werden künftig Knöllchen verteilt.
In der Espenstraße werden künftig Knöllchen verteilt. © Irina Höfken © Irina Höfken

„Wo sollen wir denn mit unseren Autos hin?“, fragt Jaqueline Petz. Alternativen gebe es keine. Ein 15-minütiger Marsch zum Auto könne doch nicht zum Dauerzustand werden, sagt sie.

„Wir stecken in einem Dilemma“

„Wir stecken in einem Dilemma“, sagt Bezirksbürgermeister Hartmut Monecke (SPD). Er wolle eine Lösung für die Anwohner finden. Ein Termin mit Mitgliedern der Bezirksvertretung Brackel, Mitarbeitern des Tiefbauamts und des Ordnungsamts vor Ort hätten diese aber vorerst nicht ergeben, so Monecke.

Bezirksbürgermeister Hartmut Monecke (SPD) (l.) und Stellverteter Dirk Risthaus (CDU) (r.) schauen sich die Lage vor Ort an und suchen nach Lösungen.
Bezirksbürgermeister Hartmut Monecke (SPD) (l.) und Stellverteter Dirk Risthaus (CDU) (r.) schauen sich die Lage vor Ort an und suchen nach Lösungen. © Irina Höfken © Irina Höfken

Aufgrund einer Beschwerde habe das Ordnungsamt reagieren müssen, führt er aus. Das Problem: Weder der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand von 1,50 Metern auf dem Bürgersteig noch 3,05 Meter Rettungsweg auf der Straße seien gegeben. Das Parken ist demnach rechtswidrig.

Rollstuhl und Kinderwagen passen durch

Jaqueline Petz sieht das Problem nicht: „Mit dem Kinderwagen kommt man gut an den Autos vorbei.“ Nachbarin Sanja Bojanic bestätigt, auch mit dem Rollstuhl, auf den ihre 13-Jährige Tochter angewiesen ist, sei das kein Problem. Rechtlich sieht die Lage aber anders aus. Ab sofort wird wohl nur noch Familie Bojanic auf ihrem Behindertenparkplatz regelkonform in der Espenstraße parken dürfen.

Sanja Bojanic kommt mit dem Rollstuhl ihrer Tochter gut an den parkenden Autos vorbei.
Sanja Bojanic kommt mit dem Rollstuhl ihrer Tochter gut an den parkenden Autos vorbei. © Irina Höfken © Irina Höfken

Aufgeben will Bezirksbürgermeister Monecke aber nicht. Bei der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung werde das Parkplatzproblem Thema sein. Ein gemeinsamer Antrag an die Stadt solle klären, ob die Einbahnstraße zur Mischverkehrsfläche umgebaut werden könne.

Inwieweit sich die Anwohner nach dem Kommunalabgabengesetz (KAG) an den Kosten beteiligen müssen, werde sich dann zeigen. Wenn das Ergebnis vorliegt, werde die Meinung der Anwohner in einer Bürgeranhörung eingeholt, sagt Monecke.

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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Irina Höfken

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