Der ehemalige Wickeder SPD-Ratsvertreter Friedhelm Sohn hat zehn Münzen geschickt bekommen, die er nicht bestellt hat. Ein elftes Fach in der mitgelieferten Verpackung ist seltsamerweise leer. © Andreas Schröter
Abzocke

Dortmunder soll 199 Euro für Münzen zahlen, die er nicht bestellt hat

Ein bekannter Dortmunder hat unerwartet goldglänzende Münzen geschickt bekommen. Wohl nicht aus Großherzigkeit, denn er soll sie bezahlen. Das hat er allerdings nicht vor.

Der ehemalige SPD-Ratsvertreter und Wickeder Friedhelm Sohn staunte nicht schlecht, als ihm der Postbote neulich einen Maxi-Umschlag zustellte. Darin fanden sich eine Uhr und zehn schick aussehende, goldschimmernde Münzen – versehen mit kleinen Bildern von Kunstwerken wie der Mona Lisa oder dem letzten Abendmahl: das Komplett-Set „Leonardo da Vinci“. Angeblicher Kostenpunkt: 1119 Euro. Aber weil noch ein Gutschein in Höhe von 919,50 Euro dabei lag, sollte Sohn nun „nur noch“ 199,50 Euro zahlen.

Problem: Sohn hatte überhaupt keine Münzen bestellt. Und er will auch keine haben. Zwar habe er früher einmal vom Vater eine Reihe von Münzen und Geldscheinen geerbt, aber er habe niemals selbst welche bestellt. Deshalb fragt er sich nun, wieso ihm das Bayerische Münzkontor mit Sitz in Aschaffenburg diese Ware schickt.

Die Mona Lisa ziert eine der Münzen im Komplett-Set „Leonardo da Vinci“
Die Mona Lisa ziert eine der Münzen im Komplett-Set „Leonardo da Vinci“. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Sohn ist sicher: Wenn er das nun einfach ignoriert, steht irgendwann der Gerichtsvollzieher vor der Tür und verlangt Geld von ihm. Er werde versuchen, einfach in den nächsten Tagen den Postboten abzupassen und ihm die Sendung mit dem Vermerk „Annahme verweigert“ wieder mitzugeben. Er wisse aber nicht, ob das überhaupt möglich sei. Wenn nicht, habe er doch mindestens die Portokosten für die Rücksendung zu tragen.

Kunde soll sich direkt ans Unternehmen wenden

Eine Sprecherin des Bayrischen Münzkontors erklärte auf Anfrage, ihr Unternehmen verschicke grundsätzlich keine Ware, die nicht bestellt worden sei. Zu einzelnen Kunden könne sie aus Datenschutzgründen keine Angaben machen. Aber der Kunde möge sich doch direkt an das Unternehmen wenden, dann lasse sich sicher eine Lösung finden.

Auch eine Armbanduhr war in der Sendung enthalten
Auch eine Armbanduhr war in der Sendung enthalten. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Googelt man „Bayrisches Münzkontor“, stößt man auf viele weitere Eintragungen von Fällen, in denen das Unternehmen angeblich nicht bestellte Ware verschickt haben soll. Auf der juristischen Fachseite „it-recht-kanzlei.de“ heißt es dazu: „Wer von einem Unternehmer unbestellte Waren zugesendet bekommt, muss diese nicht bezahlen oder zurücksenden. Weil dies nicht alle Verbraucher wissen, gibt es Unternehmer, die mit dieser Masche richtig Kasse machen und die Verbraucher zur Zahlung von Geld bewegen wollen. Das ist unlauter. Denn eine solche Praktik verstößt gegen die Schwarze Klausel Nr. 29 des UWG.“ UWG steht für „Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“.

Auch die Verbraucherzentrale warnt vor dem Bayerischen Münzkontor: Viele Münzsammler erhalten beispielsweise unter dem Titel „besonderer Sammler-Service“ laufend weitere Münz-Lieferungen, ohne sich bewusst zu sein, dass sie die jemals bestellt haben (ein sog. „Sammelabo“). Andere Internetnutzer beschweren sich über Mahnungen für Münz-Sendungen, die sie weder bestellt noch erhalten haben.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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