Nadim Al-Madani, der Schulleiter der Gesamtschule Scharnhorst, hält so lange am Präsenzunterricht fest wie möglich. © Nadim Al-Madani
Schule im Lockdown

Distanzunterricht: Dortmunder Gesamtschule geht ihren eigenen Weg

Seit zwei Monaten lernen Schüler vom heimischen Schreibtisch aus. Die Gesamtschule Scharnhorst geht dabei ihren eigenen Weg. So läuft ein Tag in einer Schule auf Distanz.

Seit Mitte Dezember befinden sich Nordrhein-Westfalens Schüler wieder im Distanzunterricht.

Die Schulen gestalten den Distanzunterricht unterschiedlich; NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) lässt den Lehrern weitestgehend freie Hand. Die Ministerin macht auch bei der sukzessiven Rückkehr in den Regelbetrieb ab 22. Februar keine klaren Vorgaben.

750 iPads für 1100 Schüler

Nadim Al-Madani geht mit der aktuellen Lage routiniert um. Er leitet die Gesamtschule in Scharnhorst und meint: „Wir warten auf die Schulmail, lesen die durch, schlafen eine Nacht darüber und besprechen dann im Kollegium, wie wir die Sache umsetzen. Klar ist, dass die 10er und die Q2 kommen werden. Noch haben wir eine Woche Zeit, um alles zu planen.“

Obwohl die Schüler der Gesamtschule seit zwei Monaten im Distanzunterricht sind, kommen täglich Schüler und Lehrer ins Gebäude. Förderkinder und Schüler, die zu Hause nicht die Möglichkeit haben, in Ruhe zu lernen, werden hier betreut.
Obwohl die Schüler der Gesamtschule seit zwei Monaten im Distanzunterricht sind, kommen täglich Schüler und Lehrer ins Gebäude. Förderkinder und Schüler, die zu Hause nicht die Möglichkeit haben, in Ruhe zu lernen, werden hier betreut. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Trotz der allmählich Rückkehr in den Präsenzunterricht setzt die Gesamtschule auf den Ausbau der digitalen Möglichkeiten. 750 iPads stünden für 1100 Schüler zu Verfügung.

Wenngleich der Schulleiter der Stadt ein großes Lob für die zügige Beschaffung der Endgeräte ausspricht, sieht er Schwachstellen. „Der Mehrwert der Geräte erschließt sich erst mit Tastatur und Stift.“ Diese Hardware fehle aber.

Und noch ein Problem gebe es: Die Geräte werden ohne Programme geliefert, was logisch sei, da Dortmunds Schulen mit unterschiedlichen Lernplattformen arbeiten. Dennoch bedeutet das Aufspielen der Apps Mehrarbeit für die Lehrer.

Neue Programme gewinnen in Distanzunterricht an Bedeutung

Ein wichtiges Programm ist die Landesplattform „Logineo“, die an der Gesamtschule im Distanzunterricht genutzt wird und auch danach ein fester Bestandteil des Schulalltags bleiben soll. „Logineo ist ein echtes Lernmanagementsystem, mit dem wir individuelle Lernwege vorgeben können“, erläutert Lehrer Sebastian Opitz die Vorteile.

Ein zweites Werkzeug für Lehrer und Schüler ist die Schulcloud, die ähnlich wie der Messenger-Dienst Whatsapp funktioniere. „Die Schulcloud haben wir erst durch die Pandemie systematisch aufgebaut“, erklärt Opitz.

Trotz Distanzunterricht kommen täglich Schüler und Lehrer in die Schule

Obwohl in diesem Jahr noch gar kein Unterricht in den Klassenräumen am Mackenrothweg stattgefunden hat, kommen täglich Lehrer und Schüler in das Schulgebäude.

„Schüler, die zu Hause nicht die Umgebung haben, um vernünftig lernen zu können, dürfen unter den üblichen Hygieneauflagen herkommen und werden hier betreut“, sagt Nadim Al-Madani. Außerdem würden um die 40 Förderkinder der Jahrgangsstufen 5 bis 8 vor Ort beschult.

Weniger als die Hälfte der Schüler hat einen funktionierenden Drucker

Schon im ersten Lockdown fragte die Schule die technische Ausstattung der Schüler zu Hause ab. „Unter 50 Prozent der Haushalte haben einen Drucker“, sei ein Ergebnis der Umfrage, erklärt der Didaktische Leiter Sebastian Opitz.

Und: Selbst wenn es einen Rechner oder Laptop im Haushalt gebe, könne es sein, dass das Kind sich das Gerät mit Geschwistern teilen müsse. Erst kürzlich habe die Schule 60 Endgeräte an Schüler ausgeben können, die sonst nicht am digitalen Unterricht hätten teilnehmen können.

Auf Grundlage der Ergebnisse der Umfrage gestalten die Lehrer den Distanzunterricht. Statt auf Aufgabenblätter zum Ausdrucken setzen die Lehrer auf die Arbeit mit den Schulbüchern oder sie spiegeln ihren Bildschirm und gehen so Aufgaben mit den Schülern durch.

Um 8 Uhr beginnt die Schule – selbst im Homeschooling

„Die Kollegen machen das sehr individuell“, erläutert der Schulleiter. Wenngleich der Inhalt variiert, ist der Rahmen festgesteckt: Die Schüler arbeiten auch im Distanzunterricht nach Stundenplan, was nicht an allen Schulen üblich ist.

Der Tag fängt morgens um 8 Uhr mit einer Videokonferenz an, in der die Lehrer die Anwesenheit kontrollieren. „Struktur ist unserer Schülerschaft wichtig“, ist Nadim Al-Madani überzeugt.

Es sei nicht so, dass die Kinder und Jugendlichen 60 Minuten lang via Videokonferenz dem Mathe-Unterricht folgen müssten. Stattdessen würden „kurze Impulse“ gesetzt und die Schüler könnten dann in der Stunde Aufgaben bearbeiten, während der Fachlehrer für Rückfragen zur Verfügung steht.

Die Pandemie als Brandbeschleuniger

In Zukunft wollen Al-Madani und sein Kollegium die Schüler ab der fünften Klasse an das digitale Lernen heranführen. Denn das sei nötig, obwohl Wischen auf dem Smartphone heutzutage zum Alltag gehöre.

„Viele haben schon Probleme ihre Passwörter zu verwalten oder eine Internetadresse aufzurufen, die man nicht über eine Suchmaschine finden kann“, bemängelt Sebastian Opitz.

Ab Jahrgangsstufe sieben soll jeder Schüler mit einem Tablet ausgestattet sein.

Dafür will die Schule ein Leasing-Angebot etablieren, dass über drei Jahre läuft. „Danach gehört das Gerät dem Kind beziehungsweise den Eltern“, beschreibt Nadim Al-Madani das Konzept.

Der Schulleiter und sein Kollege Sebastian Opitz sind sich einig: Ohne Corona und den Lockdown wären die Schulen längst noch nicht so weit mit dem digitalen Wandel. „Die Pandemie war der Brandbeschleuniger“, fasst Al-Madani die Entwicklung bildlich zusammen.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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