Claudia Uthes sitzt bei Edeka Patzer in Wickede an der Kasse. Ein Jahr Corona hat sie durchaus als anstrengend wahrgenommen. © Andreas Schröter
Ein Jahr Corona in Dortmund

Corona brachte Supermarkt-Kassiererin um den Schlaf

Claudia Uthes hat 2020 durchgearbeitet. Nicht nur wie immer, sondern sogar mit mehr Stress. Die Supermarkt-Kassiererin berichtet von ihrem Alltag und sagt „wir können ja hier nicht die Gesellschaft verändern“.

Eine Berufsgruppe, die im Corona-Jahr nicht nur komplett durchgearbeitet hat, sondern sogar deutlich stärker belastet war und ist als in normalen Zeiten, sind Supermarkt-Mitarbeiter. So wie Claudia Uthes (57), die seit 40 Jahren im Einzelhandel beschäftigt ist und seit neun Jahren bei Edeka Patzer an der Eichwaldstraße in Wickede arbeitet.

Das Corona-Jahr sei eine starke Belastung für sie gewesen, sagt sie, und sie habe an manchen Tagen nachts nicht mehr richtig schlafen können. Ihr Ehemann müsse sich abends so einiges anhören. Aber das sei ja vermutlich in vielen Berufen so. Auch sei sie körperlich geschlaucht, weil der Markt einen viel höheren Waren-Durchlauf habe als vorher. „Das liegt daran“, glaubt sie, „dass die Leute nicht mehr auswärts essen gehen können, sondern alles zu Hause selbst kochen.“

Morgens um 7 Uhr den Laden gestürmt

Ganz zu Anfang der Krise haben die Kunden schon morgens um 7 Uhr den Laden gestürmt – manche nur auf der Suche nach Klopapier. Zu dieser Zeit sei natürlich der Kassenbereich noch gar nicht besonders stark besetzt gewesen, was zu Stress für die wenigen Mitarbeiter geführt habe, die da waren. Nach kurzer Zeit habe man den Klopapier-Verkauf regulieren müssen: jeder nur noch maximal zwei Pakete.

Edeka Patzer in Wickede hat ein Jahr Corona ohne eine einzige Infektion unter den Mitarbeitern überstanden
Edeka Patzer in Wickede hat ein Jahr Corona ohne eine einzige Infektion unter den Mitarbeitern überstanden. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Der Run auf speziell diesen Artikel sei mittlerweile zwar vorbei, aber was sie immer noch – oder in der jüngeren Vergangenheit wieder mehr – spüre, sei eine gewisse Unfreundlichkeit der Kunden. „Manche kommen in den Laden ohne Einkaufswagen, und wenn man sie drauf anspricht, sagen sie frech: Draußen waren keine mehr.“ Dass draußen keine mehr sind, liegt natürlich daran, dass der Markt auf diese Weise den Kundenzustrom regelt.

Immer wieder müssen die Mitarbeiter Kunden auf die Maskenpflicht hinweisen – und darauf, dass jeder einzelne Kunde wirklich einen eigenen Wagen haben muss. Auch gebe es immer wieder Streit unter den Kunden – wenn zum Beispiel jemand findet, ein anderer halte zu wenig Abstand. „Aber da mische ich mich nicht ein“, sagt Claudia Uthes, „wir können ja hier nicht die Gesellschaft verändern.“

Marktleiterin Anika Pieczkowski ergänzt, es gebe auch immer wieder Anrufe und E-Mails von Kunden, die meinen, ihr genau erklären zu müssen, wie man den Supermarkt viel besser organisieren könne. Oder es gab Beschwerden über den Lieferservice, den der Markt extra eingerichtet hatte, um besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen besser zu schützen. Kritisiert wurde, dass die Fahrer bei 30 Fahrten nicht exakt angeben konnten, wann sie vor der Tür stehen.

Die Angst vor Ansteckung an der Kasse

Für sie komme an der Kasse natürlich auch immer die Angst vor der Ansteckung hinzu, sagt Claudia Uthes. Die Leute fassen sich erst in die linke Hosentasche, dann in die rechte und fingern ihr Kleingeld daraus hervor. Oder sie lecken ihre Finger an, um die Scheine besser auseinanderziehen zu können. Gottseidank habe sie das Jahr aber ohne Corona überstanden – genauso wie ihre anderen Kollegen und Kolleginnen: Bei Edeka Patzer hat es bisher keinen einzigen Corona-Fall gegeben.

Chefin Anika Pieszkowski lobt ihr Team dafür, dass der Krankenstand im abgelaufenen Jahr nicht höher war als üblich. „Nicht auszudenken“, sagt sie, „was passiert wäre, wenn wir jetzt auch noch eine Krankmeldungs-Welle gehabt hätten.“

Insgesamt wünscht sich Claudia Uthes jedenfalls mehr Freundlichkeit und Gelassenheit ihrer Kunden. „Es wäre doch schön, wenn sie erkennen würden, dass Supermarkt-Kassiererinnen auch Menschen sind.“ Wenn sie jünger wäre, würde sie vielleicht sogar über einen Berufswechsel nachdenken: irgendwas mit Kindern. Im Supermarkt sei es doch so: Man füllt ein Regal mühsam auf, und im nächsten Moment ist es schon wieder leer. Das könne auch frustrierend sein.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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