Katja Wibbeke gibt ihren Ballettunterricht online per Kommunikations-Plattform Zoom. Die Bewegungen ihrer Schülerinnen kann sie auf einem großen Bildschirm verfolgen. © Traumtänzer
Ballettschule Traumtänzer

Balletttrainerin schenkt Schülerinnen ein bisschen Normalität in der Pandemie

Auch die Ballettschule „Traumtänzer“ im Dortmunder Norden hat unter der Corona-Krise zu leiden. Chefin Katja Wibbeke aber steckt den Kopf nicht in den Sand und entwickelt neue Ideen.

Keinen Cent staatliche Hilfe während der Corona-Pandemie hat die Brechtener Ballettschule „Traumtänzer“ bislang erhalten. Doch Inhaberin Katja Wibbeke klagt kaum über die finanziellen Folgen des Lockdowns für ihren Betrieb. Viel schlimmer sei, dass sie momentan nicht das ausleben könne, was sie so sehr liebe: ihre Arbeit mit den Ballettschülerinnen und das Planen von Aufführungen.

Erst auf Nachfrage gibt sie zu, dass ihr die Krise auch finanziell schwer zu schaffen macht. Die Miete für die Räume an der Evinger Straße 491 muss weiter bezahlt werden, obwohl 35 Prozent der 180 bis 200 Ballettschülerinnen ihr Abo gekündigt haben.

Unschön sei auch, so sagt die 34-Jährige, dass derzeit keine neuen Schülerinnen nachkommen und einige Rückbuchungen erfolgen müssen. In einer Ballettschule herrsche eben in normalen Zeiten eine gewisse Fluktuation: Ältere Mädchen melden sich ab, jüngere kommen hinzu. Und genau das passiert momentan nicht. Auch sei sie bemüht, ihre vier 450-Euro-Kräfte weiter zu bezahlen. Schließlich wolle sie nicht, dass die kündigen und sie nach der Krise kein Personal mehr habe.

Gute Laune trotz schwieriger Lockdown-Situation hat Ballettstudio-Chefin Katja Wibbeke nach wie vor
Gute Laune trotz schwieriger Lockdown-Situation hat Ballettstudio-Chefin Katja Wibbeke nach wie vor. © Traumtänzer © Traumtänzer

Trotz aller Schwierigkeiten steckt Katja Wibbeke den Kopf nicht in den Sand. So gibt sie ihre Kurse in Ballett, Spitzentanz, Workout und Hip-Hop weiter als Online-Kurse per Kommunikations-App Zoom. Genauso verfährt sie mit dem Einzelunterricht für besonders ambitionierte Mädchen.

Natürlich sei das nicht mit dem normalen Unterricht im Tanzstudio zu vergleichen, sie könne fehlerhafte Haltungen schlechter korrigieren – aber immerhin: Es gebe den Mädchen etwas Struktur in ihrem Tagesablauf und sorge für Spaß und gute Laune.

Ganz nebenbei entlaste es die Eltern, von denen viele in Homeschooling- und Homeoffice-Zeiten schwer gestresst seien. In der Weihnachtszeit hat Katja Wibbeke etwa 200 Tütchen mit einer kleinen Überraschung zu ihren Schützlingen gebracht. „Das war aufwendig“, gibt sie zu.

Katja Wibbeke hat in der Weihnachszeit allen Ballettschülerinnen ein kleines Geschenktütchen gebracht. Die siebenjährige Anna hat sich darüber sehr gefreut
Katja Wibbeke hat in der Weihnachszeit allen Ballettschülerinnen ein kleines Geschenktütchen gebracht. Die siebenjährige Anna hat sich darüber sehr gefreut. © Stefanie von Wahl © Stefanie von Wahl

All das wissen die Eltern der Ballettschülerinnen zu würdigen. So schreibt Stefanie von Wahl: „Bereits im Frühjahr, als es zu dem ersten Lockdown kam, hat Katja Wibbeke sofort reagiert und Videos per WhatsApp verschickt. Es war Tanzunterricht, aber es kamen auch zusätzliche Dinge wie das Hände-Waschen-Video. Sie können sich nicht vorstellen wie mein Sohn Mats (vier Jahre) dazu abgegangen ist und wie oft die Kinder das gesungen und getanzt haben.“

Auf diesem Weg habe Katja Wibbeke den vielen Mädchen ein bisschen Normalität zurückgegeben und die Pandemie in den Hintergrund rücken lassen.

Im Vergleich zu vielen anderen Bereichen, in denen keine gute Vorbereitung, Krisenmanagement und Organisation stattgefunden haben, stach Katja Wibbeke heraus, so Stefanie von Wahl.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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