Lehrer Adams (links mit Bart) führte eine Chronik des Lanstroper Schullebens vom Ende des 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. © Archiv Hüppe
Seuchen im 19. Jahrhundert

Als Scharlach, Masern und Frieseln in Lanstrop wüteten

Seuchen wie die Coronavirus-Pandemie gibt es nicht erst seit heute. In den Chroniken eines Lanstroper Lehrers finden sich Passagen über den Ausbruch von Masern, Scharlach und Frieseln.

Eine interessante geschichtliche Ausgrabung hat der Lanstroper Matthias Hüppe gemacht: Franz Adams war Lehrer in Lanstrop von 1861 bis 1906. Als er anfing, wurde auch das neue Schulgebäude an der unteren Bremsstraße/Ecke Michaelstraße in Betrieb genommen. Das Haus steht heute noch und hat einst der bekannten Dortmunder Bildhauerin Liesel Bellmann als Wohnhaus und Atelier gedient.

Lehrer Adams hat eine Chronik geführt, in der er so etwas wie einen Jahresrückblick festgehalten hat. Hier drei Beispiele, die zum heute so aktuellen Thema Coronavirus passen:

Zwei Kinder gestorben

So schrieb er 1889: „Im Juni verlor die Schule zwei Kinder durch den Tod. Unter den kleinen, noch nicht schulpflichtigen Kindern herrschten Masern, Scharlach während des ganzen Herbstes, weshalb auch die gesunden Kinder der betreffenden Haushaltungen der Schule fern bleiben mussten zum großen Nachteil des Unterrichts.“

Und 1893 notierte er: „Während der Sommermonate herrschten in hiesiger Gemeinde arge Kinderkrankheiten: Masern, Scharlach etc.: deshalb leere Schulbänke, zeitweise fehlte die Hälfte der Schüler. Die Knabenschule zählte über 50 Zöglinge, die Mädchenklasse eine gleiche Anzahl, die kombinierte Unterstufe über 60 Kinder.“

Ein dritter Eintrag bezieht sich auf das Jahr 1897: „In der Zeit vom 27. Januar bis 10. Februar arges Unwetter, Schneegestöber, Wasserflut etc.: Der Schulbesuch war daher sehr schwach. Am 21., 22. und 23. März 1897 war die Zentenarfeier des hochseligen Kaisers Wilhelm I. Am 21. Volksfest im Saale des Gastwirts Brockhaus, hier: am 22. Schulfeier.“

Das alte Lanstroper Schulgebäude an der unteren Bremsstraße/Ecke Michaelstraße steht noch immer
Das alte Lanstroper Schulgebäude an der unteren Bremsstraße/Ecke Michaelstraße steht noch immer. © Hüppe © Hüppe

Und weiter: „Die Kinder, 174 an der Zahl, wurden mit Kuchen beschenkt; der Betrag dafür wurde aus der Gemeindekasse entrichtet. Am 7. April 1897 Revision durch den Herrn Regierungsrat Freundgen und Herrn Kreisschulinspektor Dr. Grohse-Bohle. Beim Ostertermin 1897 war der Bestand der hiesigen Schule; Ia: 64 Schüler, Ib: 62 Schüler, II: 73 Schüler, zusammen 199 Zöglinge.“

Franz Adams schreibt: „Im November und Dezember 1897 grassierten die Frieseln und forderten unter den Kindern einige Opfer; von schulpflichtigen Kindern starb ein Kind. Der Schulbesuch war während dieser Zeit ein schwacher; es fehlte in der Unterstufe bisweilen mehr als die Hälfte.“

Matthias Hüppe, der sich auch im Aktivkreis „Ja zu Lanstrop!“ engagiert, sagt dazu: „Im Moment wird ja heiß diskutiert, ob es eine Impfpflicht geben sollte. Das war sogar schon vor Corona ein Thema, als sich Kitas geweigert haben, Kinder anzunehmen, die nicht nachweislich gegen Masern geimpft wurden.

Wenn ich mit Menschen darüber rede, führe ich immer die Chronik des ersten Lanstroper Lehrers an, der sicherlich für diese Diskussionen kein Verständnis gehabt hätte.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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Andreas Schröter

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