Brigitte Appelhans wird von Stadtmitarbeiter Axel Berndt ins Impfzentrum geschoben. Awo-Vorstand Manfred Drechsler hat die Asselerin mit dem Awo-Mobil nach Hörde gefahren. © Lydia Heuser
Impfmobil

15 Kilometer zum Impfen: „Ich hatte viel Angst – aber nicht vor der Spritze“

Für manche Dortmunder ist der Weg zum Impfzentrum weit. Wie auch für eine Asselerin, die deshalb einen Fahrservice der Awo genutzt hat. Wir haben sie auf ihrem Weg zum „puren Gold“ begleitet.

Es ist kurz nach drei Uhr an Aschermittwoch (17.2.) als es bei Brigitte Appelhans klingelt. Sie ist schon vorbereitet, hat ihre Tasche gepackt, die Unterlagen zusammengelegt und in die Tasche vom Rollator gesteckt.

Manfred Drechsler und Norbert Roggenbach von der Awo Asseln/Husen/Kurl holen die 85-Jährige ab, um sie nach Dortmund-Hörde ins Impfzentrum zu fahren – ein Service der Organisation. Es ist quasi die Jungfernfahrt an diesem sonnigen Nachmittag. Nur ausnahmsweise fahren die zwei Männer die gut 15 Kilometer lange Strecke gemeinsam.

Manfred Drechsler und Norbert Roggenbach wollen sich in Zukunft mit den Fahrten zum Impfzentrum abwechseln.
Manfred Drechsler und Norbert Roggenbach wollen sich in Zukunft mit den Fahrten zum Impfzentrum abwechseln. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Brigitte Appelhans ist froh über das Angebot der Awo, denn selbst fahren kann sie nicht. „Mein Hausarzt ist nur fünf Minuten weg“, sagt sie. Dürfte der impfen, wäre vieles einfacher, sagt sie. Jetzt muss sie den Ausflug nach Phoenix-West machen und sich dort impfen lassen, wo sonst Hunderte zu Live-Musik feiern.

Nach der Impfung erzählt Brigitte Appelhans, wie es war

In der Halle, die offiziell Warsteiner-Music-Hall heißt, sei sie vorher noch nie gewesen, erzählt Brigitte Appelhans nach dem Pieks, als sie im Wartebereich sitzt und sich ein bisschen ausruhen kann.

Die Fahrt, das Aussteigen, der Weg rauf zum Impfzentrum und das mehrstufige Prozedere bis hin zur Impfung selbst liegen da schon hinter ihr. Als Begleitperson durfte die Reporterin gemeinsam mit Brigitte Appelhans durchs Impfzentrum gehen.

Jetzt, im Wartebereich, soll sie 15 Minuten Platz nehmen. Mit ihr warten an diesem Nachmittag zahlreiche weitere Über-80-Jährige; einige sitzen wie Brigitte Appelhans im Rollstuhl.

„Ich finde das gut“, sagt die 85-Jährige dazu. Wie die Gegebenheiten vor Ort sein würden, wusste die Asselerin vorher nicht. Deshalb hatte sie ihren Rollator mitgenommen, den sie nun also nicht braucht.

An der Bushaltestelle vor Phoenix-West, an der Norbert Roggenbach anhalten konnte, wurde Brigitte Appelhans gleich von Stadtmitarbeiter Axel Berndt in Empfang genommen und in einen Rollstuhl gehievt.

An der Bushaltestelle Phoenix-Halle warten Mitarbeiter mit Rollstühlen auf Menschen mit Impftermin.
An der Bushaltestelle Phoenix-Halle warten Mitarbeiter mit Rollstühlen auf Menschen mit Impftermin. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Axel Berndt chauffiert die Senioren zwischen Haltestelle und Impfzentrum im Rollstuhl hin und her.

Barrierefrei ist der Weg zur Halle nämlich nur bedingt; zwar ist der Schnee inzwischen geschmolzen, aber die zahlreichen Stufen und auch die alternative Rampe sind nicht einfach zu überwinden.

Der Schnee ist fast weggeschmolzen, trotzdem ist der Weg rauf zum Impfzentrum für manch einen Impfwilligen nicht so einfach zu bewältigen.
Der Schnee ist fast weggeschmolzen, trotzdem ist der Weg rauf zum Impfzentrum für manch einen Impfwilligen nicht so einfach zu bewältigen. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Aber die Organisatoren haben alles im Griff: es stehen Rollstühle und elektrische Impfmobile bereit.

Angst vor dem Impfzentrum und dem organisatorischen Ablauf

„Ich hatte viel Angst“, gesteht Brigitte Appelhans, als sie im Wartebereich sitzt. „Aber nicht vor der Spritze.“

Sorge habe ihr bereitet, dass sie den Weg nicht finden würde oder im etwa 3000 Quadratmeter großen Impfzentrum selbst den Überblick verlieren könnte. Aber all das passierte nicht, denn überall halfen Mitarbeiter, erklärten die nächsten Schritte und begleiteten die 85-Jährige und Axel Berndt zur nächsten Station.

Nach Fiebermessen und Anmeldung schob Axel Berndt die Seniorin an einen Tisch, dort musste sie in einem Fragebogen eintragen, welche Medikamente sie nimmt, ob sie sich krank fühle oder schon mal Impfreaktionen bemerkt habe.

Danach ging es in einen Vorraum. Brigitte Appelhans musste dort ihr Impfbuch vorzeigen: „Ich habe noch das alte. Zwei Felder für die Corona-Impfungen sind noch frei.“

Dann schob Axel Berndt sie in einen zweiten Raum, wo schon Krankenschwester Brigitta Pieper auf sie wartete. „Sie sind ja wunderbar vorbereitet“, sagte sie, als sie Brigitte Appelhans half, Winterjacke und Strickjacke auszuziehen und den linken T-Shirt-Ärmel hochzuschieben.

„Das pure Gold“ komme jetzt, so kündigte die Krankenschwester die Spritze mit dem begehrten Impfstoff an.

„Ich habe gar nichts gemerkt“, meint Brigitte Appelhans hinterher im Wartebereich. „Ich war in meinem Leben 25 Mal Blut spenden. Das macht mir also nichts.“

Das Warten hat ein Ende: Brigitte Appelhans kann wieder nachhause

„Frau Appelhans, wie fühlen Sie sich?“, fragt Axel Berndt um kurz nach vier Uhr, als die Viertelstunde im Wartebereich um ist. „Ich fühle mich gut.“

Im Rollstuhl schiebt Axel Berndt die 85-Jährige wieder bis zur Bushaltestelle. Schon am Ausgang des Impfzentrums wird sie von Norbert Roggenbach und Manfred Dechsler in Empfang genommen.

Der Kleinbus steht schon bereit und die Schiebetür zur Rückbank ist aufgeschoben. Norbert Roggenbach stellt einen stabilen Holzhocker vor die erste Stufe, damit Brigitte Appelhans den Höhenunterschied zwischen Bordstein und Bus besser überwinden kann.

Brigitte Appelhans sitzt wieder im Awo-Mobil und lässt sich zurück nach Brackel fahren.
Brigitte Appelhans sitzt wieder im Awo-Mobil und lässt sich zurück nach Brackel fahren. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Mit etwas Hilfe und Geduld kommt sie sicher in den Bus. Ihr Rollator, den sie für den Impf-Ausflug nun doch nicht brauchte, verstaut Nobert Roggenbach wieder im Kleinbus.

Im März soll Brigitte Appelhans ihre zweite Spritze bekommen. „An einem Wochenende“, wie sie sagt. Auch da wird das Awo-Mobil wieder vor ihrer Tür stehen.

Auf dem Rückweg nach Brackel: Brigitte Appelhans wird im März ein zweites Mal mit dem Awo-Mobil nach Hörde kommen.
Auf dem Rückweg nach Brackel: Brigitte Appelhans wird im März ein zweites Mal mit dem Awo-Mobil nach Hörde kommen. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Die Awo Asseln/Husen/Kurl bietet die Fahrt von Haustür zu Impfzentrum und zurück für ihre Mitglieder an. Anmeldung sind schriftlich über Whatsapp/Telefon 0172 – 1 75 18 49 oder per E-Mail an awoasseln@dokom.net unter Angabe des Namens und Impftermins möglich.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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