Restlos zugeparkt: Autos dominieren den öffentlichen Raum am Neuen Graben. © RN
Kreuzviertel

Wird aus dem Neuen Graben im Kreuzviertel bald eine Einbahnstraße?

Weniger Parkplätze, dafür mehr Grün und mehr Außengastronomie: So könnte sich der Neue Graben als zentrale Achse im Kreuzviertel künftig darstellen. Die Pläne haben Folgen für den fließenden Verkehr.

Im Sommer schlugen die Wogen hoch am Neuen Graben. Ein großer Teil der Anwohner fühlte sich überrumpelt, weil etliche Parkplätze quasi „über Nacht“ in Aufenthaltsecken mit Lampions umgewandelt worden waren und auf den Gehwegen plötzlich Tische und Bänke standen.

Die „Zukunftsbilder“, die das Wuppertal Institut im Rahmen des Projekts „Lebenswerte Straßen, Orte und Nachbarschaften“ testweise vorstelle, hatten bei einem Teil der Anwohner Unmut hervorgerufen. Ihre Sorge galt vor allem den Parkplätzen. Damals hatte es geheißen, es könnten sämtliche Stellplätze im Neuen Graben wegfallen.

Inzwischen scheinen sich die Wogen geglättet zu haben. Zuletzt meldeten sich verstärkt Anwohner (aus Nachbarstraßen) zu Wort, die das Projekt als Chance sehen, das Kreuzviertel zugunsten von Fußgängern und Radfahrern vom Parkverkehr zu entlasten. Dass die im Sommer angedachten Pläne inzwischen abgespeckt sind, dürfte zur Beruhigung der Gemüter beigetragen haben. Davon, dass alle Parkplätze wegfallen könnten, ist längst keine Rede mehr.

Jetzt soll jeder Zweite Parkplatz am Neuen Graben wegfallen

Nach aktuellem Stand soll nun jeder zweite Parkplatz gestrichen werden. Von 140 öffentlichen Stellplätzen blieben also rund 70, wie Projektleiter Steven März vom Wuppertal Institut den Vor-Ort-Politikern der westlichen Innenstadt am Mittwoch (1.12.) erläuterte.

Um Lebensqualität und Flair im Kreuzviertel zu erhöhen, sollen auf den frei werdenden Plätzen Flach- und Hochbeete angelegt und Bäume gepflanzt werden. Ebenso können die Flächen bei Bedarf im Sommer zur Erweiterung der Außengastronomie genutzt werden.

Das aktuelle Projekt soll mehr Grün und Aufenthaltsqualität für Anwohner bringen. © RN © RN

Die Gehwege sollen über möglichst ganze Länge auf 2,50 Meter verbreitert, der Straßenraum auf vier Meter zurückgebaut werden. Noch im Sommer hatten Anwohner die Befürchtung, der Neue Graben könne sich zu einer „Partymeile“ entwickeln, die nächtlichen Lärm und Getöse mit sich bringe. Auch da hat das Wuppertal Institut reagiert – und will die Zahl der Bänke auf den Gehwegen nun auf zwölf begrenzen.

Fahren Autos künftig nur noch in West-Ost-Richtung?

Seit Dienstag (30.12) liegt die vom Wuppertal Institut erstellte Planung (die sogenannte Vorzugsvariante) bei der Stadt. „Wir sind dort auf viel Zustimmung gestoßen“, berichtete Projektleiter März den Bezirksvertretern. Dabei habe man auch Einklang über die rechtlichen Anforderungen erzielt. Das betrifft beispielsweise die Feuerwehr, die nach Änderung des Straßenquerschnitts künftig 5,50 Meter Platz für ihre Leitern benötigt. Allein dadurch würden die 70 Stellplätze bereits wegfallen, sagt März.

Dabei haben die Veränderungen nicht nur Auswirkungen auf den ruhenden Verkehr: Setzt die Stadt das Projekt um, wird der Neue Graben künftig zur Einbahnstraße, wie März auf Anfrage bestätigte. Der Autoverkehr wird dann nur noch in West-Ost-Richtung fließen, von der Lindemannstraße zur Hohen Straße. Radfahrer dagegen sollen den Neuen Graben weiterhin in zwei Richtungen durchqueren können. Ob der Plan Realität wird, hängt indes nicht vom Wuppertal Institut ab. Die entscheidenden Akteure sind andere.

Die Zahl der parkenden Autos ist weit höher als die der Stellplätze im öffentlichen Raum. © RN © RN

Hintergrund: Das Projekt am Neuen Graben ist Teil eines NRW-weiten Wettbewerbs, an dem das Wuppertal Institut teilnimmt. Bis 18. Januar muss die Stadt Dortmund den vorliegenden Entwurf, mit ihrem Stempel versehen, im NRW-Städtebauministerium eingereicht haben.

Dortmund könnte Millionen Euro Fördermittel lockermachen

Dort soll am 16. Februar entschieden werden. Kommt Dortmund mit dem Projekt Neuer Graben aufs Siegertreppchen, kann die Stadt in der Folge Millionen Euro an Fördermitteln beantragen. Nach deren Bewilligung bleiben der Stadt fünf Jahre Zeit, die Verkehrsachse im Kreuzviertel neu zu gestalten.

Das wiederum könnte den städtischen Tiefbauern bzw. den Mitarbeitern der Stadtentwässerung mehr Luft verschaffen: Der Neue Graben steht vor Kanalbauarbeiten, die eigentlich Ende 2022 starten sollten. Da sowohl die städtischen Tiefbauer als auch die Stadtentwässerer Volllast fahren und kaum noch Kapazitäten haben, sollen die Arbeiten dort und in den Nebenstraßen nun erst nach der EM 2024 starten, wie die Stadt auf Anfrage mitteilt. Daran könnte sich dann die Neugestaltung der Oberfläche anschließen.

Frage nach Ersatzparkplätzen bleibt erstmal offen

Vorläufig offen bleibt, ob und an welcher Stelle Ersatz für die 70 wegfallenden Parkplätze geschaffen werden kann. Dieser Aufgabe müsste sich die Stadt widmen – die natürlich auch ein externes Büro mit einer Untersuchung beauftragen kann. „Das Wuppertal Institut kann das im Rahmen des Projekts nicht leisten“, sagt März. „Das ist nicht Bestandteil der Aufgabe.“

Bei der Installation im Sommer hatten Anwohner zwischenzeitlich die Möglichkeit, ihre Autos ersatzweise an der Westfalenhalle abzustellen und ihre Wagen über ein kostenloses Stadtbahnticket zu erreichen. Der Erfolg war bescheiden. Das Angebot, sagt März, sei nur von „einigen wenigen Anwohnern“ genutzt worden.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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