Einsam wacht der Bergmann am Grab der Familie Taeglichsbeck auf dem Ostfriedhof. Das von Benno Elkan geschaffene Bronzerelief „Todesgang“ auf dem Nachbargrab wurde von der Friedhofsverwaltung abmontiert. © Oliver Volmerich
Ostfriedhof

Warum viele wertvolle Kunstschätze auf dem Dortmunder Ostfriedhof fehlen

Gleich mehrere historische Kunstwerke sind vom Dortmunder Ostfriedhof verschwunden. Die Stadtverwaltung hat sie entfernt und eingelagert. Doch was steckt dahinter? Und werden die Kunstschätze zurückkehren?

Das zurzeit üppige Grün auf dem Ostfriedhof kaschiert etwas die Leere. Doch bei genauem Hinsehen fällt bei gleich mehreren historisch Grabmalen auf Dortmund zweitältestem kommunalen Friedhof auf: Da fehlt etwas.

Und zwar etwas, das neben dem vielen Grün den ganz besonderen Flair des Ostfriedhofs ausmacht. Denn viele historische Gräber werden von Kunstwerken geziert. Mehrere davon sind allerdings seit gut eineinhalb Jahren verschwunden – gewissermaßen amtlich gesichert, um nicht Dieben in die Hände zu fallen.

Sorge um Elkan-Werke

Denn die hatten im Mai 2018 Statuen, Grabtafeln und andere Gegenstände aus Bronze von Gräbern gestohlen. Engagierte Bürger hatten deshalb eine Initiative gestartet, um besonders wertvolle Kunstwerke zu sichern. Die Sorge galt speziell den Werken des Dortmunder Bildhauers Benno Elkan, dessen bekanntestes Werk die Menora vor der Knesset in Jerusalem ist.

Elf Kunstwerke hatte er zwischen 1904 und 1910 für Gräber auf dem Ostfriedhof angefertigt, von denen über die Jahrzehnte einige verschollen sind. Die acht verbliebenen Arbeiten Elkans sowie ein Werk des Hörder Bildhauers Bernhard Hoetger hatte nun die Friedhofsverwaltung abmontiert und eingelagert.

Sicherer Aufbewahrungsort

Sie sind sicher verwahrt auf dem Hauptfriedhof. Hier liegen Statuen wie die „Persephone“ vom Grab der Familie Borbein/Kirchhoff und „Die Wandelnde“ vom Grab der Familien Richter/Seippel nun friedlich und sicher nebeneinander.

Einen Raum weiter liegen das Bronzerelief „Todesgang“ von der Grabstelle der Familie Schulze-Vellinghausen und weitere Bronzetafeln. So ist sichergestellt, dass sie nicht ebenfalls Dieben in die Hände fallen, die sich Geld durch den illegalen Verkauf des Materials versprechen.

Friedhof-Betriebsleiter Uli Heynen und Kunsthistorikerin Dr. Rosemarie Pahlke mit den eingelagerten Elkan Skulpturen “Die Wandelde” und “Persephone”. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

„Wobei der Materialwert eigentlich gering ist. Der ideelle Wert ist ungleich höher“, stellt Uli Heynen als Leiter des städtischen Eigenbetriebs Friedhöfe fest. Ausschlaggebend für die Auswahl der abmontierten Werke war denn auch die kunsthistorische Bedeutung.

Repliken als Ersatz

Expertin dafür ist Dr. Rosemarie Pahlke, die sich im Auftrag der Stadt um die Kunst im öffentlichen Raum kümmert – und jetzt auch darum, dass die Schätze vom Ostfriedhof gesichert und ersetzt werden. Denn die Gräber, von denen die Kunstwerke abmontiert wurden, sollen nicht dauerhaft leer bleiben. Es werden Repliken hergestellt und auf den Gräbern montiert, erläutert sie.

Auf dem Sockel des Grabmals Borbein/Kirchhoff fehlt die von Elkan 1908 geschaffene Skulptur „Persephone“. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Stabil und wetterfest sollen die „Doppelgänger“ sein. Und aus einem Material, das Metalldiebe kalt lässt. „Man wird sehen können, dass es sich um Repliken handelt“, erklärt Rosemarie Pahlke. Zugleich sollen aber auch die Original-Kunstwerke restauriert und aufgearbeitet werden. Sie könnten dann eventuell im Foyer der Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof geschützt aufgestellt werden oder im städtischen Museumsdepot aufbewahrt werden.

Rosemarie Pahlke hofft jetzt, den Auftrag dazu kurzfristig an eine Fachwerkstatt vergeben zu können – und auf finanzielle Unterstützung durch die Bezirksvertretung Innenstadt-Ost. Die Bitte ist, 80 Prozent der geschätzten Gesamtkosten von 75.000 Euro zu übernehmen. Damit stünden dann die Chancen gut, dass die historischen Gräber auf dem Ostfriedhof nicht mehr lang ohne Kunstwerke bleiben.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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