Peter Fricke von Aufbruch Fahrrad © Björn Althoff
Experten-Interview

Schnellweg für Radfahrer durch Dortmund: Wie gut ist er tatsächlich?

Vorfahrt für Radfahrer, einmal quer durchs Kreuzviertel – der Radschnellweg Ruhr in Dortmund wächst. Aber was sagt eigentlich ein Rad-Experte über das fertige Stück des RS1 und die Planung?

Gelungen oder eine Fehlplanung? Gut für die Radfahrer oder doch nur ein Feigenblatt in der Verkehrswende? Als das erste Teilstück des Radschnellwegs Ruhr fertig war, gab es heftige Kritik an der Stadt.

Aber wie berechtigt ist die? Was haben die Planer wohl richtig gemacht und wo müsste man aus Sicht der Fahrradfahrer noch viel tun? Ein Interview mit Peter Fricke von der Initiative Aufbruch Fahrrad.

Herr Fricke, nachdem das erste RS1-Teilstück im Kreuzviertel fertig war, gab es heftige Kritik. Teilen Sie die?

Es gibt viel Kritik, weil die Leute Bilder von der Bahntrasse in Mülheim kennen. Dort stand eben eine alte Bahntrasse zur Verfügung und es ist viel Platz. Dann sind Menschen natürlich enttäuscht, wenn sie das hier sehen. Hier ist Autoverkehr und hier sieht es bei Weitem nicht so schön aus. Aber ich denke, das war die richtige Entscheidung, das hier durchzuführen.

Warum?

Man hatte im Grunde nur drei Möglichkeiten. Entweder den Radschnellweg ganz zu unterbrechen, also zu sagen: Hier in dicht besiedeltem Gebiet bekommen wir es nicht hin. Oder man hätte ihn außenrumführen können, wo mehr Platz ist, aber das geht dann am Bedarf vorbei.

Deshalb hat man sich dazu entschieden, den Radschnellweg hier durch das dicht bebaute Gebiet zu führen. Das war genau die richtige Entscheidung, auch wenn es bei der Umsetzung Kompromisse gibt und wenn die Bilder dann vielleicht nicht so schön sind wie in Mülheim. Wir haben hier einfach keine alte Bahntrasse und müssen mit dem arbeiten, was wir haben.

Aber einen konkreten Kritikpunkt hatten Sie auch, oder?

Es gab eigentlich nur eine Kleinigkeit, ein kleines bauliches Problem vor dem Edeka, wo der Radschnellweg vom Sonnenplatz in die Große Heimstraße einbog: Da war die Bordsteinkante etwas zu hoch, da hat die Stadt aber sehr schnell reagiert und eine provisorische Lösung gefunden – eine gute Lösung erst einmal. Gut ist, dass die Stadt schnell reagiert hat auf diese Gefahrensituation.

Sind die einparkenden und ausparkenden Autos ein Problem?

In einer idealen Welt hätte man einen Radschnellweg, wo es keine Autos und keine Parkplätze gibt, dementsprechend auch keine Ein- und Auspark-Vorgänge. Aber wir sind eben in dicht bebautem Gebiet.

Natürlich würde man sich immer wünschen, dass die Anzahl der Parkplätze so niedrig wie möglich ist. Und die Anwohner würden sich wünschen, dass die Anzahl der Parkplätze so hoch wie möglich ist. Da muss man einen Mittelweg finden. Wir haben hier relativ wenige Ein- und Auspark-Vorgänge, weil wir relativ viele Dauerparker haben. Deshalb ist das nicht ganz so schlimm.

Wichtig ist, dass die Dauerparker vor den Baumscheiben wegkommen. Da wurde bisher schon illegal geparkt, aber jetzt soll es kontrolliert werden und mit Beschilderung noch einmal verdeutlicht werden. Wenn diese Parker weg sind, ist die größte Gefahrenstelle weg.

Wenn es Möglichkeiten gäbe, würde man sich wünschen, die Anzahl der Querparker noch etwas zu reduzieren. Denn die parken schon etwas blind aus. Sie können ja nicht so viel sehen und deshalb den Radschnellweg beeinträchtigen.

Sind Sie die ersten Meter schon gefahren?

Natürlich, und es ist super. Die Sonnenstraße ist eine der übelsten Hoppelstraßen in ganz Dortmund gewesen. Wenn man jetzt hier über den glatten Asphalt fährt – da liegen Welten dazwischen.

Ein wesentlicher Vorteil ist ja, dass ich auf dem Radschnellweg nicht bremsen und anfahren muss, oder?

Wir haben hier nur ein ganz kurzes Stück bisher und trotzdem sieben oder acht Stellen, wo rechts vor links geändert wurde zu einer Vorfahrtssituation. Und außerdem kommt eine Ampel weg. Das sind schon deutliche Verbesserungen, wenn man nicht ständig anhalten und anfahren muss, gerade in Tempo-30-Zonen, wo man ununterbrochen in Rechts-vor-links-Situationen abbremsen muss. Und es ist natürlich auch eine Komfortfrage.

Deshalb ist es ja so wichtig, dass die Falschparker-Situation kontrolliert wird, denn so eine Vorfahrt bringt mich als Radfahrer ja nicht weiter, wenn die Kreuzung so zugeparkt ist, dass ich doch anhalten muss, aus Sicherheitsgründen, weil ich nichts sehen kann.

Wird die Stadt wohl genug kontrollieren?

Da bin ich optimistisch. Es kann nicht sein, dass die Stadt hier mit großem Trara den Radschnellweg baut und der anschließend unbenutzbar ist, weil er zugeparkt ist. Darauf wird man schon ein Auge haben – und ansonsten sind wir ja auch noch da.

Was schätzen Sie: Wann können Sie auf dem Radschnellweg einmal quer durch Dortmund?

Bisher hatte die Stadt je gesagt, er soll bis 2024 fertig werden. Mittlerweile sind wir an dem Punkt, wo sie sagt: Bis 2030 soll es ein Provisorium geben. Wir würden uns das natürlich sehr viel schneller wünschen. Es gab ja auch eine große Demo, wo 3000 Leute das eingefordert haben.

Wenn die Stadt jetzt wirklich Nägel mit Köpfen macht und richtig viel neues Personal einstellt, dann haben wir die Hoffnung, dass es doch ein bisschen schneller als 2030 geht.

Wichtig ist, dass es wirklich vorangeht beim Radschnellweg – und wichtig ist auch, dass es vorangeht mit der übrigen Infrastruktur. Denn der Radschnellweg ist nur eine Strecke in Dortmund. Und wir haben ganz viel Rad-Infrastruktur, die nicht in Ordnung ist oder die vollkommen fehlt. Wir wünschen uns einfach viel mehr Tempo als bisher.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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